Samsung Galaxy S7 (/S8/ S9) vs iPhone 7 (iPhone 8 / iPhone X)

Warum dieser Testbericht bzw. Handyvergleich, wo es doch schon so viele gibt? Weil ich mir vor ein paar Monaten als der Kauf eines zweiten Handys anstand so viele Testberichte durchgelesen habe und ich auch jetzt noch der Meinung bin, dass die meisten Testberichte zum Teil offensichtlich bezahlt sind und fast alle viele wichtige Features außer acht lassen, die im Alltagsgebrauch wichtig sind:

Vorgeschichte: Bei uns im Studio hat mein Bruder schon immer iPhones und auch sonst viel von Apple, ich hab mich zunächst  aus Kostengründen immer für die Samsung-Variante entschieden. Zudem habe ich habe schon lange zwei Handys, ein Geschäftliches und ein Privates. Privat habe ich zuletzt das S7 genutzt, dienstlich mein altes S3 – und da das S3 dann so langsam den Geist aufgegeben hat und so viele Leute auf Apple schwören, habe ich mich dann nach dem Lesen vieler Testberichte zum Kauf eines iPhone 7 entschlossen. Thomas hat dafür dann das Galaxy ausprobiert – wie es ausgegangen ist und im Prinzip unser beider Fazit ist, könnt ihr ganz unten lesen – jetzt erst mal aus meiner Sichtweise:

Umstieg vom Samsung auf das iPhone: Eigentlich unproblematisch, Nummern werden übernommen, Apps ebenso, Kostenpflichtige müssen allerdings noch einmal bezahlt werden. Problematisch: ich hatte z.B. alle Urlaube, alle Bilder unserer Tätowierer und alle Fotos meiner Laserkunden in Ordner sortiert. Das iPhone schmeißt beim Umstieg alle in einen Ordner und hat mir damit rund 4000 Fotos die in 70 Ordner sortiert waren in einen großen Ordner geschmissen. Hass.

Direkter Vergleich Galaxy S7 / vs iPhone 7

Handhabung/Stabilität/Menüführung: 

Hier schenken sich die beiden Handys nicht viel, beide laufen flüssig, beide hängen sich selten bis gar nicht auf. Der Apfel hat sich bei mir jedoch am dritten Tag mal beim Whatsapp schreiben aufgehängt, das hat das Galaxy noch nie geschafft. Was mir beim iPhone abgegangen ist und definitiv die Handhabung leichter macht, ist die zurücktaste, die bei Galaxy rechts unten ist. Auch ist das Menü z.B. um den Vibrationsalarm oder die mobilen Daten ein- oder auszuschalten beim Galaxy schneller zu erreichen. Vorteile für´s Galaxy.

Sprachsteuerung

Was mich beim iPhone am Anfang fasziniert hat, war z.B. die Sprachsteuerung Siri, die unterm Strich besser funktioniert als die von Google. Allerdings funktionieren die wichtigsten Features – z.B. unterm Autofahren via Sprachbefehl Nummern wählen, Whatsapp schreiben, Termine legen, ‚Wecker stellen oder eine Route raussuchen annähernd genau so gut. Insgesamt hat Apple hier die Nase vorne, in der Praxis macht sich das jedoch kaum bemerkbar, weil ich die Sprachbefehle nach den ersten paar Tagen kaum mehr genutzt habe. Trotzdem leichte Vorteile für den Apfel.

Empfang: 

Ich betreibe beide Handy bei TMobile im Netz der Telekom. An Orten wo ich mit dem Apfel keinen Empfang mehr habe oder nur mit sehr mieser Sprachqualität telefonieren kann, funktioniert das Galaxy S7 einwandfrei. Dicker Pluspunkt für´s Samsung Galaxy.

Fotos: 

Sowohl Tätowiererin Julia als auch ich haben Fotos von frischen und abgeheilten Tattoos als auch von Laserbehandlungen mit beiden Handys gemacht und finden, dass das iPhone den Kontrast bei den Fotos zu stark setzt und die Fotos etwas verfälscht – allerdings reden wir hier von minimalen Unterschieden. Beide machen im Alltag sehr gute Fotos, wobei ich persönlich die vom Galaxy realistischer finde. Auch nervt beim iPhone die rausstehende Kamera. Minimale Vorteile für´s Galaxy.

Sortierung der Bilder: 

Hier wird´s dann schon wieder etwas deutlicher: Du machst ein Foto vom Kunden vor der Behandlung und eines ein paar Minuten später nach der Behandlung. In der Zwischenzeit bekommst Du eine Whatsapp mit einem Bild und wo sortiert das iPhone die Bilder daraus ein? Richtig, dazwischen. Das geht gar nicht und dass man die Bilder aus dem Hauptordner nicht einfach verschieben kann bzw. sie nach dem verschieben/kopieren im Hauptordner bleiben und umständlich versteckt werden müssen, ist ein dicker Minuspunkt für´s iPhone. Benutzerfreundlich ist was anderes. Pluspunkt für´s Galaxy.

Cloud: 

funktioniert bei beiden nahezu gleich und Problemlos

Fingerabdrucksensor:

siehe Cloud

Induktives Laden:

Beim iPhone 8 mit großem trara angekündigt, beim iPhone 7 nicht vorhanden – bei Samsung ab dem Galaxy S7 Standard. Klingt nach Vorteil für´s Galaxy – ist es auch.

Whatsapp bzw. Benachrichtigungen

…ich hab ja wirklich gemeint dass mich meine Apple-Freunde verarschen wollen, als ich gefragt habe wie ich es denn beim Apfel einstellen kann, dass man sieht dass ich eine Whatsapp bekommen habe, aber nicht von wem – und die Antwort war: geht nicht. Dort wo beim Galaxy einfach das Whatsapp-Symbol erscheint (wahlweise auch mit Nachricht von xy oder von xy mit Inhalt) erscheint beim Apfel entweder gar nichts oder halt gleich wer der Absender ist. Zu verstecken habe ich nichts, aber es geht halt einfach niemanden etwas an.

Noch besser bzw. schlechter: wenn der Apfel mit dem Display nach oben/Sperrbildschirm bei uns hinter´m Tresen liegt, dann hab ich keine Möglichkeit mir bei ausgeschaltetem Bildschirm anzeigen zu lassen, ob ich – wenn ich wieder an meinen Platz komme – eine Nachricht habe, ohne das Ding in die Hand zu nehmen.

Das Galaxy hat dafür die LEDs, die mir noch dazu in den Farben anzeigen, wer denn geschrieben hat: Ganz dicker Pluspunkt für´s Galaxy.

Aufladen:

Zumindest das Galaxy S7 konnte noch unterwegs mit jedem verfügbaren Mini-USB-Kabel geladen werden, dieser Vorteil ist ab dem S8 leider dahin. Beim Vergleich iPhone 7 vs Galaxy S7 ist es ein Pluspunkt fürs Galaxy.

