Slayer – große Abschiedstournee – Konzerte in Madrid & Barcelona

Diese Zeilen schreibe ich gerade im Flugzeug von München nach Madrid, wo es morgen Abend zum vielleicht drittletzten Slayer-Konzert in meinem Leben geht. Warum für Slayer nach Spanien, genauer gesagt nach Madrid und Barcelona fliegen, wo sie doch in wenigen Wochen in München spielen? Zeit für einen Rückblick.

Slayer bzw. Heavy Metal in unserer Kindheit

Es ist 1983, gerade ist die „Show no Mercy“ erschienen, der kleine Stephan ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 6 Jahre alt. Mein großer Bruder Ralf jedoch 8 Jahre älter und – wie so viele in diesem Alter zu diesem Zeitpunkt – in der Heavy-Metal-Phase.  Diese dauert beim großen Bruder so ganz nebenbei bis heute an. Einer der wenigen, der konsequent seit 35 Jahren lange Haare hat :).

Für meine Ohren war das damals noch ein ziemlicher Krach, gefallen hat es mir nicht wirklich. Das wäre in dem Alter auch höchst ungewöhnlich, beschallt wurde ich damit trotzdem.
Wann genau mir der Sound von Slayer dann gefallen hat kann ich nicht mehr genau nachvollziehen, weiß aber noch dass es langsam gesteigert wurde. Erst gefiel mir AC/DC, dann Iron Maiden.

Erstes Heavy-Metal Konzert 1990 mit 13 Jahren: Kreator & Death

Im Jahre 1990 dann das erste große Live-Konzert. Kreator & Death in der alten Theaterfabrik. Der kleine Stephan war damals übrigens 13 Jahre alt und sah aus wie 10. Wie mich mein Onkel da reingebracht hat, ist mir bis heute ein Rätsel.

 

Kreator Death München, 1990
Kreator, Coma of Souls Tour, München 1991

Erstes Slayer-Konzert mit  14 Jahren in München – Decade of Aggression

Ein Jahr später dann das Konzert, das mir vermutlich in meinem Leben am beeindruckendsten in Erinnerung bleiben wird und als ich diesen Bericht schreibe vor exakt 27 Jahren stattfand. Slayer bei der „Decade of Aggression“-Tournee in der alten Rudi-Sedlmayer-Halle, heute auch bekannt als „Audi-Dome“.

Slayer München 1991 Ticket
Slayer München, Ticket from 1991

Dort kaufte ich mir meinen ersten Slayer-Fanartikel – ein Longsleeve, das heute eher grau als schwarz ist. Wenige Monate später direkt nach Erscheinen die „Decade of Agression“-Live-CD.

Es mag vielleicht schwer vorstellbar sein, aber das Internet war von uns noch weiter entfernt als die Erde vom Mond. Außer im monatlich erscheinenden Metal-Hammer kam man an keine Infos von „seinen“ Bands und an wenige Stunden nach dem Konzert oder zeitgleich gestreamte Videos – gar nicht zu denken. Es gab ja noch nicht einmal ein Handy (was für die Stimmung auf den Konzerten deutlich besser war, aber das ist ja ein Thema für sich).

Bis heute haben sich tausenden wilden Typen mit langen Haaren und Kutten (als Metaller halt noch wie Rocker aussahen und nicht wie Hip-Hopper), die grellen Scheinwerfer hinter der Bühne und die tausendfach gereckten Fäuste mit gespreiztem Zeige- und kleinem Finger (wird heute von jedem Poser als „Pommesgabel“ bezeichnet und inflationär benutzt…) in meinen Kopf gebrannt, ebenso wie der Sound vom Konzert und der anschließenden Live-CD.Keine Scheibe ist so oft in meinem CD-Player gelaufen und auch jetzt gerade während ich hier schreibe höre ich genau diesen Sound… das Beste aus „Reign in Blood“, “Show no Mercy“, “Hell awaits” und „South of Heaven“.

Von da an – Slayer, bis zum bitteren Ende

Slayer war ab da auf jeden Fall meine Band. Egal ob ich dann später kurzzeitig zum Punk, Techno oder was auch immer geschwenkt bin. Immer wieder hab ich die alten Slayer-Scheiben hervorgeholt und wenn Slayer auf Tour kam, waren wir dabei. Wer mich kennt, weiß dass ich alte Eintrittskarten ebenso wie alte Flugtickets etc. aufhebe. Leider kann man hier bei weitem nicht von „lückenlos“ sprechen. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich Slayer gesehen habe, aber eines weiß ich sicher: sehr oft. Auch für Festivalplanungen war Slayer immer eine gute Entscheidungshilfe. Withfullforce? Slayer kommt, fahr ma. Wacken? Das gleiche. Rockavaria? Hmm… weiß nicht ob das toll wird.

Aber Slayer kommt, also geh ma hin… (um dann am Konzerttag mit 41 Grad (pfeifferschem Drüsen-)Fieber flachzuliegen… und wenn man ohnehin schon nach Las Vegas fliegt, kann man auch ein paar Tage länger bleiben um das Slayer-Konzert dort mitzunehmen…

Schwierig war die Entscheidung damals bei den Big4 in Gelsenkirchen: Megadeth braucht ja ohnehin kein Mensch, Anthrax ist geil, aber Slayer ernsthaft vor Metallica? Na gut, fahr ma trotzdem (um so ganz nebenbei einen der besten Konzertabende aller Zeiten zu erleben… so gut war Metallica danach auch nie wieder, von der Stimmung ganz zu schweigen).

