Schnee (-sturm) in der Mojave-Wüste in Kalifornien

…oder auch: Warum Google-Maps und die anderen Navis halt nicht immer das Maß aller Dinge sind:

Die Strecke Las Vegas – Los Angeles (oder andersrum) sind wir schon relativ oft mit dem Auto gefahren: Meist zwischen 4-5 Stunden gemütliche Fahrt, Tempomat, überwiegend nur Sand links und rechts, aufgelockert durch Prim und seine Outlets (inkl. dem Auto von Bonny & Clyde im Casino von Whisky Pete (empfehlenswert)), der Ghosttown Calyco (eher nicht zu empfehlen), dem ehemals größten Solarpark der Welt „Solar Star I“ in der Nähe von Rosamond (weithin zu sehen, hab ich auch schon öfter aus dem Flugzeug erspäht) und dem größten Thermometer der Welt in Baker. Hab ich was vergessen? Ach ja, der  drollige Ort mit dem Namen „Zzyzx“ – es gibt ja so ziemlich alles in den USA.

Eines hätte ich aber sicherlich nicht erwartet, als wir am Morgen nach dem Slayer-Konzert in Las Vegas unseren Leihwagen abholten: Das wir unser Ziel Los Angeles wegen einem Schneesturm fast nicht bzw. nur mit Glück, Verstand und einer gehörigen Verspätung erreichen würden. Aber der Reihe nach:

Zum Glück hatten wir unser Mietauto schon lange im Vorraus schon sensationell günstig gebucht und würden es in Los Angeles ohnehin brauchen, ansonsten wären wir an diesem Tag nämlich gerne mit unserem Freund Ramon mitgefahren, der in Las Vegas lebt und an Thanksgiving nach LA fuhr bzw. fahren wollte.  So fuhren wir vom LinQ-Hotel via Uber zur Rental-Car-Station und bekamen einen wunderschönen Dodge Durango.

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Wegen Thanksgiving – selbst die In´N Out – Burger bleiben an diesem Tag geschlossen, wie auch viele Geschäfte – hatten wir eigentlich nicht viel Verkehr erwartet und die Strecke von Las Vegas nach Los Angeles ist so simpel, dass wir für diese schon lange kein Navi mehr brauchen.

Wir hatten uns ja im Vorfeld eine US-Sim-Karte mit Datenflat bestellt und da auf den Straßen doch so einiges los war und vor allem nach ungefähr der Hälfte der Fahrt plötzlich Schnee links und rechts der Fahrbahn lag, lies ich wegen den Verkehrsmeldungen Google-Maps mitlaufen, welches uns nach gut 2/3 Fahrt signalisierte, dass wir doch bitte die Autobahn verlassen sollten:

Diese sei wegen einem Unfall gesperrt und die Verzögerungen auf dieser Strecke wuchs von Minute zu Minute rasant an – das sah nach einer längeren Geschichte aus und so verließen wir den Highway auf der Höhe von Victorville.

Jetzt ist es ja in den USA nicht so, dass da quasi fast wie bei uns eine Landstraße durch ein paar Ortschaften mehr oder weniger parallel zur Autobahn verläuft, sondern es sind halt gerade in der Wüste oftmals eher  schlechtere Straßen, die durch zum Teil winzige Ortschaften verlaufen, fernab der Autobahn bzw. des Highways.

Was passiert, wenn hunderte oder tausende Autos von mehreren verschiedenen Ausfahrten versuchen, in der Wüste auf Schneebedeckten Straßen die Autobahn zu umfahren, größtenteils wohl mit Sommer- oder bestenfalls mit Allwetter-Reifen? Es herrscht das absolute Chaos.

An der letzten Tankstelle hatte Mutter noch gelacht, als ich überteuerte Schokoriegel und Getränke kaufte, mit den Worten „mal sehen wie lange der Stau oder die Umfahrung dauert“, jetzt lachte niemand mehr: in jeder kleinen Straße standen die Autos, suchten weitere Umfahrungen die es an dieser Stelle größtenteils einfach nicht gibt oder die wegen dem Schnee unpassierbar waren – und wenn man in die nächste größere Straße kam, dann ergossen sich in diese die Autos aus allen Seitenstraßen – nichts ging mehr, stellten wir nach gut 90 Minuten fest. Google-Maps hielt eisern an seiner Route fest, die Ankunftszeit wuchs mit Minute von Minute um genau eine Minute weiter, wir kamen in dieser Zeit jedoch keine 5 Meter weiter und aus den Seitenstraßen kamen bzw. standen immer mehr Autos, die vom Highway abfuhren.

Alternative Routen spuckte Google auch auf Anforderung keine aus, auf der einen Spur der Straße standen wir in zweierreihen, die andere Seite sah von einer leichten Schneedecke abgesehen gut passierbar aus, auch wenn kaum ein Auto in die Richtung fuhr, also schauten wir, was in dieser Richtung liegen würde: Hm… Santa Clarita und dirket darunter Los Angeles. Das bedeutete zwar einen Umweg von über 100 Kilometer um den Angeles National Forest, aber die Straße war laut Google Maps frei also versuchten wir es: Mit insgesamt vier Stunden Verspätung erreichten wir dann unser Quartier für die letzten drei Nächte: die Queen Mary, die inzwischen im Hafen von Long Beach als Hotel liegt. Aber die ist mir einen extra Artikel wert..

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Dass viele andere die Nacht im Auto verbringen mussten bzw. nach vielen Stunden wieder entnervt umdrehten, erfuhren wir erst am nächsten Tag. Hier hat(te) die Technik halt dann doch ihre Grenzen – für uns zum Glück, denn so war die Straße wunderbar frei – für den Großteil der anderen eher schlecht.

https://www.sueddeutsche.de/panorama/wetter-usa-kalifornien-thanksgiving-1.4701160

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Stephan Tempel

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