Speicherplatz:

Von jeher ein Ärgernis für Apple-Kunden, dass man sich schon beim Kauf auf den gewünschten Speicherplatz festlegen muss und sich Apple den beim iPhone teuer bezahlen lässt. Das Galaxy wird mittels günstiger Speicherkarte einfach erweitert. Dicker Vorteil für´s Galaxy.
Wiederverkaufswert:

Der Wiederverkaufswert beim Apple ist grundsätzlich höher, weil bei den Galaxy kurz nach dem Marktstart oftmals ein massiver Preisverfall einsetzt. Allerdings setzt der Wiederverkaufswert auch einen deutlich höheren Einstiegspreis vorraus und ganz ehrlich: wer kauft sich ein Handy, um es wieder zu verkaufen? Doch dazu gleich noch mehr.

Zwischenfazit:

Das war jetzt der Vergleich iPhone7 vs Samsung Galaxy S7 – weil ich eben diese beiden Handys mehrere Wochen parallel benutzt habe. Ich habe das iPhone 7 dann verkauft und mir dafür das Galaxy S8 geholt – das ist noch einmal etwas besser als das Samsung Galaxy S7, aber unwesentlich besser. Thomas hat sich dann durch meinen Vergleich inspiriert nach jahrelangem Apple-Benutzen ebenfalls das S8 geholt, benutzt seit dem dieses und gibt mir im großen und ganzen Recht.

Was die Preise angeht: Das iPhone X in der kleinsten Version für 1149,-  Euro und dann ist noch nicht einmal das Schnellladekabel enthalten – Sorry, das sind einfach Dimensionen die sind unverschämt.

Nachdem Samsung ja für das alte Galaxy S7 315 Euro Eintauschprämie bezahlt, ich das ganze geschäftlich nutzen kann und für uns eine möglichst gute Kamera extrem wichtig ist, habe ich mich jetzt auf den Deal eingelassen und das S9 vorbestellt – der ausführliche Testbericht folgt. Bis auf die Kamera und die Dual-Sim – wäre das schön, nur noch ein Handy in der Tasche haben zu müssen – erwarte ich jedoch keine großen Änderungen – was mich zum endgültigen Fazit bringt:

Fazit:

Bei den Handys ist für den privaten Nutzer meiner Meinung nach größtenteils das Ende der Fahnenstange erreicht und die Änderungen sind so marginal, dass sie für die meisten User im Alltag nicht ins Gewicht fallen. Huawei ist z.B. hierzulande ja auch schon bekannt, Oppo und Vivo liefern sich nicht nur in Asien Werbeschlachten (Oppo ist z.B. auch Sponsor der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Rußland) und werden auch auf dem europäischen Markt vor allem Samsung das Leben schwer machen.

Ein iPhone 7 kostet derzeit neu in der kleinsten Ausführung 629,- Euro, ein Samsung Galaxy S7 ist für 350,- Euro zu haben. Wer für sein Ego nicht ständig das tollste, neueste und beste braucht bzw. ein Handy nicht als Statussymbol nutzt, hat meiner Meinung nach – Stand 16.03.2018 – was Preis/Leistung angeht mit dem Samsung Galaxy S7 die beste Wahl – und besser als ein Iphone 7 ist es allemale – und das fast zum halben Preis.

Stephan Tempel

Quo Vadis, TSV 1860?

Nun also morgen Unterföhring – davor Seligenporten, danach Ingolstadt II (!!) und irgendwo dazwischen war auch noch Buchbach. Ich will ehrlich sein: es schmerzt. Es erinnert mich an die Zeit, als ich – übrigens freiwillig – Löwenfan geworden bin, über 30 Jahre ist das jetzt her: damals waren die Gegner Ampfling, Plattling, Eching & Lohof. Zur gleichen Zeit überholte der rote Münchner Verein gerade den 1. FC Nürnberg als Rekordmeister, aber ich habe mir den blauen Münchner Verein ausgesucht – also gehört es mir ja nicht anders.

Mir vielleicht nicht – aber der glorreiche TSV 1860 hat etwas anderes verdient als die Bayernliga – oder wie hat es Karsten Wettberg damals so schön formuliert: „wir müssen raus aus dieser Hammelliga“. Ich hatte das Glück, den Durchmarsch von der Bayernliga bis zur Championsleague-Qualifikation live miterleben zu können und war bei jedem internationalen Pflichtspiel seit meiner Geburt live dabei – egal ob Varna, Leeds, Newcastle, Borisov, etc… ich will nicht noch einmal Jahrelang über Bayerns Dörfer tingeln – das ist nicht der Anspruch des TSV 1860 – darüber können auch Highlights wie vor ein paar Wochen bei Nürnberg II nicht hinwegtäuschen: die Kulisse von uns Löwenfans war gigantisch: weit über 12 000 Löwenfans bei Rekordkälte Auswärts bei einem Viertliga-Spiel – man stelle sich einmal vor, wir spielen im Sommer Auswärts in der 1. Bundesliga…

Ja, wir spielen aktuell wieder in unserer Heimat, dem Sechzgerstadion – das ist vielleicht das einzig gute am Abstieg gewesen: wir sind die Allianzarena-Verträge losgeworden. Ändert aber nichts daran, dass ich mit 1860 den größtmöglichen sportlichen Erfolg möchte – wenn irgendwie möglich im Sechzger, wenn nicht möglich dann halt in ferner Zukunft irgendwann einmal in einem eigenen Löwenkäfig.
Ohne Hassan – und andere Investoren, das versteht sich von selbst – und hört mir auf damit, dass es heutzutage nicht mehr ohne Investoren geht: Zum einen sieht man ja recht deutich, wohin uns unser sogenannter Investor gebracht hat – herzlichen Dank dafür noch einmal an dieser Stelle -, zum anderen stehen aktuell in Fußballdeutschland rund 50 Fußballvereine vor dem TSV 1860, die keinen Investor haben – und ein weiteres Urgestein des deutschen Fußball mit Investor verabschiedet sich dieses Jahr wohl ziemlich deutlich aus der höchsten deutschen Fußballliga.
Im übrigen: wenn ich sportlichen Erfolg um jeden Preis gewollt hätte, dann hätte ich mich vor rund 30 Jahren für den anderen Münchner Fußballverein entschieden – hab ich aber bewusst nicht:

Würdet ihr euch prostituieren oder eure bessere Hälfte bitten es zu machen, damit ihr euch eine größere Wohnung, ein paar Statussymbole, ein dickes Auto und ein paar Urlaubsreisen leisten könnt?

Es gibt Leute die machen so etwas – und das ist auch absolut in Ordnung. Ich würde es nicht. Im Zweifelsfall bleib ich lieber noch ein paar Jahre in der kleineren Wohnung -oder in unserem Fall: spiele ich lieber noch ein paar Jahre gegen Unterföhring und Buchbach – auch wenn´s weh tut.

