Münchner Verkehrsverbund (MVV) – willkommen in der Steinzeit

Ich gestehe: ich bin ein Vielreisender und fühle mich auf der Welt an sehr vielen Orten wohl – komme aber immer wieder sehr gerne nach Hause in die meiner Meinung nach schönste Stadt der Welt: München. Aber je mehr ich reise, um so mehr Orte ich kennenlerne – um so weniger verstehe ich, warum wir es in München nicht auf die Reihe bekommen, endlich mal ein vernünftiges, fortschrittliches, gerechtes und zeitgemäßes System beim öffentlichen Nahverkehr auf die Reihe zu bekommen:

1992 war ich zum ersten mal in London, 1998 zum ersten mal in Paris: Schon damals habe ich mich gefragt, warum man dort fähig ist den Zugang zum Bahnsteig an einen Ticketkauf zu verknüpfen und die Sperre beim Ausgang erkennt ob man den richtigen Fahrpreis gelöst hat – und bei uns nicht. Mehr als 25 Jahre später ist es bei uns immer noch nicht besser geworden, im Gegenteil: viel mehr Städte haben uns noch viel weiter abgehängt:

Bleiben wir doch gleich einmal in London: Dort gibt es inzwischen (neben den Einzelkarten wie fast überall) die Oyster-Card: wird mit einem Betrag X aufgeladen, beim betreten des Bahnsteiges checkt man mit der Karte ein und beim verlassen des Zuges bzw. des Zielbahnhofes checkt man mit der Karte aus und der entsprechende Fahrpreis wird abgezogen. Besonderer Clou: sollte man an einem Tag sehr viel unterwegs sein, wird maximal der Betrag für ein Tagesticket abgebucht. Sehr praktisch und fortschrittlich – zum ein- und auschecken muss man die Karte nicht mal aus dem Geldbeutel nehmen – es genügt, diesen an die Sperre zu halten.

Noch eine Spur besser ist das ganze in Hongkong: Dort heißt die ähnlich funktionierende Karte „Octopus-Card“ – sie hat nicht nur die Funktionen der Oyster-Card in London, sondern man kann mit ihr auch noch kleinere Beträge bei diversen Fastfood-Restaurants oder im Seven-Eleven (das sind die kleinen Supermärkte) begleichen – einfach kurz die Karte hinhalten und fertig.

Ein Blick nach Bangkok: Dort gibt es auch diverse Karten, aber auch Automaten an denen man einfach die gewünschte Zielhaltestelle am Fahrplan anklickt und den Fahrpreis angezeigt bekommt. So leicht erkennbar, dass ich es inzwischen auf „Thai“ bedienen kann.  Man erhält eine Plastikmünze, auf der alle Informationen gespreichert sind und hat ansonsten das gleiche Zutrittssystem wie in London, Paris oder Hongkong. Kein Zutritt ohne Fahrausweis, genaue Abrechnung – und in vielen anderen Städten funktioniert das ganz genau.

…und jetzt kommt München: Wir haben zwar Weltbekannte Konzerne mit modernster Technik bei uns beheimatet – nehmen wir mal BMW oder Siemens als Beispiel – aber wir haben immer noch Ringe und Zonen mit einem System, das viele Einheimische auch nach Jahren noch nicht kapieren. Wie soll man denn auch folgenden Preiswahnsinn kapieren oder irgendjemandem erklären, dass das logisch ist:

Du steigst in Gröbenzell in die S3 und fährst folgende Strecke: Gröbenzell-Lochhausen-Langwied-Pasing: Kostenpunkt dafür: 5,80 Euro – für eine 5-minütige Fahrt mit der S-Bahn.

Jetzt steigst Du eine Station später in die S-Bahn – in Lochhausen und fährst vorbei an Langwied nach Pasing: jetzt kostet die Fahrt nur noch 1,50 Euro. Du fährst 33% weniger und zahlst fast 75% weniger – klingt das nicht logisch?

Besser wird es noch, wenn Du von Gröbenzell ins Klinikum-Großhadern fährst: Das sind dann 10 Stationen mit der S-Bahn und weitere 11 Stationen mit der U-Bahn. Was kostet diese Strecke? Das gilt übrigens auch wenn Du von Maisach aus fährst – dann sind es noch einmal vier Stationen obendrauf und kostet immer noch 5,80 Euro.

Automatische Zugangskontrollen zum Bahnsteig: Fehlanzeige. Statt dessen zu wenige und in der Regel schlecht gelaunte Kontrolleure. Dazu noch diese Super-Duper-Papier-Streifenkarten, die viel zu oft unleserlich gestempelt oder vom Automaten gleich gefressen werden – abgesehen davon, dass sie bei mir regelmäßig ungültig werden, weil ja jeder Streifen nach einer Preiserhöhung teurer wird. Kann man natürlich umtauschen – gegen zwei Euro Bearbeitungsgebühr. Hö hö hö.

Im September war ich wieder in London, die Oyster-Card hatte ich zwei Jahre davor gekauft. Guthaben war noch drauf, einfach etwas oben drauf gepackt und weiter ging die Reise.

Jetzt bastelt der MVV ja gerade an einer Reform: Das System soll einfacher werden – aber für mich liest sich das schon wieder alles nach Flickwerk: werft einfach einen Blick nach London oder viele andere Städte – dann sehr ihr wie das geht.

…und im nächsten Blogeintrag zum MVV kommt dann mein Lieblingsthema: Guten Morgen MVV – im Winter schneit es (manchmal).

Stephan Tempel

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