Was der TSV 1860 für mich ist… und warum mich ein Abstieg nicht erschüttern kann:

Diesen Text habe ich am 31.05.2017, einen Tag nach dem Abstieg nach dem Relegationsspiel gegen Jahn-Regensburg geschrieben. Er ist auf Facebook hunderte male geliked und geteilt worden. Da ich nicht möchte dass er irgendwann im Nirvana versinkt, archiviere ich ihn hier für die nächsten Jahre – auch wenn das zwei Tage nach der „Meisterschaft“ eher lustig anmutet.

Gestern waren sie wieder zahlreich vertreten, diejenigen die gerne über unseren TSV spotten, überwiegend natürlich aus dem roten Lager – und natürlich zumeist von Leuten, die in ihrem Leben noch kein Dutzend Fußballspiele von „ihrem“ Verein in einem Fußballstadion von innen gesehen haben….

Einem meiner Mitarbeiter der keinen großen Bezug zum Fußball hat, habe ich das Phänomen 1860 gestern wie folgt erklärt: lass uns zu einer beliebigen Münchner Nobel-Disco gehen, aber davor drehen wir eine Runde durch den Englischen Garten: dort sitzen auf einer Wiese ein Rudel Punks, im Eisbach kühlen sie einen Kasten Augustiner, hören Musik aus einem Ghetto-Blaster, genießen die Sonne und haben Spaß.

An der Disco haben wir dann eine lange Schlange von aufgetakelten Tussies und Schönlingen, die stundenlang vor dem Spiegel gestanden haben, um für den großen Abend perfekt gestylt zu sein. Die 25 Minuten bis zum Türsteher vergehen ihnen wie eine Ewigkeit, aber weil bei dem tollen Wetter nicht so viele in die Disco wollen ist er gnädig und winkt die Leute durch – auch die, die an einem regulären Tag vielleicht nicht reingekommen wären.

Drinnen ist es laut, grausamer Sound der aber „in“ ist… Gespräche sind so nicht möglich, die bequemen Tische sind nur für VIP reserviert und ein 0,3er Pils kostet 7,50 Euro. Wirklich Spaß haben die wenigsten, aber sie machen ein paar Selfies und pos(t)en damit auf Facebook und Instagram, damit sie von ihren Freunden beneidet werden dass sie einen Abend bei den Schönen und Reichen verbracht haben… denn „in ist wer drin ist“.

Wo würdest Du Dich lieber dazu gesellen? Zu den Punks auf die Wiese… oder gehen wir erst einmal nach Hause und stylen uns für die Disco?

1860 ist für mich der gelebte Punkrock: natürlich will jeder das bestmögliche für seinen Verein – aber wenn jemand den maximalen sportlichen Erfolg braucht um sich in diesem zu sonnen – dann gibt es dafür in München eine hervorragende Alternative in rot.

Mir ging es nie um großartige Titel oder schöne Spiele – ich habe mich bewusst für „blau“ entschieden, als der rote Nachbar gerade die 10. Meisterschaft einfuhr, während 1860 in der 3. Liga gegen Frohnlach, Ampfing, Fürstenfeldbruck und die zweite Mannschaft der roten spielte – das hat mich nie großartig gestört.

Dieser Verein hat – zumindest seit dem Zwangsabstieg in die Bayernliga – ganz spezielle Charaktäre angezogen: Leute, die eben nicht die Nobeldisco für ihr Ego brauchen, sondern Leute die bei David gegen Goliath zum David halten, Leute denen Begriffe wie „Ehre“ und „Loyalität“ wichtiger als Geld sind – Leute bei denen ich mich einfach ein Stück weit daheim und aufgehoben fühle.

Natürlich kann man dem jetzt entgegen, dass es auch bei 1860 Leute gibt, denen der sportliche Erfolg über alles geht – ansonsten wären Wildmoser, die Allianzarena und der Investor nie soweit gekommen: Ja, diese Leute gibt es – aber mich umgeben davon wenige und ich fühle mich in meinem Mikrokosmos bei 1860 verdammt wohl.

Das am Dienstag war mein dritter Abstieg mit diesem Verein, man gewöhnt sich daran. Allianzarena und Ismaik waren für mich viel, viel schlimmer.

Ich persönlich wünsche mir, dass das Kapitel Ismaik damit beendet ist: er soll die Zahlungen einstellen & sich verpissen – ob wir dann in Liga 4, 5 oder 6 neu starten spielt für mich keine Rolle:

Ich bleibe bis zum Schluß bei meinen Punks auf der Wiese – und bin fest davon überzeugt, dass ein Neuanfang in diesem Fall das Beste ist.

Einmal Löwe – immer Löwe!

PS ….und dass es die Allianzarena in einem wirklich ehrlichen, demokratischen Prozess niemals gegeben hätte – das beleuchten wir dann beim nächsten mal. Ein Grund mehr, dass mich die Punk-Rock-Chaostage vom Dienstag nicht gestört haben.

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