Stephan Tempel

Münchner Verkehrsverbund (MVV) – willkommen in der Steinzeit

Ich gestehe: ich bin ein Vielreisender und fühle mich auf der Welt an sehr vielen Orten wohl – komme aber immer wieder sehr gerne nach Hause in die meiner Meinung nach schönste Stadt der Welt: München. Aber je mehr ich reise, um so mehr Orte ich kennenlerne – um so weniger verstehe ich, warum wir es in München nicht auf die Reihe bekommen, endlich mal ein vernünftiges, fortschrittliches, gerechtes und zeitgemäßes System beim öffentlichen Nahverkehr auf die Reihe zu bekommen:

1992 war ich zum ersten mal in London, 1998 zum ersten mal in Paris: Schon damals habe ich mich gefragt, warum man dort fähig ist den Zugang zum Bahnsteig an einen Ticketkauf zu verknüpfen und die Sperre beim Ausgang erkennt ob man den richtigen Fahrpreis gelöst hat – und bei uns nicht. Mehr als 25 Jahre später ist es bei uns immer noch nicht besser geworden, im Gegenteil: viel mehr Städte haben uns noch viel weiter abgehängt:

Bleiben wir doch gleich einmal in London: Dort gibt es inzwischen (neben den Einzelkarten wie fast überall) die Oyster-Card: wird mit einem Betrag X aufgeladen, beim betreten des Bahnsteiges checkt man mit der Karte ein und beim verlassen des Zuges bzw. des Zielbahnhofes checkt man mit der Karte aus und der entsprechende Fahrpreis wird abgezogen. Besonderer Clou: sollte man an einem Tag sehr viel unterwegs sein, wird maximal der Betrag für ein Tagesticket abgebucht. Sehr praktisch und fortschrittlich – zum ein- und auschecken muss man die Karte nicht mal aus dem Geldbeutel nehmen – es genügt, diesen an die Sperre zu halten.

Noch eine Spur besser ist das ganze in Hongkong: Dort heißt die ähnlich funktionierende Karte „Octopus-Card“ – sie hat nicht nur die Funktionen der Oyster-Card in London, sondern man kann mit ihr auch noch kleinere Beträge bei diversen Fastfood-Restaurants oder im Seven-Eleven (das sind die kleinen Supermärkte) begleichen – einfach kurz die Karte hinhalten und fertig.

Ein Blick nach Bangkok: Dort gibt es auch diverse Karten, aber auch Automaten an denen man einfach die gewünschte Zielhaltestelle am Fahrplan anklickt und den Fahrpreis angezeigt bekommt. So leicht erkennbar, dass ich es inzwischen auf „Thai“ bedienen kann.  Man erhält eine Plastikmünze, auf der alle Informationen gespreichert sind und hat ansonsten das gleiche Zutrittssystem wie in London, Paris oder Hongkong. Kein Zutritt ohne Fahrausweis, genaue Abrechnung – und in vielen anderen Städten funktioniert das ganz genau.

…und jetzt kommt München: Wir haben zwar Weltbekannte Konzerne mit modernster Technik bei uns beheimatet – nehmen wir mal BMW oder Siemens als Beispiel – aber wir haben immer noch Ringe und Zonen mit einem System, das viele Einheimische auch nach Jahren noch nicht kapieren. Wie soll man denn auch folgenden Preiswahnsinn kapieren oder irgendjemandem erklären, dass das logisch ist:

Du steigst in Gröbenzell in die S3 und fährst folgende Strecke: Gröbenzell-Lochhausen-Langwied-Pasing: Kostenpunkt dafür: 5,80 Euro – für eine 5-minütige Fahrt mit der S-Bahn.

Jetzt steigst Du eine Station später in die S-Bahn – in Lochhausen und fährst vorbei an Langwied nach Pasing: jetzt kostet die Fahrt nur noch 1,50 Euro. Du fährst 33% weniger und zahlst fast 75% weniger – klingt das nicht logisch?

Besser wird es noch, wenn Du von Gröbenzell ins Klinikum-Großhadern fährst: Das sind dann 10 Stationen mit der S-Bahn und weitere 11 Stationen mit der U-Bahn. Was kostet diese Strecke? Das gilt übrigens auch wenn Du von Maisach aus fährst – dann sind es noch einmal vier Stationen obendrauf und kostet immer noch 5,80 Euro.

Automatische Zugangskontrollen zum Bahnsteig: Fehlanzeige. Statt dessen zu wenige und in der Regel schlecht gelaunte Kontrolleure. Dazu noch diese Super-Duper-Papier-Streifenkarten, die viel zu oft unleserlich gestempelt oder vom Automaten gleich gefressen werden – abgesehen davon, dass sie bei mir regelmäßig ungültig werden, weil ja jeder Streifen nach einer Preiserhöhung teurer wird. Kann man natürlich umtauschen – gegen zwei Euro Bearbeitungsgebühr. Hö hö hö.

Im September war ich wieder in London, die Oyster-Card hatte ich zwei Jahre davor gekauft. Guthaben war noch drauf, einfach etwas oben drauf gepackt und weiter ging die Reise.

Jetzt bastelt der MVV ja gerade an einer Reform: Das System soll einfacher werden – aber für mich liest sich das schon wieder alles nach Flickwerk: werft einfach einen Blick nach London oder viele andere Städte – dann sehr ihr wie das geht.

…und im nächsten Blogeintrag zum MVV kommt dann mein Lieblingsthema: Guten Morgen MVV – im Winter schneit es (manchmal).

Stephan Tempel

Tote Hosen Konzert München 19.12.2017

Die Messlatte bei den Toten Hosen liegt bei mir sehr sehr hoch, denn angefixt über das „Bis zum bitteren Ende„-Livealbum 1988 haben sich bei mir über die Jahre dann doch einige Konzerte angesammelt – darunter sind mir vor allem die Geheimkonzerte im Atomic Cafe als „Rheinpiraten“ (1998) oder auch im alten Backstage als „Essen auf Rädern“ (2000) im Gedächtnis geblieben, aber auch das Weihnachtskonzert in Nürnberg um die Jahrtausendwende, Innsbruck vor einigen Jahren und dann noch etliche Konzerte natürlich in der Olympiahalle – keine Ahnung wieviele. Wie gut kann da ein Konzert für jemanden Ende 2017 werden, der bei den Hosen musikalisch irgendwo um die Jahrtausendwende spätestens stehen geblieben ist? 

Mit wenig Erwartungen ging es spät nach der Arbeit in Richtung Olympiahalle, so dass ich von der Vorband „Feine Sahne Fischfilet“ nicht viel mitbekommen habe. Zum letzten Lied – irgendwas mit „komplett im Arsch“ – ging es in die Arena, die – welch Freude – nicht nochmal zusätzlich abgetrennt war, wie man es ja bei Konzerten inzwischen immer öfters erlebt. Die meisten Sitzplätze standen bei Feine Sahne Fischfilet, scheint also gefallen zu haben.

