Metallica Konzert München, 26.04.2018

Seit weit über einem Jahr schon hatte ich die Tickets für dieses Konzert daheim – dadurch, dass Metallica je Person nur zwei Eintrittskarten verkauft hat und ankündigte, auch nur den aufgedruckten Ticketinhaber + Begleitperson reinzulassen, war es diesmal beim Vorverkaufstart gar nicht so schwierig an Tickets zu gelangen – zumindest hatten es sehr, sehr viele Bekannte von mir geschafft. Die spannendste Frage im Vorfeld war, ob Metallica die Ankündigung wahr machen und tatsächlich nur den aufgedruckten Ticketinhaber reinlassen würden – ja, haben sie – und die tz hat daraus gleich einen Eklat produziert – nachlesen könnt ihr das hier:

http://bunte-ansichten.de/schwarzmarkt-tickethandel-im-internet-und-wie-man-ihn-endlich-stoppt/

Gleichwohl wurde viel über die Eintrittspreise diskutiert: 113,- Euro kostete ein Ticket regulär – und das ist natürlich sehr viel Geld. Ich bin ehrlich: ich zahle lieber 113,- Euro um eine Band vom Kaliber Metallica in einer – relativ – kleinen Halle zu sehen in der man relativ nahe an der Band ist und von jedem Platz aus gut sieht, als z.B. 80,- Euro für einen Sitzplatz am Arsch der Welt im Olympiastadion. Guns´n Roses hat 2017 im Olympiastadion für Sitzplätze seitlich der Bühne übrigens 146,- Euro verlangt – und da hatte man eine Lustlose Kapelle die erkennbar nur noch mal wegen der Kohle auf der Bühne stand bekommen, in gefühlten 100 Meter Entfernung. Oder die ganzen Konzerte im Zenith, die inzwischen auch 60 – 80 Euro kosten in einer grausamen Location… dann lieber 113,- Euro in der Olympiahalle für eine der größten Metal-Bands aller Zeiten – Metallica.

Ich gestehe: ich hatte mir im Vorfeld schon ein paar Videos der Tournee auf Youtube reingezogen und darum war die in der Mitte der Halle platzierte Bühne in der Olympiahalle München keine Überraschung für mich – und ein geschickter Schachzug von Metallica: gut für die Fans, weil so jeder relativ nah an der Band ist – und gut für die Band, weil man so in jeder Halle auch wirklich jeden Sitzplatz verkaufen kann, weil man von jedem Platz aus gleich gut sieht.

Ebenfalls keine Überraschung: Metallica spielen bei dieser Tour in jeder Stadt ein neues Lied in der Sprache des Heimatlandes – in Stuttgart war das z.B. Major Tom, mein Tipp für München war „Skandal im Sperrbezirk“ – denn „in München steht ein Hofbräuhaus“ wäre dann doch etwas sehr lahm gewesen – widersprochen hatte mir bei der Tippabgabe niemand.

Erst um halb neun ging es in die Halle – ich hatte zum einen ohnehin Sitzplätze ergattert, zum anderen einen langen Arbeitstag und die Vorband hatte ich nach kurzem Youtube-Studium als „muss ich nicht unbedingt gesehen haben“ eingestuft und wollte mir meine Energie für Metallica sparen.

Das Publikum in der Halle kann man nur als sehr gemischt bezeichnen: sichtbar viele Menschen die vor 37 Jahren – so lange gibt es Metallica schon – lange Haare hatten und heute eher weniger haben waren zahlreich vertreten, ebenso natürlich viele junge Menschen wo es heute wohl eines der ersten Metallica-Konzerte war – so oft kommen die ja auch nicht nach München.

Was soll man sagen: Schon ab dem Vor-Intro „Long way to the Top“ von AC/DC war in der Halle bessere Stimmunt als bei so manch anderem Konzert – zum bekannten Intro „Exstasy of Gold“ schritt die Band dann durch die Halle auf die Bühne und die Masse tobte. Nach schlechten Konzerten – wie z.B. dem oben erwähnten von Guns´n Roses – hört man ja oft, dass es Münchner Konzertpublikum liegen würde, was in meinen Augen einfach Bullshit ist: ich habe schon hunderte Konzerte in München gesehen in allen möglichen Veranstaltungsstätten – es ist halt Realität, dass ein Udo Jürgens vor Jahren mehr Stimmung in die Olympiahalle brachte als Rammstein wenige Tage zuvor – oder dass bei einem Hüftschwung vom alternden Robbie Williams mehr Stimmung im Olympiastadion ist als bei den Stones oder den Gunners – ganz einfach, weil es halt gute und schlechte Konzerte gibt – und bei schlechten Konzerten ist halt auch die Stimmung scheiße.

