…wenn der Tod mal wieder laut an die (Familien-)Tür klopft…

Servus zusammen,

normalerweise poste ich ja nichts all zu privates auf Facebook, aber heute ist mir mal wieder danach – vielleicht ist es ja für den einen oder anderen ganz lehrreich:

Wie einige meiner Freunde und Angestellten mitbekommen haben, war ich die letzten Monate öfters im Krankenhaus bei der Rosi: Rosi ist eine sehr nette Frau, seit einigen Jahren die Freundin und Mitbewohnerin meiner Mutter – die beiden leben seit ein paar Jahren in einer WG zusammen.  Für mich ist sie wie eine Tante – mindestens. Vor wenigen Tagen hatte Rosi erst Geburtstag: Leider hat sie ihn nicht wirklich mitbekommen: sie lag in der Klinik im künstlichen Koma. Der 67. Geburtstag war es übrigens, mit diesem Alter geht man ungefähr in Rente.

Rosi hat COPD. Was ist COPD?

Das wird hier sehr anschaulich erklärt:

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/krankheitsbild/

Kurz & knapp ist die COPD das, was man im Volksmund „Raucherlunge“ nennt. Ohne euch mit zuviel Zahlen nerven zu wollen: Rauchern erhöht das COPD-Risiko um das 13-fahre und 80-90% der COPD-Patienten sind Raucher. Die Lunge arbeitet zum Schluß nicht mehr ordentlich und der Patient erstickt.

Meine Mama ist 68 Jahre und „durfte“ in den letzten Jahren erst ihre Mutter und meine Oma (Krebs) und kurz danach meine Tante und zugleich ihre beste Freundin (Krebs) unter die Erde bringen. Erst letztes Jahr haben die beiden Mädels die Wohnung renoviert: Der Rentneralltag hatte quasi erst begonnen: lange ausschlafen, gemütlich frühstücken, mit dem Hund spazieren gehen, Konzerte besucht, sie waren ein paar mal an der Nordsee und vor ein paar Monaten erst im bayerischen Wald – den Urlaub mussten sie bereits abbrechen, weil Rosi keine Luft mehr bekam.

Vor einem halben Jahr  – Rosi war zu diesem Zeitpunkt noch Gesund – schon hatte ich mit meinen Brüdern den Masterplan geschmiedet: Rosi war vor vielen Jahren öfters in Thailand und wollte unbedingt nochmal hin – auch meiner Mutter hatte es dort sehr gut gefallen: Wir hatten also den Plan, den Mädels einen Thailand-Urlaub zu Weihnachten zu schenken und wir drei Kinder wollten auch für eine Woche gemeinsam dort sein. Dazu wird es nicht mehr kommen.:

Rosi ist die letzten Monate mehrmals ins Koma gefallen, wurde Reanimiert, Intubiert. Die Ärzte hatten sie schon ein paar mal aufgegeben, aber sie hat sich jedes mal wieder erholt – Nein: sie ist jedes mal wieder aufgewacht. Das typische Krankheitsbild von der COPD ist es, dass die Anfälle zum Schluß in immer kürzeren Abständen kommen und immer länger braucht um sich zu regenerieren. Aktuell stehen drei verschiedene Atemgeräte in der Wohnung – sie werden wohl nicht mehr benötigt:

Vor wenigen Wochen bin ich mit meiner Mutter als es hieß „Rosi stirbt“ nach Ansbach gerast, dort war sie auf Reha: als meine Mutter dann bei ihr war ist sie aufgewacht und hatte sich für ein paar Wochen wieder erholt. Wenn ich daran denke wie sehr sie ich gefreut hat, als ich sie im Krankenhaus in FFB für 20 Minuten besucht habe – kein großer Akt für mich – könnte ich auf der Stelle losheulen – ebenso wenn ich mir vorstelle, wie Mami ihr vor wenigen Tagen in der Klinik noch unter Tränen  ein Geburtstagsständchen gesungen hat. Vermutlich hat es die Rosi nicht mehr wirklich mitbekommen:

Sie ist nicht mehr aufgewacht, sie wird es auch nicht mehr: Wenn Rosi bis Freitag noch nicht gestorben ist, werden die Geräte abgestellt. Keine Urlaube an der Nordsee, kein gemeinsames Thailand, kein schöner Rentner-Alltag, sondern meine Mama – wieder mal – alleine in einer dann viel zu großen Wohnung… und an die Fahrt zur Klinik am Freitag mag ich noch gar nicht denken…

Herzlichen Dank, Philip Morris. Hast Du gut gemacht.

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