Die Umbaupause zwischen Vorband und Hauptact dauerte eine knappe halbe Stunde (…mach das Flutlich an denn sie kommen gleich raus….) und um zehn nach neun betraten die Hosen die Bühne – mit einem Urknall bzw. eben jenem Lied von der neuen Scheibe. Die Halle stand – das so oft – meiner Meinung nach zu Unrecht – gescholtene Münchner Konzertpublikum war bereit für einen geilen Abend:

Lied zwei: Auswärtsspiel und zum ersten mal drückten die Massen in der Arena nach vorne, inklusive einem alternden Punk der zum Glück noch die Brille gegen Kontaktlinsen getauscht hatte – als Löwenfan passt es aber halt auch einfach zu gut:

Es ist egal, ob wir das Spiel verlieren
Denn darauf kommt es nicht an
Und ob das irgend jemand hier sonst kapiert
Ist für uns nicht interessant

Ihr könnt uns schlagen so oft und so hoch ihr wollt
Es wird trotzdem nie passieren
Dass auch nur einer von uns mit euch tauschen will
Denn ihr seid nicht wie wir
Auf einmal fandich mich in Reihe drei wieder, ging heftig zur Sache – hier hatten ein paar tausend Menschen richtig Spaß.
 
Zum Glück kamen dann drei neuere Lieder und ich konnte etwas Luft holen – dabei fiel mir auf, dass ich Campino des öfteren an den Rücken fasste – schien im nicht ganz so gut zu gehen. Cool – Brüder im Geiste. 
Ich habe Schmerzen im Kreuz, wenn ich aufstehen will
Die Achillesferse tut mir weh
Und das Einzige, was nicht kaputt an mir ist,
Sind die Brücken in meinem Gebiss
Ich bin ein alter Mann, schweinealt
Nur ein alter Punk, viel zu alt
Schweinealt
Dann wieder drei Lieder Vollgas: Liebeslied, Bonny & Clyde, Altes Fieber – zwischenzeitlich namen die purzelnden Leiber am Boden solche Ausmaße an, dass Campino sich sogar erkundigte ob alles in Ordnung wäre.
Ja, war es – richtig geil war es. Danach wieder zwei Lieder Verschnaufspause, eher ein ziemlich passendes Lied kam – das Wort zum Sonntag. Ich muss da an das Gespräch mit meinem Freund Tommy heute morgen denken, der der Meinung war es wäre das schlechteste Hosen Konzert aller Zeiten gewesen und die früher wären viel besser gewesen:

Früher war alles besser
Früher war alles gut
Da hielten alle noch zusammen
Die Bewegung hatte noch Wut
Früher, hör auf mit früher
Ich will es nicht mehr hören
Denn damals war es auch nicht anders
Mich kann das alles nicht stören
Danach war Zeit um sich Getränke zu holen – nachdem in der Arena zu 90% Caipi- und Jacky-Coke-Verkäufer unterwegs waren eben sportlich zum Getränkestand (…ich bin ein alter Mann…) und rechtzeitig zurück zuUnsterblich„.

Das schönste-One-Night-Stand-Lied aller Zeiten gleich nach „Ohne Dich“ von der Münchner Freiheit oder „Gö Du bleibst heut nach bei mir“ von STS.  Zeit, in Ruhe sein Getränk zu konsumieren – gerade rechtzeitig vor „pushed again“. Eines meiner liebsten Lieder und Videos 🙂

Pushed-Again-Tote-Hosen-Video

Bis jetzt schon ein langer Bericht und 14 Lieder – und da ist noch nicht einmal die Hälfte des Konzertes geschafft: insgesamt 34 Lieder gaben die Hosen zum besten, darunter noch Klassiker wie 

– Hier kommt Alex
– Bommerlunder
– Schönen Gruß auf Wiedersehn
– Ficken Bumsen Blasen
– Tage wie diese
– You´ll never walk alon
– Opel-Gang…die komplette Setlist findet ihr übrigens hier:
 

setlist-tote-hosen-konzert-münchen-19.12.2017

Ein Konzert wo fast die gesamte Halle die meiste Zeit steht und abgeht, in der Arena die Hölle los ist und der Hauptact sichtlich Bock hat und 34 Lieder abliefert – was will man mehr? Wenn jemand für heute Abend noch eine Arena-Karte übrig haben sollte – bitte bei mir melden, gehe gerne nochmal. 

Stephan Tempel

 

13.12 – Happy A.C.A.B. – Day…. oder warum eben NICHT alle Bullen Bastarde sind…

Heute ist der 13.12. und ich wir verstecken in unserem Adventskalender vom Tattoostudio jeden Tag ein kleines Geschenk, meistens verlosen wir etwas. Heute hätte sich ein kleines Tattoo angeboten: wir hätten das heutige Datum verlosen können, als Tattoo – fänden viele witzig, hätten wir viele Teilnehmer, hätten wir viel Werbeeffekt. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden – nicht aus Angst vor der Staatsmacht, sondern weil mir diese Parole – inzwischen – einfach zu dämlich ist:

Vor wenigen Wochen habe ich erst mein erstes Troublemaker-T-Shirt in die Kleidersammlung gegeben: gekauft vor knapp 20 Jahren, inzwischen mehr breit als lang und mehr grau als blau – und die vier Buchstaben A.C.A.B. lösen sich auch langsam und vor allem:  ich stehe nicht mehr dahinter.

Nachdem A.C.A.B. je nach Bundesland mal mehr oder weniger strafbewehrt ist, weicht man heutzutage ja eben auf die Zahlenkombination 13.12. aus. Die habe ich mir vor 12 Jahren für mein erstes Autokennzeichen ausgesucht – keine Ahnung, wie oft ich mit diesem Kennzeichen in den ersten drei Jahren  kontrolliert wurde. Seit nunmehr bald 9 Jahren bin ich auf die 1860-geswitcht – und hatte mit diesem Kennzeichen noch nicht eine Kontrolle.

Warum ist mir A.C.A.B. zu doof? Ich mag keine Parolen, in der pauschal alle Menschen über einen Kamm geschert werden: nicht jeder Ami ist doof und wählt Trump, nicht jeder Deutsche ist ein Nazi, nicht jeder Thailand-Urlauber ein Sex-Tourist, etc…

Natürlich gibt es unter Polizisten einige Arschlöcher und ich hab auch schon mehr als genug schlechte Erfahrungen gemacht – aktuell klage ich ja gerade gegen meine faktische Ausreiseuntersagung vor 15 Monaten am Münchner Flughafen. Der Obercop, der uns mit süffisantem Grinsen erklärte, dass man gegen uns nichts finden würde, aber sie die Kontrolle eben etwas in die Länge ziehen würden: Ja, den fand und finde ich nicht so toll, aber das klären wir ja bald vor Gericht. Der Termin steht übrigens schon.

Der Schläger vom USK, der meinem Bruder den Arm gebrochen hat: Yep, Kategorie Arschloch. Der Typ, der uns bei einer Kontrolle eines Autos mit einem sinnlosen und rechtswidrigem Drogentest schikaniert hat: Yep, Kategorie Arschloch – aber der hat auch eine saftige Dienstaufsichtsbeschwerde und ich ein zweiseitiges Entschuldigungsschreiben von der Polizei bekommen….