Metallica hatte gestern ein dankbares Publikum: der große Teil der Halle stand und ging das gesamte Konzert gut ab, obwohl sowohl die Liedauswahl als auch die Soundqualität meiner Meinung nach nicht sonderlich gut war – genaues entnehmt bitte der Setlist:

Setlist-Metallica-München-2018

Exemplarisch für Stimmung Lightshow dieses Video, welches ich auf Youtube verlinkt habe:

Metallica-München-2018-

Ich selber habe keine Bilder und Fotos zu liefern, weil ich Konzerte lieber live genieße anstatt durch einen kleinen Bildschirm zu betrachten. Aber dieses Phänomen ist mir bei Zeiten einen eigenen Artikel wert…

18 Lieder waren sowieso nicht sonderlich viel, die Toten Hosen haben an gleicher Stelle vor ein paar Monaten mehr als doppelt so viele gespielt – aber die sind auch ein Jahr jünger ;).

Tote-Hosen-München-2017

Letztlich war es trotzdem ein gutes, wenn auch kein überragendes Konzert – natürlich inklusive „Skandal im Sperrbezirk“. Zwei Stunden solide Mucke, dazu eine überragende Lightshow – und am wichtigsten: eine Band, die sichtlich Bock hatte. Dann klappt es auch mit dem Münchner Musikpublikum.

Stephan Tempel

Schwarzmarkt / Tickethandel im Internet – und wie man ihn endlich stoppt!

Respekt, Metallica – alles richtig gemacht!

Schwarzmarkt-Handel rund um Konzerte oder Sportveranstaltungen ist ja kein neues Phänomen, den gab es quasi schon immer – allerdings ist es erst im letzten Jahrzehnt so richtig ausgeufert: Waren es früher ein paar wenige, die vor den Arenen oder via Zeitung ihr Glück versucht haben, so sind es Ebay, Viagogo & Co. sei Dank inzwischen tausende geworden, die auf einen (halbwegs) risikolosen und schnellen Euro spekulieren: man riskiert nicht vor Ort von den Cops erwischt zu werden, man riskiert nicht dass einem renitente Fans die sich nicht über´s Ohr hauen lassen wollen einem Backenfutter verpassen – und sollte es kurzfristig regnen: auch kein Problem, die Karten hat man ja schon Monate vorher verkauft. Das einzige Risiko ist hier das Finanzamt bzw. die Steuerfahndung, die ja – wie schon öfters zu lesen war – auch inzwischen bei ebay und viagogo ganz genau hinschaut. Aber darum geht es jetzt nicht:

Das Massenphänomen Tickethandel im Internet hat viel drastischere Ausmaße gehabt, als es die wenigen Schwarzmarkttickethändler früher jemals geschafft hätten: Konzerte sind über eventim und Co. in wenigen Minuten ausverkauft, weil plötzlich nicht nur Münchner Konzertgänger sich um eine Karte bemühen, sondern in ganz Deutschland oder sogar Europa sitzen zum Vorverkaufstart – egal ob Konzert oder Spitzensportveranstaltung wie EM oder WM – tausende vor dem PC, in der Hoffnung Tickets zu ergattern, nur um sie wenige Minuten später via Ebay oder Viagogo wieder zu verkaufen.

Ich frag mich ja schon lange, warum – nicht wie früher – für ein Konzert in München nicht z.B. 80% der Tickets nur bei Vorverkaufstellen in München und im bayerischen Umland verkauft werden – dann würden auch deutlich weniger Eintrittskarten bei Schwarzhändlern landen. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es den meißten Konzertveranstaltern und eventim sowieso einfach egal ist: eine verkaufte Karte ist eine verkaufte Karte – und gerade am Versandhandel mit all seinen Aufschlägen (Ticketgebühr, Servicegebühr, Kreditkartengebühr, Versandgebühr, Fan-Ticket-Aufschlag, etc…) verdient eventim ja mehr als ordentlich.

Was hat der Schwarzmarkthandel im Internet noch für Auswirkungen gehabt? Die Konzertveranstalter haben auf einmal gesehen, welch horrenden Preise die Leute auf einmal zahlen: So haben sich die Konzertkartenpreise in den letzten Jahren fast überall verdoppelt – klar, wenn tausende Karten für Depeche Mode in München die im Original 57,- Euro gekostet haben bei Ebay für 119,- verkauft werden, dann sieht das auch der Veranstalter und verlangt das beim nächsten mal eben selber.

Wieder zurück zum Ursprungsthema: Metallica haben bei ihrer jetzigen Tour – zumindest beim Metallica-Konzert in München – alles richtig gemacht: 113,- Euro sind ohnehin schon eine Stange Geld für eine Eintrittskarte – aber es konnte jeder Besteller nur zwei Tickets kaufen, der Name des Bestellers wurde auf die Eintrittskarte gedruckt und schon bei der Bestellung kam der deutliche Hinweis „Zutritt nur gegen Lichtbildausweis – Eintrittskarten-Besteller und eine Begleitperson“. Wenige Tage vor der Metallica Konzert in München kam dann noch einmal eine E-Mail mit den gleichen Hinweisen.

