…wenn der Tod mal wieder laut an die (Familien-)Tür klopft…

Servus zusammen,

normalerweise poste ich ja nichts all zu privates auf Facebook, aber heute ist mir mal wieder danach – vielleicht ist es ja für den einen oder anderen ganz lehrreich:

Wie einige meiner Freunde und Angestellten mitbekommen haben, war ich die letzten Monate öfters im Krankenhaus bei der Rosi: Rosi ist eine sehr nette Frau, seit einigen Jahren die Freundin und Mitbewohnerin meiner Mutter – die beiden leben seit ein paar Jahren in einer WG zusammen.  Für mich ist sie wie eine Tante – mindestens. Vor wenigen Tagen hatte Rosi erst Geburtstag: Leider hat sie ihn nicht wirklich mitbekommen: sie lag in der Klinik im künstlichen Koma. Der 67. Geburtstag war es übrigens, mit diesem Alter geht man ungefähr in Rente.

Rosi hat COPD. Was ist COPD?

Das wird hier sehr anschaulich erklärt:

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/krankheitsbild/

Kurz & knapp ist die COPD das, was man im Volksmund „Raucherlunge“ nennt. Ohne euch mit zuviel Zahlen nerven zu wollen: Rauchern erhöht das COPD-Risiko um das 13-fahre und 80-90% der COPD-Patienten sind Raucher. Die Lunge arbeitet zum Schluß nicht mehr ordentlich und der Patient erstickt.

Meine Mama ist 68 Jahre und „durfte“ in den letzten Jahren erst ihre Mutter und meine Oma (Krebs) und kurz danach meine Tante und zugleich ihre beste Freundin (Krebs) unter die Erde bringen. Erst letztes Jahr haben die beiden Mädels die Wohnung renoviert: Der Rentneralltag hatte quasi erst begonnen: lange ausschlafen, gemütlich frühstücken, mit dem Hund spazieren gehen, Konzerte besucht, sie waren ein paar mal an der Nordsee und vor ein paar Monaten erst im bayerischen Wald – den Urlaub mussten sie bereits abbrechen, weil Rosi keine Luft mehr bekam.

Vor einem halben Jahr  – Rosi war zu diesem Zeitpunkt noch Gesund – schon hatte ich mit meinen Brüdern den Masterplan geschmiedet: Rosi war vor vielen Jahren öfters in Thailand und wollte unbedingt nochmal hin – auch meiner Mutter hatte es dort sehr gut gefallen: Wir hatten also den Plan, den Mädels einen Thailand-Urlaub zu Weihnachten zu schenken und wir drei Kinder wollten auch für eine Woche gemeinsam dort sein. Dazu wird es nicht mehr kommen.:

Rosi ist die letzten Monate mehrmals ins Koma gefallen, wurde Reanimiert, Intubiert. Die Ärzte hatten sie schon ein paar mal aufgegeben, aber sie hat sich jedes mal wieder erholt – Nein: sie ist jedes mal wieder aufgewacht. Das typische Krankheitsbild von der COPD ist es, dass die Anfälle zum Schluß in immer kürzeren Abständen kommen und immer länger braucht um sich zu regenerieren. Aktuell stehen drei verschiedene Atemgeräte in der Wohnung – sie werden wohl nicht mehr benötigt:

Vor wenigen Wochen bin ich mit meiner Mutter als es hieß „Rosi stirbt“ nach Ansbach gerast, dort war sie auf Reha: als meine Mutter dann bei ihr war ist sie aufgewacht und hatte sich für ein paar Wochen wieder erholt. Wenn ich daran denke wie sehr sie ich gefreut hat, als ich sie im Krankenhaus in FFB für 20 Minuten besucht habe – kein großer Akt für mich – könnte ich auf der Stelle losheulen – ebenso wenn ich mir vorstelle, wie Mami ihr vor wenigen Tagen in der Klinik noch unter Tränen  ein Geburtstagsständchen gesungen hat. Vermutlich hat es die Rosi nicht mehr wirklich mitbekommen:

Sie ist nicht mehr aufgewacht, sie wird es auch nicht mehr: Wenn Rosi bis Freitag noch nicht gestorben ist, werden die Geräte abgestellt. Keine Urlaube an der Nordsee, kein gemeinsames Thailand, kein schöner Rentner-Alltag, sondern meine Mama – wieder mal – alleine in einer dann viel zu großen Wohnung… und an die Fahrt zur Klinik am Freitag mag ich noch gar nicht denken…

Herzlichen Dank, Philip Morris. Hast Du gut gemacht.