ABER: ich hab in den letzten Jahren auch sehr viele äußerst korrekte & nette Polizisten kennengelernt: sei es im Kampfsporttraining, nach Unfällen, Einbrüchen… Familienväter oder Mütter, Leute die ihren Job ausüben, die zum Teil selber bei sinnlosen Einsatzbefehlen kotzen – etc. etc…. nicht zu vergessen die Cops in Thailand: nachts um halb drei, kurz vorm Hotel, die ganze Reisekasse dabei kommen vier Militärpolizisten auf uns zu, filzen alle Taschen und machen einen Urin-Drogentest. Der war – natürlich – negativ, aber von der Reisekasse hatte ich mich schon in Gedanken verabschiedet. Hat die Cops aber nicht im geringsten interessiert…

…und wenn ich jeder Berufsgruppe die mich schon schikaniert (oder es versucht) hat, dann würden mir da noch ganz andere Arschlöcher einfallen:

Der Typ von der Condor, der mit allen Mitteln verhindern wollte dass die beiden schwersttätowierten Asozialen in der Business-Class mitfliegen. Der schleimige Banker, der jedes mal wenn man ihm die Tageseinnahmen hinlegte so tat, als wäre das vermutlich Drogengeld, weil der Überbringer tätowiert ist. Die dumme Pute im Burger King auf den Bahamas, die den weißen Jungen konsequent so lange ignoriert hat, bis auch der letzte farbige drangenommen war. Die Taxifahrer auf der ganzen Welt, die mit dem ahnungslosen Touristen fette Umwege gefahren sind. Die Tuk-Tuk-Fahrer in Bangkok, die dich konsequent zum Schneider bringen, obwohl das Gegenteil ausgemacht war. Die Liste ist lang, sehr sehr lang… und vermutlich hat jeder von uns schon mit mehreren Berufsgruppen negative Erfahrungen gemacht als mit Polizisten.

A.C.A.B. liegt einem oft auf Zunge: es ist so schön rebellisch, gegen die Staatsgewalt und es gibt genug Cops, die einem durch ihr Verhalten ein A.C.A.B. quasi in den Mund legen. Mit mir nicht mehr: Wenn Du mich als Polizist korrekt behandelst, dann bin ich korrekt zu Dir. Wenn Du mich schikanierst oder schlecht behandelst, bekommst eine Dienstaufsichtsbeschwerde und/oder eine Klage. Happy 13.12.-Day zu posten ist natürlich leichter, witziger – und einfach nur sinnlos.

Stephan Tempel

Vorsicht, Jammerposting: Warum die letzten Tattoo-Sitzungen keinen Spaß mehr machen…

 

„Boah, was bin ich ´ne Pussy geworden“ hab ich mir gestern wieder gedacht, während ich mich auf der TAD**-Liege unter Julias Nadel gewunden habe wie ein Zitteraal mit epileptischen Anfällen. Hat dieser Scheißdreck eigentlich schon immer so weh getan? Ich glaube nicht, ich bin mir sogar ziemlich sicher dass nicht, denn ansonsten wäre es wohl bei einem Tattoo geblieben.

Ich weiß es noch wie gestern, war ja auch erst 1995: Beim Volker vom legendären Scorpions-Tattoo, während der Arafat noch im Nebenraum gepierct hat. Ne Stunde beim Volker schlug damals mit mindestens 250,- Mark zu buche, Tussies die nur was kleines wollten haben auch mal eben 300,- Mark für ein kleines Einhorn auf´m Arsch gezahlt – hat ja auch 25 Minuten gedauert. Der Stencil – vermutlich schon zigmal benutzt und fachgerecht mit dem Deoroller aufgebracht – war ja schon fertig in der Schublade und verschwand nach dem aufbringen wieder in der ebensolchen – bis zur nächsten Tussie.

Preisdiskussionen wie 2017 im Tempel? Ha ha… wer diskutiert schon mit einem Bodybuilder mit Zuhälter-Bart, Brilli im Ohr, Pitbull-Aufkleber und sichtbarer Axt hinter´m Tresen? Niemand… und wenn es mal „doofe Fragen“ gab, grunzte er zu den Mädels „geh lieber rüber zum Arafat und lass Dir ein paar Löcher machen“. Ja ja, die gute alte Zeit in der alles besser war…

Aber zurück zu den Schmerzen: die waren damals einfach nicht so stark: ich erinnere mich noch an eine drei-stündige Sitzung am Bein, die von 12 – 15 Uhr geplant war. Logisch, dass ich – frisch am Bein eingepackt – am Nachmittag noch den Oberkörper im Studio trainiert hab. Der wurde ja nicht gestochen. Wenn heute jemand drei Stunden mein Bein sticht, dann bin ich froh wenn ich fehlerfrei zum Auto, mit diesem nach Hause und auf die Couch komme.

Liegt´s am Alter? Am Schmerzgedächtnis? Oder fehlt das Adrenalin, die Vorfreude? Ich hab zwar letztens überschlagen, dass die Stechzeit an meinem Körper ganz stark in Richtung 300 Stunden geht, aber keine Ahnung wie viele Sitzungen das waren. Die Nervosität ist natürlich nicht mehr so stark wie vor Sitzung eins oder Sitzung zwei… und was noch tragischer ist: Die Vorfreude ist weg.

Früher war ein Tattoo und ein Tattootermin was besonderes – nicht nur für mich, sondern für alle in meinem Umfeld. Selbst in der Kurve im Stadion war´s ein Gesprächsthema wenn wieder einer beim stechen war – wenn Du heute in ein Stadion gehst, haben im Ultra-Block vermutlich 10-20% gerade irgendwo Folie oder Suprasorb an frisch perforierten Hautstellen hängen – und Fotos von meinen neuen Tattoos interessiert nicht mal mehr meine Familie. Irgendwie bin ich ja für alle schon voll, während mich selber die vorhandenen Lücken tierisch nerven.

Das Bild von meinem Tattoo hier im Artikel – das eine ist zwei Wochen alt, das andere von gestern – zeigt was ich meine: zwischen den beiden Bildern liegt locker eine Stunde schmerzen – aber sieht wer den Unterschied außer mir oder der perfektionistischen Julia? Eben. Natürlich haben wir gestern noch deutlich mehr tätowiert, das nur am Rande. Bilder folgen.

Ja, ich gestehe: die Vorfreude ist weg, ich habe nur noch ein Ziel: fertig werden. Ich bin gerne tätowiert, ich bin sehr gerne sehr stark tätowiert – aber dem Schmerz beim tätowieren habe ich noch nie was abgewinnen können. Ich bin einfach nur froh, wenn das Gesamtkunstwerk Stephan Tempel endlich fertig ist – und der Schmerz wird mir ganz, ganz sicher nicht fehlen.Noch rund 30 Stunden würde ich mal vorsichtig tippen, dann ist schicht im Schacht.

Heute steht auch wieder so eine Sitzung an, die kaum einer bemerken wird: Lücken am Arm zumachen. Na, wenigstens nur am Arm… da freu ich mich ja fast schon wieder drauf.

Stephan Tempel

PS: Dem aufmerksamen Leser ist sicherlich aufgefallen, dass ich mit gestern und heute eine Doppelsitzung habe: wenn mich etwas noch mehr nervt als die Schmerzen beim Tätowieren, dann ist es die Abheilphase mit den damit verbundenen Einschränkungen bei Sport, Sauna etc… darum Doppelsitzungen.