Bei „Slayer in Las Vegas“ muss ich so ganz nebenbei an meinen (kleinen) Bruder Thomas denken: der hatte sich ja schon vor vielen, vielen Jahren über seinen Bauch ein „Slayer“-Tattoo machen lassen – was man halt im zarten Alter von 18 Jahren so macht – damals eine massive Ansage.

Slayer Tattoo, Belly
Slayer Tattoo

Thomas trifft Kerry King zufällig in Las Vegas

Trotzdem nehm ich im folgende Episode bis heute übel, auch wenn er gar nix dafür kann. Sie hat sich übrigens ein paar Jahre vor dem Slayer-Konzert in Las Vegas zugetragen. Wir sind in der Nacht davor erst in Vegas angekommen und er und unsere Mutter (der hatten wir Las Vegas zum 60. Geburtstag geschenkt) mussten noch ein paar Sachen im Drogeriemarkt am Las Vegas Boulevard kaufen, die sie daheim vergessen hatten.

Ich hatte keinen Bock auf Shopping – wir reden hier von vielleicht 15 Minuten – und legte mich in der Zeit schon einmal im Hooters-Hotel an den Pool. Ich staunte nicht schlecht, als er und Mutter die eben nur wenige Minuten später kamen, mir das folgende Foto unter die Nase hielten. Hatten sie „einen alten Bekannten“ bei den Shampoos getroffen (wo trifft man Kerry King auch sonst).

Kerry King & Thomas Fechner
Kerry King, spotted in Las Vegas

Jener Kerry King lugt übrigens seit bald 10 Jahren aus meinem rechten Innenarm hervor, für dieses Portrait-Tattoo hatte sogar der damals schon sehr gut frequentierte Corpsepainter Julian kurzfristig einen Termin gefunden. Er ist ja ähnlich Slayer-fanatisch wie unsere Familie.

Herbe Verluste bei der Band Slayer

Klar, auch bei Slayer gab es herbe Verluste zu beklagen: zum einen das Ausscheiden des absolut genialen Drummers Dave Lombardo und noch schmerzhafter – natürlich – der Tod von Jeff Hanneman 2013. So sind von der alten Truppe „nur“ noch 50% übrig und die werden halt leider auch nicht jünger. Was aber nichts an meiner Bewunderung für diese Band ändern wird: Scheiben wie „Reign in Blood“ oder „South of Heaven“ haben nichts von ihrer brachialen Gewalt & Genialität eingebüßt.

Auch mehr als 30 Jahre nach ihrem erscheinen und hundertfachem hören pusht mich der Sound noch beim Training zu ein paar Prozent mehr oder hält mich beim Autofahren wach – ich sage es nicht oft von mir, aber hier bin ich wirklich „Fan“(atiker).

Dass die Band sich einen Scheiß um ihr Image in der Öffentlichkeit schert, darüber was andere denken und Themen wie „Ausschwitz“ oder den „Djihad“ aus der Sicht des Bösen schreiben und spielen (natürlich ohne dabei so zu denken)?

Oder der immer wiederkehrende Satanismus was Kirche und Kritiker verschreckt? Um so besser: Slayer wären nicht Slayer, wenn sie anders wären – und das ist neben dem Sound mit ein Grund, warum ich diese Band so verehre. Absolute Härte und Kompromisslosigkeit.

Nun also die Slayer Abschiedstournee

Jetzt also bzw im Juni 2018 haben Slayer ihre Abschiedstournee angekündigt und es war und ist für mich keine Frage, noch so viele Konzerte wie möglich mitzunehmen. Also kurz geschaut welche günstig liegen und über den genialen Doppelpack in Spanien gestolpert: Samstag Abend in Madrid, Sonntag Abend in Barcelona.

Zwei Städte in denen ich zufälligerweise noch nicht war – und nach etwas Recherche die Möglichkeit, das ganze zu einem sensationell günstigem Preis zu erleben. München-Madrid-Barcelona-München für insgesamt 142,- Euro pro Person wenn man nur mit Handgepäck reist (inzwischen die leichteste Übung). Da musste ich einfach zuschlagen – womit wir wieder beim Anfang von diesem nicht mehr ganz so kurzem Artikel wären…

Ich freu mich auf Slayer morgen in Madrid, übermorgen in Barcelona und ein paar Wochen später in München – meinetwegen können sich Tom und Kerry dann zur Ruhe setzen. Zumindest was das produzieren von neuen Scheiben angeht. Alle paar Jahre auf ´nem Festival nochmal Slayer sehen, das wäre was ich mir wünschen würde – und wenn nicht: dann hab ich zum Schluß wenigstens nochmal so viel wie irgendwie möglich mitgenommen.

SLAYER!



Stephan Tempel

PS: Hier ist nachträglich dann der Link zum Konzerttag eingefügt worden.

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