Manowar im Zenith in München – 24.11.2017, The Final Battle

Manowar: eine Band, die jetzt nicht zwingend zu meinen Favoriten gehört, die man aber als Metal-Kind der 80er doch live gesehen haben sollte. Die letzten male habe ich mich immer gesträubt, weil mir die Tickets zu teuer waren. Ich erinnere mich an rund siebzig Euro, dann achtzig Euro… und dieses mal waren es 92,- Euro. Schluck. Auf der anderen Seite entspricht das dem Preis von rund 8 Wiesn-Maß oder gerade mal 1,5 Stangen Zigaretten – und da ich mir dieses Geld ja seit Jahren spare, sollte es dieses mal eben Manowar live sein.

Als wir gestern gegen 19:30 Uhr das Zenith erreichten, wäre der Konzertgenuß fast gescheitert: eine der längsten Einlaßschlangen in der Geschichte der Menschheit – fast bis zum letzten Eck beim Zenith-Parkplatz – da wollte ich eigentlich nur nach vorne zum Eingang um dort mein Ticket zu verkaufen – denn auf stundenlanges anstellen hatte ich mal so gar keinen Bock….

….aber man weiß sich ja zu helfen und über den Umweg Toilette waren wir fünf Minuten später in der Halle. Wenn schon vordrängeln, dann aber richtig und weitere 5 Minuten später waren wir in dem Bereich wenige Meter vor der Bühne, der wiederum kurze Zeit später abgesperrt wurde. Glück muss man haben.

Schon mal sehr sympathisch: Das Publikum: sehr viele Oldschool-Metaller mit langen Haaren und Kutten – schau zwar selber etwas anders aus, aber gefällt mir trotzdem jedes mal wieder sehr gut. Ebenfalls sympathisch: keine Vorbands, sondern die Band wegen der alle gekommen waren, wollte den Abend alleine füllen. Soundcheck fand ebenfalls keiner mehr statt – wurde wohl alles schon weit davor erledigt. Sehr lobenswert.

Um 20:20 Uhr war es dann soweit – Manowar betrat die Bühne, die zu diesem Zeitpunkt noch minimalistisch war, aber die Boxentürme verschafften uns davor schon eine Vorahnung von dem, was dann kommen sollte: Es war laut, sehr laut – und seit meinem (rund ein halbes Jahr dauernden) Tinitus nach dem Kreator-Konzert vor rund drei Jahren bin ich da etwas vorsichtiger geworden und steckte mir das erste mal bei einem Konzert Gehörschutz in die Ohren.

Kann man ein Konzert in Worten wiedergeben? Ich glaube, das ist schwierig bis unmöglich, darum versuche ich es gar nicht erst. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann:

Ich hatte noch niemals bei einer Band, geschweige denn im Zenith einen dermaßen lauten, aber trotzdem perfekten und glasklaren Sound. Es hatte noch niemals eine Metal-Band bei einem von mir besuchten Konzert eine dermaßen geile Bühnen-Show mit einer Leinwand, die sowohl alte Konzerthighlights, Live-Momente, martialische Schlachtszenen und perfekt inszenierten 3-D-Effekten – und ich hab jetzt ja doch schon ein paar hundert Live-Konzerte gesehen, war aber selten so begeistert wie bei dem gestrigen Konzert – zum Schluß vorne in Reihe 5. Konzertende war übrigens um 22:40 Uhr – Zwei Stunden und zwanzig Minuten Vollgas später.

Heute Abend tritt Manowar noch einmal im Zenith auf, ich kann nur jedem Metaller empfehlen die – nicht unbeträchtliche – Kohle in die Hand zu nehmen und sich das live zu gönnen – es lohnt sich.

Sponsoring in der Tattoobranche…

…oder auch „wie man sich deutlich unter Wert verkauft und dabei auch noch geil vorkommt“…

Vorab: Ich weiß, dass es einige Tätowierer gibt, die das anders sehen – auch bei mir im Studio – und fast noch wichtiger: Ich meine nicht die wirklichen Schwergewichte in der Szene, die wirklich gute Sponsoring-Verträge haben. Ich bin auch nicht neidisch – es betrifft mich ohnehin nicht direkt und Neid ist mir von Haus aus Wesensfremd.

Warum dann dieser Beitrag? 