…wenn der Tod mal wieder laut an die (Familien-)Tür klopft…

Servus zusammen,

normalerweise poste ich ja nichts all zu privates auf Facebook, aber heute ist mir mal wieder danach – vielleicht ist es ja für den einen oder anderen ganz lehrreich:

Wie einige meiner Freunde und Angestellten mitbekommen haben, war ich die letzten Monate öfters im Krankenhaus bei der Rosi: Rosi ist eine sehr nette Frau, seit einigen Jahren die Freundin und Mitbewohnerin meiner Mutter – die beiden leben seit ein paar Jahren in einer WG zusammen.  Für mich ist sie wie eine Tante – mindestens. Vor wenigen Tagen hatte Rosi erst Geburtstag: Leider hat sie ihn nicht wirklich mitbekommen: sie lag in der Klinik im künstlichen Koma. Der 67. Geburtstag war es übrigens, mit diesem Alter geht man ungefähr in Rente.

Rosi hat COPD. Was ist COPD?

Das wird hier sehr anschaulich erklärt:

https://www.lungenaerzte-im-netz.de/krankheiten/copd/krankheitsbild/

Kurz & knapp ist die COPD das, was man im Volksmund „Raucherlunge“ nennt. Ohne euch mit zuviel Zahlen nerven zu wollen: Rauchern erhöht das COPD-Risiko um das 13-fahre und 80-90% der COPD-Patienten sind Raucher. Die Lunge arbeitet zum Schluß nicht mehr ordentlich und der Patient erstickt.

Meine Mama ist 68 Jahre und „durfte“ in den letzten Jahren erst ihre Mutter und meine Oma (Krebs) und kurz danach meine Tante und zugleich ihre beste Freundin (Krebs) unter die Erde bringen. Erst letztes Jahr haben die beiden Mädels die Wohnung renoviert: Der Rentneralltag hatte quasi erst begonnen: lange ausschlafen, gemütlich frühstücken, mit dem Hund spazieren gehen, Konzerte besucht, sie waren ein paar mal an der Nordsee und vor ein paar Monaten erst im bayerischen Wald – den Urlaub mussten sie bereits abbrechen, weil Rosi keine Luft mehr bekam.

Vor einem halben Jahr  – Rosi war zu diesem Zeitpunkt noch Gesund – schon hatte ich mit meinen Brüdern den Masterplan geschmiedet: Rosi war vor vielen Jahren öfters in Thailand und wollte unbedingt nochmal hin – auch meiner Mutter hatte es dort sehr gut gefallen: Wir hatten also den Plan, den Mädels einen Thailand-Urlaub zu Weihnachten zu schenken und wir drei Kinder wollten auch für eine Woche gemeinsam dort sein. Dazu wird es nicht mehr kommen.:

Rosi ist die letzten Monate mehrmals ins Koma gefallen, wurde Reanimiert, Intubiert. Die Ärzte hatten sie schon ein paar mal aufgegeben, aber sie hat sich jedes mal wieder erholt – Nein: sie ist jedes mal wieder aufgewacht. Das typische Krankheitsbild von der COPD ist es, dass die Anfälle zum Schluß in immer kürzeren Abständen kommen und immer länger braucht um sich zu regenerieren. Aktuell stehen drei verschiedene Atemgeräte in der Wohnung – sie werden wohl nicht mehr benötigt:

Vor wenigen Wochen bin ich mit meiner Mutter als es hieß „Rosi stirbt“ nach Ansbach gerast, dort war sie auf Reha: als meine Mutter dann bei ihr war ist sie aufgewacht und hatte sich für ein paar Wochen wieder erholt. Wenn ich daran denke wie sehr sie ich gefreut hat, als ich sie im Krankenhaus in FFB für 20 Minuten besucht habe – kein großer Akt für mich – könnte ich auf der Stelle losheulen – ebenso wenn ich mir vorstelle, wie Mami ihr vor wenigen Tagen in der Klinik noch unter Tränen  ein Geburtstagsständchen gesungen hat. Vermutlich hat es die Rosi nicht mehr wirklich mitbekommen:

Sie ist nicht mehr aufgewacht, sie wird es auch nicht mehr: Wenn Rosi bis Freitag noch nicht gestorben ist, werden die Geräte abgestellt. Keine Urlaube an der Nordsee, kein gemeinsames Thailand, kein schöner Rentner-Alltag, sondern meine Mama – wieder mal – alleine in einer dann viel zu großen Wohnung… und an die Fahrt zur Klinik am Freitag mag ich noch gar nicht denken…

Herzlichen Dank, Philip Morris. Hast Du gut gemacht.

Manowar im Zenith in München – 24.11.2017, The Final Battle

Manowar: eine Band, die jetzt nicht zwingend zu meinen Favoriten gehört, die man aber als Metal-Kind der 80er doch live gesehen haben sollte. Die letzten male habe ich mich immer gesträubt, weil mir die Tickets zu teuer waren. Ich erinnere mich an rund siebzig Euro, dann achtzig Euro… und dieses mal waren es 92,- Euro. Schluck. Auf der anderen Seite entspricht das dem Preis von rund 8 Wiesn-Maß oder gerade mal 1,5 Stangen Zigaretten – und da ich mir dieses Geld ja seit Jahren spare, sollte es dieses mal eben Manowar live sein.

Als wir gestern gegen 19:30 Uhr das Zenith erreichten, wäre der Konzertgenuß fast gescheitert: eine der längsten Einlaßschlangen in der Geschichte der Menschheit – fast bis zum letzten Eck beim Zenith-Parkplatz – da wollte ich eigentlich nur nach vorne zum Eingang um dort mein Ticket zu verkaufen – denn auf stundenlanges anstellen hatte ich mal so gar keinen Bock….

….aber man weiß sich ja zu helfen und über den Umweg Toilette waren wir fünf Minuten später in der Halle. Wenn schon vordrängeln, dann aber richtig und weitere 5 Minuten später waren wir in dem Bereich wenige Meter vor der Bühne, der wiederum kurze Zeit später abgesperrt wurde. Glück muss man haben.

Schon mal sehr sympathisch: Das Publikum: sehr viele Oldschool-Metaller mit langen Haaren und Kutten – schau zwar selber etwas anders aus, aber gefällt mir trotzdem jedes mal wieder sehr gut. Ebenfalls sympathisch: keine Vorbands, sondern die Band wegen der alle gekommen waren, wollte den Abend alleine füllen. Soundcheck fand ebenfalls keiner mehr statt – wurde wohl alles schon weit davor erledigt. Sehr lobenswert.

Um 20:20 Uhr war es dann soweit – Manowar betrat die Bühne, die zu diesem Zeitpunkt noch minimalistisch war, aber die Boxentürme verschafften uns davor schon eine Vorahnung von dem, was dann kommen sollte: Es war laut, sehr laut – und seit meinem (rund ein halbes Jahr dauernden) Tinitus nach dem Kreator-Konzert vor rund drei Jahren bin ich da etwas vorsichtiger geworden und steckte mir das erste mal bei einem Konzert Gehörschutz in die Ohren.

