Deutsche Bahn AG – Chaos ist quasi Standard

Eigentlich fahre ich ja gerne mit der Bahn: Es ist umweltfreundlicher als das Auto, geht auf vielen Strecken einfach deutlich schneller als das Auto und man kann die Zeit im Zug sinnvoll nutzen – und wenn es nur zur Erholung ist oder um Texte wie diesen zu schreiben.

Leider habe ich die letzten Jahre verstärkt den Eindruck, dass immer weniger bei der Bahn funktioniert: Reservierungs-Anzeigen funtkionieren deutlich öfter nicht als sie funktionieren, Züge sind massiv verspätet oder fallen gleich ganz aus – das schlimmste ist aber eindeutig das Krisenmanagement bzw wie mit einer Verspätung oder einem Zugausfall umgegangen wird:

Beispiel Zugfahrt nach Leipzig zum Slayer-Konzert (Bericht hier: Slayer-Konzert in Leipzig 2019): Monate vorher buchte ich für meine Brüder und mich  die Zugfahrt: 3 Stunden 15 Minuten ist für die Strecke einfach sensationell, dazu könnte man ja noch gemütlich an einem Tisch sitzen…

…könnte man, warum das Buchungsprogramm der Bahn uns in einem fast leeren Zug aber an zwei verschiedenen Tischen platzieren wollte, bleibt wohl für immer sein Geheimnis oder das der Programmierer. Zum Glück hatte ich mir die Plätze noch einmal angeschaut und dann per Hand abgeändert, sonst wäre unsere Gruppe an dieser Stelle schon auseinander gerissen worden. Doof.

Am Konzert-Tag sind wir dann mit reichlich Puffer am Bahnhof gewesen und haben dort dann erst einmal festgestellt, dass der eigentlich aus zwei Teilen bestehende ICE heute nur aus einem Teil bestand – ratet mal, welcher Teil wegen technischer Schwierigkeiten ausgefallen ist? Richtig.

Am Gleis schon ständig Durchsagen, dass der Zug so überbucht wäre dass die Leute bitte auf andere Züge ausweichen sollten – wir haben trotzdem noch drei Plätze zusammen an einem Tisch ergattert, sonst wäre ich an dieser Stelle aus- bzw. auf´s Auto umgestiegen.

Aber jetzt ratet mal, welchen Anspruch die Menschen haben die eine Bahnfahrt buchen und dann im Zug stehen dürfen, weil ihr Wagen oder ihr Zugteil fehlt?

Man hat einen Anspruch darauf, dass ich mir die 4,50 Euro für die Zugreservierung je Person für die Zugfahrt erstatten lassen kann. Jetzt sind ja Zugpreise ohnehin immer etwas Glückssache und das möchte ich am folgenden Beispiel näher erläutern:

Ich hab jetzt hier eine einfach Fahrt ohne Bahncard mit dem ICE nach Hamburg genommen  (bei Hin- und Rückfahrt bzw. mit Bahncard ergeben sich ja oftmals wieder ganz andere Preise) :

Mit dem Super-Sparpreis kommt man in diesem Beispiel in der 2. Klasse für 19,90 Euro hin – oder aber zahlt im regulären Flexpreis 153,- Euro.

In der 1. Klasse zahlt man im Super-Sparpreis 29,90 Euro – im Flexpreis 258,- Euro (wobei in der 1. Klasse die Gebühr für die Platzreservierung schon enthalten ist).

Jetzt hat man vielleicht vor Monaten oder ganz spontan seinen Zug gebucht – spielt auch keine Rolle – und bis zu 258,- Euro gezahlt und hat dann das Vergnügen, anstatt an seinem reservierten Platz in Ruhe zu arbeiten in einem überfüllten Zugbistro stehen zu dürfen und hat dafür einen Anspruch in Höhe von 4,50 Euro für seine hinfällige Platzreservierung? Ernsthaft, Deutsche Bahn?

Aber es wird noch besser: Da der Zug dann ab Nürnberg wirklich überfüllt war, kamen ständig Durchsagen, man möge doch bitte Schwangere, Mütter mit kleinen Kindern und älteren Herrschaften seinen Sitzplatz überlassen…

Yep Deutsche Bahn, können wir machen, ich stehe ja auch grundsätzlich in der S-Bahn oder dem Bus auf, wenn jemand aus dieser Personengruppe keinen Sitzplatz hat.

Aber wäre es nicht ein feiner Zug (Ha ha, Wortspiel) von Dir, wenn Du mir dafür etwas bieten würdest? Immerhin habe ich zusammen mit meinen Brüdern einen Haufen Kohle dafür gezahlt, dass wir gemeinsam mit einem Tisch gemütlich nach Leipzig fahren dürfen – und jetzt sollen wir stehen?

Wäre es nicht einfach nur fair, wenn Du uns wenigstens einen 10,- oder 20,- Euro-Gutschein für die nächste Zugfahrt anbieten würdest, wenn wir unseren Platz räumen? Oder einen Gutschein für einen Snack im Bistro? Gut, Du hast es nicht nötig weil wir auch so aufgestanden sind, damit ein älteres Pärchen einen Sitzplatz hat, aber Freunde werden wir auf diese Weise nicht mehr und Deine Beliebtheit bei der restlichen Bevölkerung wirst Du so auch nicht steigern.

Insgesamt bist Du in meinen Augen für viele Strecken immer noch das günstigste Verkehrsmittel, für Vielfahrer die im Besitz einer Bahncard sind sowieso und das Diskussionslos. Trotzdem hast Du jede Menge Hausaufgaben zu erledigen – fang doch mal beim Krisenmanagment an, hier könnten Kleinigkeiten wahre Wunder bewirken.

Stephan Tempel

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