Weil es mich seit Jahren aufregt, wie sich große Konzerne fast zum Nulltarif dicke Werbepräsenz sichern und sich die Tätowierer dabei auch noch wie Superstars vorkommen – wobei es meiner Meinung nach keinen Grund dafür gibt:

Mindestens 90% derer, die auf Messen ihre Stände mit Werbebannern zuhängen (oder gleich am Stand vom Sponsor arbeiten, wo man vom Tätowierer wenig bis gar nichts mehr sieht) oder ihre Facebook- und Instagram-Postings mit „Sponsored-by-Hashtags“ vollmüllen verkaufen sich meiner Meinung nach dermaßen unter Wert, dass es eine Schande ist, dafür dass Wort „Sponsoring“ überhaupt in den Mund zu nehmen – und ich denke, dass ich das auch ganz gut begründen kann:

Was bekommt der Tätowierer vom Sponsor?

Noch einmal, ich rede hier nicht von den Schwergewichten – die haben im Regelfalle gute Verträge, die sie sich auch verdient haben.

Aber die anderen? Die bekommen z.B.

– zwei Maschinen und ein paar Päckchen Nadeln im Jahr

oder

– die Tattoo-Aftercare, für die sie Werbung machen

oder

– einen Jahresvorrat Tattoo-Nadeln, von den Nadeln für die sie werben

oder

– sie dürfen die Farben für die sie Werbung machen 50% günstiger einkaufen

oder
– sie bekommen bei dem Supplier der sie „sponsort“ 10% Rabatt wenn sie einkaufen

Die letzten zwei Punkte lesen sich ja fast wie Realsatire, sind es aber nicht – ich kenne wirklich Tätowierer die zu diesen Bedingungen arbeiten bzw. das als „Sponsoring“ bezeichnen. Wenn es ganz gut läuft, dann bekommen die Tätowierer einen Stand auf der Tattooconvention gezahlt – wobei wir meistens von dem Stand reden und nicht von der Anreise oder dem Hotel.

Ist das etwa kein guter Deal? 

Das kommt auf die Betrachtungsweise an: wenn heute ein Tattoomaschinenhersteller eine halbseitige Anzeige im Tätowiermagazin schaltet, dann kostet ihn diese rund 1100,- Euro. Das Heft hatte (Stand 2012) im Schnitt monatlich 23.000 verkaufte Exemplare..

Eine einmalige Werbung bringt ohnehin kaum einen nutzen, aber lassen wir die halbe Seite für 1100,- Euro trotzdem mal stehen: Das entspricht ungefähr dem Verkaufspreis von zwei Maschinen und ein paar Päckchen Nadeln.

Dafür bekommt der Maschinenhersteller einen Tätowierer der auf Facebook & Instagram locker die Reichweite hat, die das Tätowiermagazin gedruckte Auflage hat – viele auch deutlich höher.

Der Tätowierer zeigt als erstes stolz ein Foto von der neuen Ausrüstung und dass er ab jetzt von xyz gesponsort wird. Zudem schreibt er unter jedes Bild, mit welcher Maschine und welchen Nadeln er gearbeitet hat oder setzt gleich stolz das Logo drauf, er ist ja schließlich gesponsort – und das mindestens ein ganzes Jahr lang. Geht man jetzt davon aus, dass der Tätowierer nur jeden zweiten Tag ein Bild postet, dann wird er rund 180 mal im Jahr seine zigtausend Follower darauf hinweisen, mit was er da gerade arbeitet – und unter den Followern sind natürlich auch viele Tätowierer, die genau aus diesem Grund sich diese Maschine, Nadeln, Farben oder was auch immer kaufen. Millionenumsätze für die einen – ein paar Krümel für die anderen – und zwar die, die eigentlich die größere Arbeit damit haben.

Was kostet das den Sponsor?

Wenig bis gar nichts: Wenn man davon ausgeht, dass sich der Tätowierer ohnehin seine Sachen gekauft hätte – evtl. noch über den Umweg von einem Supplier – dann reden wir von nicht einmal tausend Euro Umsatz.

Eventuell dazu noch ein paar hundert Euro für Messestände….

Was spart sich der Tätowierer?

Rund tausend Euro, die er allerdings als Betriebsausgaben voll absetzen könnte – und vielleicht noch das Geld für den Messestand auf einer Tattooconvention.

Was gibt der Tätowierer dafür?