Kann man ein Konzert in Worten wiedergeben? Ich glaube, das ist schwierig bis unmöglich, darum versuche ich es gar nicht erst. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann:

Ich hatte noch niemals bei einer Band, geschweige denn im Zenith einen dermaßen lauten, aber trotzdem perfekten und glasklaren Sound. Es hatte noch niemals eine Metal-Band bei einem von mir besuchten Konzert eine dermaßen geile Bühnen-Show mit einer Leinwand, die sowohl alte Konzerthighlights, Live-Momente, martialische Schlachtszenen und perfekt inszenierten 3-D-Effekten – und ich hab jetzt ja doch schon ein paar hundert Live-Konzerte gesehen, war aber selten so begeistert wie bei dem gestrigen Konzert – zum Schluß vorne in Reihe 5. Konzertende war übrigens um 22:40 Uhr – Zwei Stunden und zwanzig Minuten Vollgas später.

Heute Abend tritt Manowar noch einmal im Zenith auf, ich kann nur jedem Metaller empfehlen die – nicht unbeträchtliche – Kohle in die Hand zu nehmen und sich das live zu gönnen – es lohnt sich.

Sponsoring in der Tattoobranche…

…oder auch „wie man sich deutlich unter Wert verkauft und dabei auch noch geil vorkommt“…

Vorab: Ich weiß, dass es einige Tätowierer gibt, die das anders sehen – auch bei mir im Studio – und fast noch wichtiger: Ich meine nicht die wirklichen Schwergewichte in der Szene, die wirklich gute Sponsoring-Verträge haben. Ich bin auch nicht neidisch – es betrifft mich ohnehin nicht direkt und Neid ist mir von Haus aus Wesensfremd.

Warum dann dieser Beitrag? 

Weil es mich seit Jahren aufregt, wie sich große Konzerne fast zum Nulltarif dicke Werbepräsenz sichern und sich die Tätowierer dabei auch noch wie Superstars vorkommen – wobei es meiner Meinung nach keinen Grund dafür gibt:

Mindestens 90% derer, die auf Messen ihre Stände mit Werbebannern zuhängen (oder gleich am Stand vom Sponsor arbeiten, wo man vom Tätowierer wenig bis gar nichts mehr sieht) oder ihre Facebook- und Instagram-Postings mit „Sponsored-by-Hashtags“ vollmüllen verkaufen sich meiner Meinung nach dermaßen unter Wert, dass es eine Schande ist, dafür dass Wort „Sponsoring“ überhaupt in den Mund zu nehmen – und ich denke, dass ich das auch ganz gut begründen kann:

Was bekommt der Tätowierer vom Sponsor?

Noch einmal, ich rede hier nicht von den Schwergewichten – die haben im Regelfalle gute Verträge, die sie sich auch verdient haben.

Aber die anderen? Die bekommen z.B.

– zwei Maschinen und ein paar Päckchen Nadeln im Jahr

oder

– die Tattoo-Aftercare, für die sie Werbung machen

oder

– einen Jahresvorrat Tattoo-Nadeln, von den Nadeln für die sie werben

oder

– sie dürfen die Farben für die sie Werbung machen 50% günstiger einkaufen

oder
– sie bekommen bei dem Supplier der sie „sponsort“ 10% Rabatt wenn sie einkaufen

Die letzten zwei Punkte lesen sich ja fast wie Realsatire, sind es aber nicht – ich kenne wirklich Tätowierer die zu diesen Bedingungen arbeiten bzw. das als „Sponsoring“ bezeichnen. Wenn es ganz gut läuft, dann bekommen die Tätowierer einen Stand auf der Tattooconvention gezahlt – wobei wir meistens von dem Stand reden und nicht von der Anreise oder dem Hotel.

Ist das etwa kein guter Deal? 

Das kommt auf die Betrachtungsweise an: wenn heute ein Tattoomaschinenhersteller eine halbseitige Anzeige im Tätowiermagazin schaltet, dann kostet ihn diese rund 1100,- Euro. Das Heft hatte (Stand 2012) im Schnitt monatlich 23.000 verkaufte Exemplare..

Eine einmalige Werbung bringt ohnehin kaum einen nutzen, aber lassen wir die halbe Seite für 1100,- Euro trotzdem mal stehen: Das entspricht ungefähr dem Verkaufspreis von zwei Maschinen und ein paar Päckchen Nadeln.

Dafür bekommt der Maschinenhersteller einen Tätowierer der auf Facebook & Instagram locker die Reichweite hat, die das Tätowiermagazin gedruckte Auflage hat – viele auch deutlich höher.

Der Tätowierer zeigt als erstes stolz ein Foto von der neuen Ausrüstung und dass er ab jetzt von xyz gesponsort wird. Zudem schreibt er unter jedes Bild, mit welcher Maschine und welchen Nadeln er gearbeitet hat oder setzt gleich stolz das Logo drauf, er ist ja schließlich gesponsort – und das mindestens ein ganzes Jahr lang. Geht man jetzt davon aus, dass der Tätowierer nur jeden zweiten Tag ein Bild postet, dann wird er rund 180 mal im Jahr seine zigtausend Follower darauf hinweisen, mit was er da gerade arbeitet – und unter den Followern sind natürlich auch viele Tätowierer, die genau aus diesem Grund sich diese Maschine, Nadeln, Farben oder was auch immer kaufen. Millionenumsätze für die einen – ein paar Krümel für die anderen – und zwar die, die eigentlich die größere Arbeit damit haben.

Was kostet das den Sponsor?

Wenig bis gar nichts: Wenn man davon ausgeht, dass sich der Tätowierer ohnehin seine Sachen gekauft hätte – evtl. noch über den Umweg von einem Supplier – dann reden wir von nicht einmal tausend Euro Umsatz.

Eventuell dazu noch ein paar hundert Euro für Messestände….

Was spart sich der Tätowierer?

Rund tausend Euro, die er allerdings als Betriebsausgaben voll absetzen könnte – und vielleicht noch das Geld für den Messestand auf einer Tattooconvention.

Was gibt der Tätowierer dafür?

Erst einmal oberflächlich betrachtet relativ wenig: er setzt ein paar Hashtags und hängt auf der Messe ein paar Banner auf. Eigentlich doch ein guter Deal, könnte man meinen…

Gerade bei den Tattooconventions sehe ich das aber durchaus komplett anders: Ein Messestand kostet je Tätowierer ca. 400,- Euro – das ist bei Messen aber oftmals nur ein Bruchteil der anfallenden Kosten: Der Tätowierer muss anreisen, was je nach Entfernung 200,- Euro innerhalb Deutschlands, aber auch ein paar hundert Euro für weiter entfernte Geschichten bedeuten kann – wir haben ja sogar schon auf Messen in Neuseeland gearbeitet. Dazu noch das Hotel und die Tage für An- und Abreise, an denen der Tätowierer nicht arbeiten kann und einen Verdienstausfall hat.

