Warum ich zum Champions-League-Finale mit dem EHC Red Bull München nach Göteborg mitgefahren bin, obwohl ich mit dem EHC ja nicht mehr so wirklich viel anfangen kann, ist eine ganz lustige Geschichte:

Ich war in meinem ganzen Leben erst einmal in Schweden – im Jahre 2000 mit dem glorreichen TSV 1860 in Halmstad – bis nach Göteborg hatte ich es noch nie geschafft.

Zufällig stolperte ich am späten Abend ein paar Tage vor dem Finale über ein Posting, dass die Tickets für das Spiel für die Münchner freigeschaltet wären und als ich nachsah, war im Stadion noch exakt ein (!) Ticket frei. Ein Zeichen? Spontan kaufte ich die Karte – verkauft wäre sie ja im Zweifelsfalle schnell – und tatsächlich: der Erwerb einer weiteren Karte scheiterte, das Spiel war ausverkauft. Ja sauber… dann fahr ich halt zum CL-Finale… nur wie?

Das Pokerturnier in Asch wollte ich sowieso spielen und von Asch ist es nach Berlin exakt so weit wie nach München – und von Berlin gingen die Flüge via Easyjet nach Göteborg noch sehr günstig her, während in München bereits viele wegen der Flugpreise am Verzweifeln waren – wenn mal eben rund 1000 Leute die selbe Strecke fliegen wollen, dann greift hier halt schmerzlich der Kapitalismus bzw. das alte Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Eigentlich wollte ich dann per Zug von Schweden aus zurück fahren – in der ersten Klasse mit dem Sparpreis Europa für 156,- Euro ist fair, wie ich finde:

Doch dann kam mir eine noch bessere Idee: Der Gabelflug GöteborgBangkokMünchen war ebenso teuer wie von München nach BKK und zurück und Thai-weh hatte ich sowieso – also gab ich meinen Europa-Sparpreis zurück und packte meine Badehose und meine Boxsachen in den Koffer nach Göteborg. Spontanität ist eben alles.

Dank ´nem kostenlosen Upgrade ging es mit einem schicken 5er BMW von Sixt erst zum Pokerturnier in Asch und nach diesem weiter nach Berlin, wo ich das Einwegmiete-Auto bei Sixt am Flughafen abgab. Prompt waren auch am Montag morgen bereits die ersten EHCler in diesem Flieger – gekannt habe ich keinen, bin ja auch schon ein paar Jahre so gut wie weg von dem Verein.

Ich hatte im Vorfeld schon gelesen, dass Schweden inzwischen quasi bargeldfreie Zone ist – in der Reservierungsbestätigung vom Hotel stand der Hinweis, dass sie kein Bargeld nehmen würden und dass der Bus vom Flughafen zum Airport kein Bargeld akzeptiert fand ich auch im Internet – ich war gespannt, wie das weitergehen würde:

Reisen ist ja in 2019 wirklich nicht mehr spannend: Es gibt quasi nichts, was man nicht im Vorfeld in Erfahrung bringen kann – also ging es nach einem unspektakulärem Flug in Göteborg direkt zum Transferbus in die Innenstadt, bezahlt wurde per Kreditkarte und nach rund 30 Minuten fahrt war man im Zentrum und von dort aus via GoogleMaps in wenigen Minuten zu Fuß zu dem äußerlich unspektakulären, aber innen frisch renoviertem und sehr schicken Hotel:

Comfort Hotel Göteborg

Was ich bis dato nur von meinem Lieblings-Hotel in London – dem citizenM Tower of London – kannte, ist auch hier eingeführt worden: man checkt selber ein und aus und bespielt auch seine Zimmerkarte selber – auf der einen Seite schlecht, weil es Arbeitsplätze kostet, auf der anderen Seite gut, weil man sich wenigstens nicht mit unfreundlichem Personal rumärgern muss und alles einwandfrei funktioniert.

(…und seien wir doch mal ehrlich: alleine die Art und Weise, wie ich am nächsten Tag meinen Frühstücks-Saft kredenzt bekam war es wert in diesem Hotel zu nächtigen – oder? ;))

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Das Zimmer war schön und warm, draußen schneite es und war kalt und so ging es nur kurz in die Stadt, genauer gesagt ins Zentrum und dann zum Essen ins Hardrock Cafe: auch hier der Hinweis, dass dies ein Bargeldloses Restaurant ist (wie an so vielen Restaurants in Göteborg) und nach einem durchschnittlichen Essen – immerhin neben der Gitarre von Kerry King von Slayer – und einem kurzen Spaziergang durch die Innenstadt ging es dann wieder zurück ins Hotel, nicht ohne beim 7-Eleven noch was zu trinken mitzunehmen: bezahlt wurde natürlich mit Kreditkarte, ich sollte in den gesamten drei Tagen nicht einmal schwedisches Bargeld auch nur zu Gesicht bekommen.