Erst einmal oberflächlich betrachtet relativ wenig: er setzt ein paar Hashtags und hängt auf der Messe ein paar Banner auf. Eigentlich doch ein guter Deal, könnte man meinen…

Gerade bei den Tattooconventions sehe ich das aber durchaus komplett anders: Ein Messestand kostet je Tätowierer ca. 400,- Euro – das ist bei Messen aber oftmals nur ein Bruchteil der anfallenden Kosten: Der Tätowierer muss anreisen, was je nach Entfernung 200,- Euro innerhalb Deutschlands, aber auch ein paar hundert Euro für weiter entfernte Geschichten bedeuten kann – wir haben ja sogar schon auf Messen in Neuseeland gearbeitet. Dazu noch das Hotel und die Tage für An- und Abreise, an denen der Tätowierer nicht arbeiten kann und einen Verdienstausfall hat.

Jetzt ist der Messestand wirklich der kleinste Ausgabenposten auf so einer Tattooconvention – und viele „Sponsoren“ zahlen ja nicht einmal den. Trotzdem hängen die „gesponsorten“ Tätowierer stolz die Plakate ihrer Sponsoren auf – somit ist kein Platz mehr für die Bilder vom Tätowierer – und eigentlich ist er doch genau aus diesem Grund auf eine Messe gefahren: Er will sich und seine Arbeit bekannt machen.

Bei den Reihen mancher Hersteller nehmen die Werbebanner mehr als 50% der Fläche ein – Platz, bei dem der Tätowierer sich bzw. seine Arbeit nicht präsentieren kann. Jetzt ist der Tätowierer einen ganzen Tag im Auto gesessen, hat ein teures Hotel, braucht wieder einen Tag für die Rückreise… und für einen Bruchteil der Kosten verkauft er 50% seiner Werbefläche. Ein guter Deal? Ich denke nicht.

Wir befinden uns im Jahr 2017: wenn heute ein Instagram-Sternchen mit 100k Followers in einem Posting einen Sport-BH von einem Hersteller präsentiert, dann bekommt sie dafür ca. 1000,- Euro – je Posting – und da ist der Erfolg für den werbenden eher fraglich. Tätowierer mit der gleichen Anzahl Follower machen ein ganzes Jahr lang täglich Werbung für den gleichen Betrag – aber sie bekommen ihn nur einmal – und über den Erfolg muss man nicht diskutieren: warum hab ich die erste Cheyenne-Maschine gekauft? Richtig – weil Boris für sie geworben hat und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es anderen genau so ging. Wenn heute ein Star-Tätowierer mit einer bestimmten Farbe tätowiert, dann kaufen sich tausende andere aus genau diesem Grund die Farbe.

Kurz & knapp: ein Tätowierer, der für ein paar Maschinen oder Farben arbeitet – das ist ungefähr so, als würde Nike dem Ronaldo zwei paar Fußballschuhe im Jahr gratis geben – der bekommt aber doch etwas mehr als ein paar Fußballschuhe – und dazu noch rund 24 Millionen. Jährlich.

Stephan Tempel

Die zehnte Tattoomenta in Kassel aus meiner Sicht

Nachdem ich von den vielen Tattoomessen der letzten Jahre doch auch durchaus etwas Tattooconvention-müde war, hab ich sowohl vor ein paar Wochen in London als auch jetzt in Kassel wieder festgestellt: Ich mag Tattooconventions – wenn sie denn gut sind. Noch besser sind sie für mich persönlich, wenn ich nicht wirklich am Stand arbeiten muss, sondern quasi als Besucher das Flair genießen, interessanten Tätowierern beim arbeiten zuschauen und mit alten & neuen Bekannten ratschen kann.

Die 10. Tattoomenta in Kassel hat alles vereint: War der Veranstaltungsort der „Jailhouse Ink“ schon mehr als Genial mit seinem ganz besonderen Flair (mehr dazu findet ihr hier), dann ist die Documenta-Halle irgendwie noch einmal eine Steigerung: eine sehr große & helle Halle, langgezogen und mit mehreren Ebenen. Doch was wäre so eine Tattooconvention ohne die Tätowierer? Die ganz großen Knaller-Namen waren jetzt nicht in Scharen vertreten – aber auffällig: es waren sehr viele Studios bzw. Tätowierer mit selbstgemachten Wanna-Do´s und einem hohen künstlerischem Anspruch – hat Spaß gemacht und war interessant anzuschauen.

