Borussia Dortmund – FC Barcelona, 17.09.19, 0:0

Was führt einen zu so einem Spiel durch halb Deutschland? Zum einen die Bahncard 100 und damit verbunden die Möglichkeit, zu diesem Spiel umsonst anzureisen – und zum anderen natürlich die Partie an sich:

Für den BvB hatte ich als Kind schon Sympathien: Dortmund stand für mich immer für ein tolles Stadion und sehr gute Fans – und als wir dann Anfang der 90er in der zweiten Bundesliga öfters im Ruhrpott spielten, waren immer sehr viele Fans der schwarz-gelben bei uns im Block und kurzzeitig gab es auch eine Fanfreundschaft, wenn auch  nicht so intensiv wie mit den Jungs von Kaiserslautern.

Was ich persönlich aber richtig geil finde, ist das Westfalenstadion: Zum einen führte uns hier mit Sechzig unser erstes Auswärtsspiel nach dem Aufstieg in die erste Liga hin: Es gab zwar eine 4:0-Klatsche (20. August 1994), aber 5000 mitgereiste Löwenfans feierten trotzdem den ersten Auftritt in der Erstklassigkeit und gegenüber diese gigantische gelbe Wand – auch wenn das Stadion damals noch kleiner (für knapp 45 000 zugelassen) und an den Ecken offen war.

Heute finden dort rund  81 000 Zuschauer Platz, bei internationalen Spielen schrumpft diese Kapazität wegen der Umwandlung von Steh- in Sitzplätze auf 66 000.

Was diese Umwandlung dann für die Sicherheit bringt wenn auf diesen Sitzplätzen ohnehin wieder gestanden wird, nur dann halt ohne Wellenbrecher – wissen vermutlich alleine die UEFA und die FIFA.

Eines der spannendsten Spiele ohne Beteiligung eines meiner Vereine war 2001 Liverpool – Deportivo Alaves welches mit einem Golden Goal zum 5:4 entschieden wurde – mit die beste Stimmung, die ich jemals bei einem Spiel erlebt habe und das fand auch im Westfalenstadion statt:

[vc_video link=”https://www.youtube.com/watch?v=uNqFuw6YQZQ” title=”Liverpool – Alaves 5:4″]

Ich bin also auf´s Westfalenstadion getriggert, auch wenn das heutzutage bei Signal Iduna Park heißt und der BvB Deutschlands erster Verein war, der an die Börse ging – ich mag Dortmund.

Auch das gewonnene CL-Finale gegen Juventus in München im Jahre 1997 (ein guter Bekannter schleuste uns damals ohne Tickets über das Marthon-Tor rein) habe ich noch gut in Erinnerung.

Da ich mein Ticket für das Spiel erst am Vortag um 22.00 Uhr sicher ergatterte bzw. in der Hand hielt war Dortmund selbst natürlich komplett ausgebucht bzw. die Zimmerpreise jenseits der 300,- Euro-Marke und im benachbarten Bochum sah es nicht viel besser aus – aber im auf dem ohnehin auf dem Heimweg liegenden Düsseldorf ergatterte ich kein luxuriöses aber trotzdem komfortables Einzelzimmer mit Bad im Zimmer für 40,- Euro. Für wenige Stunden Schlaf alleine da drinnen durchaus ok – in Hostels, Mehrbettzimmer etc. bekommt man mich definitiv nicht mehr.

[vc_video link=”https://www.youtube.com/watch?v=shvmNOf1_sg” title=”Studiotel Belle Etage Düsseldorf”]

Nachdem ich ohnehin noch einiges an Schreibarbeit zu erledigen hatten verging die Zeit im Zug deutlich schneller als das im Flugzeug (bzw. Weg zum Flughafen, einchecken, Sicherheitskontrolle, warten…) der Fall gewesen wäre und gegen 19:00 Uhr lies ich mir meine Currywurst vor dem Westfalenstadion schmecken und enterte kurz darauf das selbige, welches mich immer noch begeistern kann:

Die steilen Tribünen, die Graffitis hinter der Südtribüne und auch das kulinarische Angebot wissen einfach zu begeistern. Mein Platz war auf der Geraden in Richtung Barcelona-Kurve, welche relativ klein war – Barcelona hatte das Gästekontingent nicht ausgeschöpft und wieder Karten nach Dortmund zurück geschickt, ich würde den Gästeanhang auf ca. 3000 schätzen, der – im Gegensatz zur Südtribüne – auch schon vor dem Spiel immer mal wieder auf sich Aufmerksam machte.

Ich wunderte mich noch, dass ich keine Choreovorbereitung im Süden wahrnehmen konnte um dann beim einlaufen überrascht zu werden: die drei goßen Buchstaben „BVB“ aus Konfetti gebildet – das sieht man auch nicht alle Tage.

[vc_video link=”https://www.youtube.com/watch?v=gvkDU4fN-jo” title=”Dortmund – Barca – Konfetti-Choreo 2019″]

All zu oft sollte ich mir solche Knallerspiele nicht anschauen: wenn man solche Fußballfeste präsentiert bekommt, dann wird einem um so deutlicher bewusst, was für ein grausames Gekicke wir Löwen Woche um Woche ertragen müssen – das war Fußball vom feinsten, eine Dortmunder Borussia die die deutlich besseren Chancen hatte und eine Stimmung vom allerfeinsten: Wechselgesänge zwischen Süd- und Nordtribüne, Sitzplatztribünen die fanatisch anfeuern – auch wenn es letztlich ein 0:0 blieb, dann hatte das Spiel und das drumherum die Anreise auf jeden Fall gerechtfertigt.

Gibt´s noch was erwähnenswertes? Nur, dass die Deutsche Bahn AG mal wieder eine Spitzenleistung vollbrachte: Auf dem Heimweg von Düsseldorf nach München gingen bis auf zwei Toiletten alle kaputt bzw. hattten kein Wasser mehr und waren deswegen außer Betrieb, so dass kurzfristig sogar überlegt wurde den Zug in Nürnberg zu räumen – aber der Zugchef appelierte an die Ess- und Trinkdisziplin der mitreisenden, damit die verbliebenen Toiletten nicht auch ausfallen würden – und das erfolgreich: vor den verbliebenen WC´s bildeten sich zwar lange Schlangen, aber lieber durstig angestanden als in Nürnberg ausgestiegen – trotzdem wieder eine Panne mehr in meiner Statistik in drei Monaten Zugfahren. Es schaut nicht gut aus für die Bahn…. und in drei Tagen geht es ja schon wieder in den Pott, diesmal dann mit den Löwen nach Duisburg.

Stephan Tempel

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