Spieltag Frölunda Indians – EHC Red Bull München 3:1 (05.02.2019)

Nachdem Göteborg im Winter nicht allzu viele Sehenswürdigkeiten hat – im Sommer übrigens auch nicht, da kommen dann nur noch Hafenrundfahrt im Paddelboot und ein Freizeitpark hinzu – ging es abgesehen vom Hafen nur noch einmal durch die Innenstadt und ins Universeum Göteborg – das ist eine Mischung aus Sealife, Zoo und botanischem Garten – aber sehr schön gemacht und vor allem in den Tropenzonen schön warm.

Unweit gelegen an der Halle wo am Abend das Finale stattfinden sollte und vom Mannschaftshotel – von dort ging es dann noch einmal ins eigene Hotel bzw. an den dort gelegenen Hafen:

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Der Hafen ist auch ohne Rundfahrt schön, wäre aber im Sommer einfach schöner und wärmer (man muss ja nicht krampfhaft alles schön schreiben, nur weil man halt zu ´ner ungünstigen Jahreszeit vor Ort war…) und dann ging es auch schon zu Fuß durch die Stadt zum

Champions-League-Finale

Frölunda Indians – EHC Red Bull München

ins Scandinavium. Wer beim Eishockey schon in Berlin, Hamburg oder Köln war – für den ist diese Halle nichts ungewöhnliches, wenn man die Münchner Eishalle gewöhnt ist, dann kommt man sich wie in einem UFO vor: hat knapp die doppelte Kapazität mit etwas über 12 000 Leuten, ausschließlich Sitzplätze, eine perfekte Video- und Soundanlage und im inneren moderne Fanshops, Gastronomie (überwiegend von Mc Donalds) und sanitäre Anlagen. Ich staunte nicht schlecht, als mir ein Schwede erzählte, dass die Halle für rund 10 Millionen Euro modernisiert werden soll, weil sie veraltet sei.

Hier könnt ihr die Eröffnungsfeier zum Spiel sehen:

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Die Halle war natürlich ausverkauft und unter den 12 000 Zuschauern befanden sich auch rund 1000 aus München, ich selber kannte noch exakt 6 Leute – gut, ich gehe ja auch schon ein paar Jahre nicht mehr bzw. kaum zum Eishockey, aber das hat mich dann doch etwas verwundert.

Beim Spiel hatte man keine Sekunde den Eindruck, dass der EHC Red Bull München hier etwas zu bestellen hätte – und spätestens nach dem 1:0 in der 11. Minute dann gar nicht mehr: ich schaute mir das Spiel ohnehin relativ emotionslos an – Red Bull ist halt einfach nicht mehr mein Verein – und auch der Münchner Anhang – der sich zu Beginn noch ein paar mal ordentlich bemerkbar machte – versprühte nach wenigen Minuten weder große Euphorie noch Stimmung.

Auch von Frölunda Seite kam nicht viel: zu Beginn wurden zwar ein paar Anti-Red-Bull-Banner gezeigt und bei jedem Tor große Fahnen geschwenkt, aber ansonsten lässt sich die Halle auch weitestgehend maximal dazu bewegen, mit den verteilten Klatschpappen zur eingespielten Musik zu klatschen: wenn das das Sporterlebnis der Zukunft ist, dann bleib ich zukünftig lieber daheim und kann meine Freizeit auch angenehmer und spannender verbringen: da kann man ebenso gut ins Kino oder ein Musical gehen.

Sportlich war das natürlich erste Sahne was die Frölunda Indians da abgeliefert haben, ein schönes Eishockey-Spiel – aber für mich macht ein Sporterlebnis dann doch immer etwas mehr aus.

Nachdem ich ja quasi ohnehin mehr in der Beobachterrolle war, habe ich die letzte Minute dann mal mitgefilmt:

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Die Frölunda Indians schaukelten das Spiel souverän nach Hause und ich begab mich zügig ins Hotel, schließlich sollte am nächsten Tag der Flieger nach Thailand gehen: dass ich mir dort unter andem Gedanken darüber gemacht habe, warum ich mit Konzernvereinen im allgemeinen und Red Bull München im besonderen nichts (mehr) anfangen kann, habe ich u.a. dort bzw. im Flugzeug geschrieben – aber das ist eine andere Geschichte 😉

https://bunte-ansichten.de/investoren-konzernvereine-meine-gedanken-dazu/

bzw.

https://bunte-ansichten.de/ehc-red-bull-muenchen-wenn-vom-eigenen-verein-nichts-mehr-uebrig-bleibt/

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Stephan Tempel

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