Für uns vom Tempel war das Highlight natürlich der Nachwuchscontest und besonders Interessant, wie Frank „Franky“ Danisch abschneiden würde: Wie das mit dem ganzen Wettbewerb funktioniert(e) habe ich ja hier schon einmal ausführlich erklärt. Jetzt stand also das große Finale an und dazu hatten die drei Finalisten Samstag Mittag ihre Aufgabe bekommen – das vorgegebene Thema für alle drei war „Kindheitserinnerungen“ des Kunden.

Aus meiner Sicht ganz witzig: alle drei Tätowierer haben sich (in Absprache mit dem Kunden) für den Oberschenkel-Vorderseite als zu tätowierende Stelle entschieden – und bei allen drei Kunden spielte ein Tier eine Rolle in der Erinnerung. Bei mir wäre es trotz einiger Haustiere vermutlich ein Fußball, die Pfadfinderkluft, das Baumhaus oder ein Gameboy geworden – irgendwie bin ich ganz froh, dass das vor vier Jahren beim Nachwuchscontest mit Julia noch etwas anders gelaufen ist, wer weiß was ich jetzt ansonsten auf der Haut hätte…

Von den drei Tätowierern haben Franky und Carmela bereits am Samstag zu tätowieren angefangen und fast bis zum Schluß durchtätowiert – Dustin hingegen hat den ganzen Samstag den Entwurf gemacht und dann den ganzen Sonntag bis kurz vor Schluß tätowiert – aber in meinen Augen auch ein echtes Knallerbild abgeliefert, gefiel und gefällt mir sehr, sehr gut.

Ich hätte am Sonntag Abend nicht in der Haut der Juroren stecken mögen: drei sehr, sehr gute Bilder in komplett unterschiedlichen Stilen standen auf der Bühne und der Sieger sollte ermittelt werden: ich hab meine Favoriten in der letzten halben Stunde ungefähr selbst fünfmal wieder umgeworfen: das Realistic-Teil von Carmela, in dem u.a. zwei fotorealistische Köpfe verarbeitet waren? Das Riesen-Neotraditional von Franky, welches noch dazu als einziges farbig war und richtig geknallt hat? Oder der halt doch sehr geile Hase von Dustin?

Letztlich hat sich die Jury für diesen entschieden, wie knapp es war könnt ihr u.a. auf der Seite vom Tätowiermagazin nachlesen. Für uns absolut kein Grund zum traurig sein, schließlich ist ein zweiter Platz beim Tätowiermagazin-Nachwuchscontest ein riesiger Erfolg – ich bin wahnsinnig stolz

– auf Franky, der unglaublich viel Zeit und Energie nicht nur in diesen Wettbewerb, sondern in jedes Tattoo steckt und seit dem er bei uns im Tempel ist einfach nur Vollgas gibt

– auf seinen Verlobten Pirmin, der Franky und auch den Tempel tatkräftig unterstützt und als Modell äußerst tapfer zwei Tage durchgehalten hat

– auf unsere Crew, genauer gesagt auf Thomas, Kerstin, Pitbull-Atilla und Jacky, die am Sonntag morgen extra nach Kassel gefahren sind, um Franky zumindest moralisch zu unterstützen

Der Wettbewerb ist vorbei, er hat uns riesig Spaß gemacht – das gleiche gilt für die Tattoomenta  Kassel – auch wenn zwischen Tempel und der Documenta-Halle 515 Kilometer einfache Fahrt liegen, sollten wir hier zukünftig wieder öfters hinfahren.

Stephan Tempel 

        

Ladenöffnungszeiten in Bayern / Änderung des Ladenschlussgesetzes

Es kommt wieder Bewegung in die immer wiederkehrende Debatte um die Ladenschlusszeiten in Bayern, gerade rechtzeitig zur Weihnachtszeit möchte man fast singen: „alle Jahre wieder“. Dieses mal droht es aber ungewöhnlich spannend zu werden, denn angestoßen wird die Debatte vom „Münchner Verein für maßvolle Ausweitung der Öffnungszeiten“ – über den Verein bringt man derzeit nur in Erfahrung, dass er aus Politikern und Händlern besteht. Aktuell geht es „nur“ darum, dass Ladenschlussgesetz dahin zu ändern, dass unter der Woche bis 22 Uhr eingekauft werden soll, der Sonntag soll (noch) frei bleiben – aber auch hier gibt es ja immer wieder Bestrebungen, das zu ändern bzw. so weit wie möglich aufzuweichen. Vermutlich wäre das dann – in ein paar Jahren – der nächste Schritt.