Jetzt ist der Messestand wirklich der kleinste Ausgabenposten auf so einer Tattooconvention – und viele „Sponsoren“ zahlen ja nicht einmal den. Trotzdem hängen die „gesponsorten“ Tätowierer stolz die Plakate ihrer Sponsoren auf – somit ist kein Platz mehr für die Bilder vom Tätowierer – und eigentlich ist er doch genau aus diesem Grund auf eine Messe gefahren: Er will sich und seine Arbeit bekannt machen.

Bei den Reihen mancher Hersteller nehmen die Werbebanner mehr als 50% der Fläche ein – Platz, bei dem der Tätowierer sich bzw. seine Arbeit nicht präsentieren kann. Jetzt ist der Tätowierer einen ganzen Tag im Auto gesessen, hat ein teures Hotel, braucht wieder einen Tag für die Rückreise… und für einen Bruchteil der Kosten verkauft er 50% seiner Werbefläche. Ein guter Deal? Ich denke nicht.

Wir befinden uns im Jahr 2017: wenn heute ein Instagram-Sternchen mit 100k Followers in einem Posting einen Sport-BH von einem Hersteller präsentiert, dann bekommt sie dafür ca. 1000,- Euro – je Posting – und da ist der Erfolg für den werbenden eher fraglich. Tätowierer mit der gleichen Anzahl Follower machen ein ganzes Jahr lang täglich Werbung für den gleichen Betrag – aber sie bekommen ihn nur einmal – und über den Erfolg muss man nicht diskutieren: warum hab ich die erste Cheyenne-Maschine gekauft? Richtig – weil Boris für sie geworben hat und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es anderen genau so ging. Wenn heute ein Star-Tätowierer mit einer bestimmten Farbe tätowiert, dann kaufen sich tausende andere aus genau diesem Grund die Farbe.

Kurz & knapp: ein Tätowierer, der für ein paar Maschinen oder Farben arbeitet – das ist ungefähr so, als würde Nike dem Ronaldo zwei paar Fußballschuhe im Jahr gratis geben – der bekommt aber doch etwas mehr als ein paar Fußballschuhe – und dazu noch rund 24 Millionen. Jährlich.

Stephan Tempel

Die zehnte Tattoomenta in Kassel aus meiner Sicht

Nachdem ich von den vielen Tattoomessen der letzten Jahre doch auch durchaus etwas Tattooconvention-müde war, hab ich sowohl vor ein paar Wochen in London als auch jetzt in Kassel wieder festgestellt: Ich mag Tattooconventions – wenn sie denn gut sind. Noch besser sind sie für mich persönlich, wenn ich nicht wirklich am Stand arbeiten muss, sondern quasi als Besucher das Flair genießen, interessanten Tätowierern beim arbeiten zuschauen und mit alten & neuen Bekannten ratschen kann.

Die 10. Tattoomenta in Kassel hat alles vereint: War der Veranstaltungsort der „Jailhouse Ink“ schon mehr als Genial mit seinem ganz besonderen Flair (mehr dazu findet ihr hier), dann ist die Documenta-Halle irgendwie noch einmal eine Steigerung: eine sehr große & helle Halle, langgezogen und mit mehreren Ebenen. Doch was wäre so eine Tattooconvention ohne die Tätowierer? Die ganz großen Knaller-Namen waren jetzt nicht in Scharen vertreten – aber auffällig: es waren sehr viele Studios bzw. Tätowierer mit selbstgemachten Wanna-Do´s und einem hohen künstlerischem Anspruch – hat Spaß gemacht und war interessant anzuschauen.

Für uns vom Tempel war das Highlight natürlich der Nachwuchscontest und besonders Interessant, wie Frank „Franky“ Danisch abschneiden würde: Wie das mit dem ganzen Wettbewerb funktioniert(e) habe ich ja hier schon einmal ausführlich erklärt. Jetzt stand also das große Finale an und dazu hatten die drei Finalisten Samstag Mittag ihre Aufgabe bekommen – das vorgegebene Thema für alle drei war „Kindheitserinnerungen“ des Kunden.

Aus meiner Sicht ganz witzig: alle drei Tätowierer haben sich (in Absprache mit dem Kunden) für den Oberschenkel-Vorderseite als zu tätowierende Stelle entschieden – und bei allen drei Kunden spielte ein Tier eine Rolle in der Erinnerung. Bei mir wäre es trotz einiger Haustiere vermutlich ein Fußball, die Pfadfinderkluft, das Baumhaus oder ein Gameboy geworden – irgendwie bin ich ganz froh, dass das vor vier Jahren beim Nachwuchscontest mit Julia noch etwas anders gelaufen ist, wer weiß was ich jetzt ansonsten auf der Haut hätte…

Von den drei Tätowierern haben Franky und Carmela bereits am Samstag zu tätowieren angefangen und fast bis zum Schluß durchtätowiert – Dustin hingegen hat den ganzen Samstag den Entwurf gemacht und dann den ganzen Sonntag bis kurz vor Schluß tätowiert – aber in meinen Augen auch ein echtes Knallerbild abgeliefert, gefiel und gefällt mir sehr, sehr gut.

Ich hätte am Sonntag Abend nicht in der Haut der Juroren stecken mögen: drei sehr, sehr gute Bilder in komplett unterschiedlichen Stilen standen auf der Bühne und der Sieger sollte ermittelt werden: ich hab meine Favoriten in der letzten halben Stunde ungefähr selbst fünfmal wieder umgeworfen: das Realistic-Teil von Carmela, in dem u.a. zwei fotorealistische Köpfe verarbeitet waren? Das Riesen-Neotraditional von Franky, welches noch dazu als einziges farbig war und richtig geknallt hat? Oder der halt doch sehr geile Hase von Dustin?

Letztlich hat sich die Jury für diesen entschieden, wie knapp es war könnt ihr u.a. auf der Seite vom Tätowiermagazin nachlesen. Für uns absolut kein Grund zum traurig sein, schließlich ist ein zweiter Platz beim Tätowiermagazin-Nachwuchscontest ein riesiger Erfolg – ich bin wahnsinnig stolz

– auf Franky, der unglaublich viel Zeit und Energie nicht nur in diesen Wettbewerb, sondern in jedes Tattoo steckt und seit dem er bei uns im Tempel ist einfach nur Vollgas gibt

– auf seinen Verlobten Pirmin, der Franky und auch den Tempel tatkräftig unterstützt und als Modell äußerst tapfer zwei Tage durchgehalten hat

– auf unsere Crew, genauer gesagt auf Thomas, Kerstin, Pitbull-Atilla und Jacky, die am Sonntag morgen extra nach Kassel gefahren sind, um Franky zumindest moralisch zu unterstützen

Der Wettbewerb ist vorbei, er hat uns riesig Spaß gemacht – das gleiche gilt für die Tattoomenta  Kassel – auch wenn zwischen Tempel und der Documenta-Halle 515 Kilometer einfache Fahrt liegen, sollten wir hier zukünftig wieder öfters hinfahren.

Stephan Tempel