Fondue mit Fett oder Brühe? Die Glaubensfrage

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Fondue mit Fleisch & Fett
Ein Fettfondue mit Fleisch

Fondue mit Fett oder Brühe? Die Glaubensfrage

An Weihnachten und/oder Silvester wird in vielen Familien das Fondue ausgepackt: Meine Familie bevorzugt das Fleischfondue (ja, ich weiß dass ein klassisches Fondue eigentlich ein Käsefondue ist) – wir schätzen daran die Geselligkeit, das lange zusammensitzen und in Ruhe unterhalten können, während man darauf wartet dass sein Fleisch im Fonduetopf fertig ist. An Weihnachten gibt es quasi schon immer unser Fondue-Ritual: der große Bruder steht meist ab Mittags in der Küche und zaubert rund ein Dutzend köstlicher Saucen (Fertigsaucen würden bei unserem Fondue nicht auf den Tisch kommen) und nach der Bescherung sitzen wir ewig beim Fondue zusammen, loben das Fleisch, die Saucen vom Bruder und haben einfach eine gute Zeit.

Wie glücklich war ich seinerzeit, als meine erste langjährige Freundin zustimmte, Weihnachten bei meiner Familie zu verbringen. Fondue? Ja, sie hätten zwar immer Raclette – aber Fondue wäre auch fein. Als sie mir dann noch eröffnete, dass ihr Fleischfondue lieber wäre als Käsefondue, dachte ich das erste mal über einen Heiratsantrag nach.

Einige Tage vor Weihnachten gingen wir die Liste durch: Bruder eins macht die Saucen, Bruder zwei holt das Fleisch, ich die Getränke, Mutter den Baum… da sagte sie diesen Satz, der mir durch Mark und Bein fuhr wie eine Kreissäge: „dann kann ich ja die Brühe für´s Fondue machen“.

„Die was?“ entfuhr es mir und ich schaute sie an, als hätte sie mir eben vorgeschlagen wir könnten Weihnachten ja auch eine Orgie mit meinen Brüdern und ihren Freundinnen feiern. „Die Brühe. Ihr esst Fondue doch mit Brühe, oder?“. Ich entgegnete ein „Warum sollten wir?“ und meine Laune sackte in den Keller.

„Nun, weil das Fleisch in der Brühe viel zarter wird beim Fondue. Außerdem ist es gesünder und nicht so fett. Zudem hat man am nächsten Tag eine köstliche Fleischbrühe“.

Mein Gesicht wurde weiß: „Weißt Du mein Schatz, es ist ja schon schlimm genug dass Schweine, Puten und Rinder für unser Fondue ihr Leben lassen und ermordet werden. Müssen wir ihre toten Körper denn auch noch schänden, indem wir ihn langsam in Wasser kochen?“. Da war er wieder dieser Moment, in dem mir bewusst wurde dass mein Humor wie ein Zug von der Deutschen Bahn ist: Er kommt meistens nicht gut an.

Ihre Augen in ihrem hübschen Gesicht funkelten zornig, ihre Angriffslust war geweckt: „Ich weiß ja nicht ob es sinnvoll ist, die teuersten Filets zu kaufen, damit man sie dann im Fett-Fondue verbrutzelt“.

„Du hast ja keine Ahnung“ knurrte ich zornig: “Außerdem ist es ja viel geistreicher, teures Filet zu kaufen um daraus eine Suppe zu kochen. Fondue waren schon immer die vier F, wie beim Turnen: Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei – Fondue, Fett, Fleisch, Feuer.“

„Feuer?“ – oh je, jetzt hatte ich etwas gesagt. „Also wir nehmen immer elektrisches Fondue. Das ist ungefährlicher und der Spiritus geht nicht aus“. Ich räusperte mich: „Also ich weiß ja nicht wie das bei Deiner Familie so ist – aber meine ist schlau genug, genug Spiritus zu kaufen, ihr Fleisch aus dem Fett zu holen bevor es im Fonduetopf verbrennt und ob es ungefährlicher ist, eine potentielle Stolperfalle via Stromkabel durch´s Zimmer zu legen, sei mal dahingestellt“.

Die Laune war auf dem Null-, die Stimmung dafür auf dem Siedepunkt. Hatte ich bei den Worten „Fondue“ noch an einen Heiratsantrag gedacht, so war ich jetzt selbst von einem Küsschen weiter entfernt als der Vatikan von Wacken – es war an der Zeit das heilige Orakel zu befragen: Ich rief also meine Mutter an und schilderte ihr die Lage. In ihrer gewohnt ruhigen Art hatte sie natürlich die perfekte Lösung parat:

„Ach, das passt schon. Dann machen wir eben einen Topf Brühefondue und einen Topf Fleischfondue – für die Oma ist es sicherlich auch besser mit ihrem empfindlichen Magen, da hatte ich auch schon drüber nachgedacht“. Innerlich entsetzt darüber, wie ich so ein Sakrileg am Tag von Christi Geburt an unserem Tisch dulden könnte, willigte ich ein. Ich müsse ja nicht in der Nähe vom Brühetopf sitzen und wenn es auch für die Oma gut ist…

Letztlich stellten wir beim Fest fest, dass ein Brühefondue durchaus seine Berechtigung hat: Die Freundin ist schon lange Geschichte, die Oma schaut mittlerweile am heiligen Abend von ganz oben zu  – aber die beiden Fonduetöpfe, der eine mit Brühe für´s zarte Fleisch, der andere mit Fett  – die sind geblieben. Zum Glück.

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