Passend dazu hatte ich erst eine Diskussion, in deren Verlauf der andere Diskussionsteilnehmer meinte, es solle doch jeder selber entscheiden wie er sein Geschäft geöffnet haben möchte. Klingt erst einmal gut und nach der „liberalitas bavarica – leben und leben lassen“. Ich habe meine persönliche Meinung zur Änderung der Ladenöffnungszeiten hier zusammengefasst:

1. Darf denn dann wirklich jeder selber entscheiden, wie lange er sein Geschäft geöffnet hat bzw. wie lange und wie viel er arbeitet?

Natürlich nicht: Wenn heute die Eigentümer von Karstadt oder Aldi beschließen, dass sie ihre Geschäfte bis 22 Uhr oder sogar rund um die Uhr wie in anderen (Bundes-)Ländern üblich geöffnet haben, dann hat dort der kleine Angestellte vermutlich nicht wirklich eine große Wahl, ob er am Freitag Abend bis 22:00 oder bis 24:00 Uhr an der Kasse sitzen möchte – er dürfte die Wahl haben, um diese Zeit zu arbeiten oder sich zukünftig das Geld vom Amt abzuholen.

2. Ok, das gilt für die kleinen Angestellten. Haben denn die Geschäftsinhaber eine große Wahl?

Theoretisch mag das so scheinen. In der Praxis wird das eher so aussehen, dass die großen Geschäfte mit entsprechender Personaldecke das machen werden, in der Hoffnung sich den Umsatz von den kleinen zu holen. Was bleibt dann den kleinen übrig? Richtig: sie „dürfen“ dann auch länger Arbeiten und sich kaputt machen – oder mehr Personal einstellen, was mit mehr Kosten verbunden ist – was sich nicht jeder kleine leisten kann. Es wird zu Lasten der Kleinen gehen – entweder zu Lasten der kleinen Mitarbeiter, oder zu Lasten der kleinen Geschäfte. Die Inhaber der großen Geschäfte werden eher nicht Freitags um 23 Uhr arbeiten.

3. Aber man muss doch was machen um sich die Umsätze vom Internet wieder zurückzuholen:

Ja, das ist richtig – und ich bekenne mich schuldig: ich bestelle auch viel bei dem Onlinehändler, der so ähnlich heißt wie ein großer Fluß in Südamerika. Alleine diese Wochen waren es Druckerpatronen, Staubsaugerbeutel, eine Wäschebox und Kabelbinder.

Aber nicht, weil Mediamarkt und Ikea nur – je nach Geschäft – 72 Stunden in der Woche geöffnet haben, sondern weil es bequem ist: ich wäre auch um 23 Uhr  nicht für die Wäschebox nach Eching gefahren und auch nicht in den Euroindustriepark für Druckerpatronen und Staubsaugerbeutel. Kleine Geschäfte um´s Eck die ich gerne unterstützen würde hab ich leider nicht. Ich glaube nicht dass man mit längeren Öffnungszeiten dem Internet wieder Kunden abjagen kann – im Gegenteil:

4. Was bedeuten längere Öffnungszeiten für die Geschäfte?

Sie bedeuten, dass man entweder mehr Leute einstellen muss um die benötigten Arbeitszeiten zu stemmen, oder aber die Leute anders einteilen muss, konkret: dann stehen tagsüber halt drei Leute anstatt vier in der Fotoabteilung eines großen Kaufhauses, weil einer noch die Spätschicht machen muss: ersteres würde mehr Kosten für die Geschäfte verursachen, die man auf die Produkte umlegen muss. Höhere Kosten treiben die Leute mit der Geiz-ist-geil-Mentalität dann aber wieder eher zum Internet-Kaufhaus um zu sparen.

Teilt man die Leute anders ein indem man, leidet zwangsläufig die Qualität der Beratung. Wenn ich jedoch nicht gut beraten werde, kann ich gleich online kaufen – in den großen (Elektro-)märkten geht´s mir ja heute schon so, dass die Beratung fast immer unterirdisch ist.

5. Warum wollen die Geschäfte dann längere Öffnungszeiten?

Es wollen fast immer nur die großen Geschäfte längere Öffnungszeiten, in der Hoffnung den Kleinen ihre Umsätze abzujagen. Siehe Punkt 2.

6. Aber es wäre doch bequem, auch noch spätabends einzukaufen – und „ich muss immer arbeiten während der Öffnungszeiten“.

Mein Lieblingsargument: Ich gestehe, dass ich mein Geschäft „nur“ 56 Stunden in der Woche geöffnet habe – ich verbringen aber locker 10-15 Stunden zusätzlich jede Woche dort. Trotzdem verhungere ich nicht, weil mir die aktuell 78 Stunden in denen die Supermärkte um mich rum geöffnet haben genügen. 78 Stunden – das ist ungefähr doppelt so lange, wie normale Menschen in der Woche arbeiten. Wenn jemand so doof ist, dass er es nicht auf die Reihe bringt sich in der Zeit mit Nahrung zu versorgen, dann hat er es auch verdient am Sonntag den Lieferservice anzurufen oder Essen zu gehen – diese Geschäfte wollen ja auch leben.

6. Im Krankenhaus, bei der Polizei und die Busfahrer müssen die Beschäftigten auch rund um die Uhr arbeiten.

Ja, richtig. Aber wer das Ernsthaft mit dem Bedürfnis „einzukaufen“ vergleicht, der hat den Schuss noch nicht gehört.

7. …und in der Gastro..

Gastronomiebetriebe leben halt nunmal davon, dass die Leute zu Zeiten dort hingehen, wo sie eben Zeit haben. Niemand kann eine Disco Dienstag von 10 – 16 Uhr öffnen bzw. gewinnbringend betreiben und für das erste Date in einer Cocktailbar ist ein Mittwoch Nachmittag eher auch schlecht… warum? Weil die Leute um diese Zeiten eben überwiegend arbeiten.

8. In anderen Ländern geht es aber auch.

Auch richtig. In anderen Ländern gibt es aber auch den elektrischen Stuhl, Steinigungen und noch ein paar andere Sachen, die ich hier nicht zwingend brauche.

Last but not least: Warum geht es eigentlich immer nur den Einzelhandel? ich fände es auch ziemlich toll, wenn ich meinen Reisepass beim KVR Donnerstag um 22:30 Uhr beantragen könnte: vielleicht wäre es dort auch nicht immer so furchtbar überlaufen, wenn sie länger geöffnet hätten. Meine Autoversicherung wollte ich gestern Abend auch anrufen – aber dort ist komischerweise meist nach 16 Uhr niemand mehr zu erreichen. Bei den Banken ebenso…. Wäre doch voll kundenfreundlich, wenn die Beratung zum Bausparer nach der Tagesschau noch gehen würde. Komischerweise wollen viele in diesen Branchen Beschäftigte nach 20 Uhr einkaufen… aber selbst niemand mehr nach 16 Uhr arbeiten.

Ich gestehe: obwohl ich von Kopf bis Fuß vollgehackt bin, ein Smartphone nutze und froh darüber bin, weder in der Steinzeit noch im Mittelalter auf diese Welt gekommen zu sein, bin ich manchmal richtig altmodisch:

Ich finde es gut, wenn es noch Zeiten gibt die gesetzlich soweit geschützt sind, dass der überwiegende Teil der Bevölkerung nicht arbeiten muss und somit die meißten Familien oder auch „nur“ Freundeskreise die Chance auf eine gemeinsame Zeit haben: der Sonntag gehört für mich da genauso dazu, wie auch der späte Abend: diese Zeiten sollten einfach auch weiterhin für große Teile der Bevölkerung frei sein.

Stephan Tempel

Reichlich Lesestoff rund um die bunte Haut….

…ist mir da neulich im Zeitschriftenkiosk in meine Hände gefallen: wenn man die üblichen Vorlagenhefte und die, die gegen Geld Studioberichte abdrucken mal außer acht lässt, waren es in dem Fall drei Magazine, die mir kaufenswert erschienen:

Für die ganz lesefaulen ist eine kleine Zusammenfassung ganz am Ende des Textes – aber ganz lesefaule sind vermutlich auch beim Bildchen-liken auf Instagram besser aufgehoben 😉 

1. Der Klassiker: Das Tätowiermagazin, Ausgabe 261, November 2017, 5,95 Euro, 132 Seiten

Für mich aus mehreren Gründen eine unabdingbare Pflichtlektüre: Erstens, weil das Tätowiermagazin als erstes deutschsprachiges Tattoomagazin halt einfach der Klassiker schlechthin ist – hab ich ja erst ausführlich auf der Tempel-Seite zum Nachwuchscontest darüber schwadroniert. Der Nachwuchscontest wäre für mich dann auch gleich DER Grund schlechthin es zu kaufen – weil unser Franky zu den letzten drei dort gehört. Darüber wird natürlich ebenso berichtet wie über z.B. die „Grüße aus Tätowierungen“-Veranstaltung in Berlin, die Grenzerfahrungen bei Suspensions, das Monster-Ink-Fest und die Tattooconvention Aachen, dazu werden natürlich noch diverse Tätowierer und Studios vorgestellt und es gibt eine ausführliche Erklärung zum Thema Tattoo-After-Care – Folie vs Suprasorb vs Wickelunterlage, die dort aber Dry-Loc-Pads genannt werden. Viele, viele Bilder von hochklassigen Tätowierungen dürfen natürlich ebensowenig fehlen wie die „Gurke des Monats“.

Last but not least erklärt Chefredakteur und für viele „DAS“ Gesicht des Tätowiermagazins, Dirk-Boris Rödel warum er nach nun bald 18 Jahren nach neuen Aufgaben strebt – insgesamt bietet das Heft einige Stunden unterhaltsamen und interessanten Lesestoff. Es kann nur ein Fazit geben: kaufen.

2. Tattoo Kulture Magazine, Ausgabe 23, November/Dezember 2017, 6,90 Euro, 100 Seiten

Vorweg: Ich mag das Tattoo Kulture Magazin und es steht für mich auch nicht in Konkurrenz zum Tätowiermagazin, sondern ich betrachte es als Ergänzung: Auch wenn es ein paar inhaltliche Überschneidungen (neben dem Thema „Tattoos“….) z.B. zum Tätowiermagazin gibt (Berichte über „Grüße aus Tätowierungen“ oder die Kaiserstadt Tattoo Expo Aachen), so ist doch immer noch viel erfrischend neues drinnen: Man findet darin noch einige Berichte von einigen Tattooconventions mehr, einen Nachruf auf den legendären Fineline-Ralf, dazu viele Vorstellungen von Tätowierern, die eher auf die Haltbarkeit von Tätowierungen achten als auf ihr Facebook- und ihr Instagram-Profil mit den perfekt bearbeiteten, natürlich frischen Tätowierungen – passend dazu auch die Kolumne von Andy Schmidt, der sich über den Ausbildung-/Studioeröffnungswahn sehr gute Gedanken gemacht und die gewohnt eloquent zu Papier gebracht hat. Natürlich findet man noch Conventiontermine und wann welcher Gasttätowierer wo ist – und das Heft ist alle zwei Monate seine knapp 7,- Euro locker wert. Auch hier gibt es nur ein Fazit: kaufen.

3. Ink Society, Ausgabe 1, Oktober/November/Dezember 2017, 9,50 Euro, 196 Seiten

Hier schäme ich mich fast dass ich erst so spät auf dieses Heft gestoßen bin, einen guten Monat nachdem es erschienen ist – aber in meinem Zeitschriftenladen hatte ich es nach der Veröffentlichung nicht entdeckt und dann hab ich´s auch wieder vergessen…

Jetzt aber: Ich bin ehrlich gesagt immer noch ein bißchen fassungslos: in Zeiten in denen (fast) alle Printmedien durchwegs sinkende Auflagenzahlen haben, alle über Einbrüche bei den Werbeeinnahmen jammern und das Medium „Tattoomagazin“ dank Facebook und Instagram für Kunden und Tätowierer bei weitem nicht mehr so wichtig ist wie noch vor ein paar Jahren, bringt jemand ein neues Tattoo-Magazin auf den Markt und schreibt dazu noch im Vorwort, dass er das Geld lieber dafür hergenommen hat anstatt sich eine Eigentumswohnung zu kaufen – und wer das Heft in die Hand nimmt, der glaubt das sofort: 196 fette Seiten in dicker Premium-Papier-Qualität, kaum Werbung, dafür massig interessante Reportagen, Bilder und Vorstellungen. Convention-Berichte etc. fehlen gänzlich, darum seid ihr auch nicht Monate hinterher wenn ihr dieses Heft so wie ich erst mit einem Monat Verspätung kauft – es erscheint ohnehin „nur“ alle drei Monate, hat aber einige Besonderheiten wie z.B. jeweils 20 Seiten Special für die Schweiz und Österreich.

Hier hat jemand neben viel Kohle erkennbar viel Herzblut in das Magazin gesteckt, das alleine schon durch seine Erscheinungsweise nicht in Konkurrenz zu den anderen Magazinen steht, sondern einzigartig ist: ich bin immer noch ganz begeistert und kann nur eine fette Kaufempfehlung aussprechen.

Wie oben angekündigt die ultra-kurz-zusammenfassung zu den drei Magazinen: kaufen! kaufen! kaufen!