Das ganze war ziemlich erfolgreich: in den einschlägigen Portalen waren kaum Eintrittskarten zu finden und die wenigen wurden auch fast nicht gekauft. Mit den noch laufenden Konzerten der Tour schaut es ähnlich aus.

Dass die Münchner tz daraus einen „Eklat“ produziert, spricht Bände für diese Zeitung die m.E. nach die Bild im Niveau schon lange nach unten abgehängt hat: Entweder der Verfasser hat keine Ahnung, oder die Zeitung braucht klicks – oder beides. Anders lässt sich der Artikel in der tz nicht erklären:

grottiger tz-online-Artikel

Mein Fazit ist: alles richtig gemacht, Metallica. Namen auf Eintrittskarten werden ja schon lange gedruckt – aber das war das erste mal, dass ich auch wirklich beim Einlass nach meinem Ausweis gefragt wurde. Wenn das Schule macht, dann ist der unsägliche Schwarzmarkt / Tickethandel via Internet bald Geschichte.

Stephan Tempel

Dan Sperry Cirkus Krone München, 24.04.2018

Das erste mal aufmerksam geworden auf Dan Sperry bin ich im November 2014 auf der Tattooconvention Kiel – mein erster Gedanke damals war „ein Zauberer? Auf einer Tattoomesse? Ernsthaft?“ – um dann bei seinem Auftritt mit offenem Mund vor der Bühne zu stehen: Dan Sperry kombinierte damals schon verblüffende Illusionen mit Kunstblut und guter, harter Musik – die Wochen danach hab ich mir viel von ihm auf Youtube reingezogen und festgestellt, dass einige Videos von ihm deutlich über eine Million Klicks haben – nicht zuletzt durch seinen Auftritt bei „Americas Got Talent“. Vor ein paar Wochen dann hab ich ein Plakat gesehen dass seinen Auftritt in München anpries – und mit etwas Glück ergatterte ich noch Tickets in Reihe 2 im Cirkus Krone München – dieser war zu ungefähr 3/4 gefüllt, was der einzige Wehmutstropfen an diesem Abend sein sollte – Dan Sperry hätte ein ausverkauftes Haus verdient gehabt.

Vor wenigen Wochen war ich ja erst bei Hans Klok – der war Klasse – doch Dan Sperry ist halt einfach mehr mein Geschmack: seine Show wird musikalisch überwiegend von Heavy Metal begleitet, er nimmt sich und die Zauberei nicht so ernst und er hat einen fantastischen Humor und großartiges Entertainer-Talent. Bevor ich mich in zuviel Worten verliere – hier einfach der Link zu zwei Videos auf Youtube:

Dan Sperry – America´s Got Talent

Dan Sperry – The Illusionists

Das Fazit von diesem Abend: Zwei Stunden Entertainment vom allerfeinsten von einem äußerst sympathischen, supertalentiertem Entertainer.

Montag dem 30.04. wäre er noch einmal in der Nähe in Fürth – oder am 02.05. in Ulm – wer Lust auf großartige Unterhaltung hat, ist bei Dan Sperry definitiv richtig.

Hans Klok (und Pamela Anderson) in München, Deutsches Theater, 11.04.2018

Hans Klok. Zum ersten mal in Berührung gekommen bin ich mit ihm vor über 10 Jahren in Las Vegas, als er in Überlebensgröße dort – zusammen mit Pamela Anderson – auf einem Hotel am Las Vegas-Strip angekündigt wurde. Er galt und gilt als der schnellste Magier aller Zeiten und hat diverse Einträge im Guinessbuch der Rekorde. Im Herbst 2017 wurde er dann für April 2018 in München angekündigt – ein ideales Weihnachtsgeschenk für die Familie – so dachten wohl viele und darum wurde das Deutsche Theater in München von Hans Klok für den Zeitraum 10.04 – 15.04 gebucht – am Wochenende sogar mit zwei Vorstellungen täglich.

Magier haben es in 2018 schwer: jeder Trick wurde irgendwie schon einmal im Fernsehen gezeigt und das Internet ist natürlich auch voll davon und überhaupt: es gibt doch viel zu viel Unterhaltung, die Leute sind übersättigt: darum packt Hans Klok den Abend in eine Geschichte, in der er sich in einem verwunschenen Schloß auf die Suche nach einem Buch begibt. Wem das nicht genügt: Zumindest für die ersten beiden Auftritte wurde seine ehemalige Las-Vegas-Partnerin Pamela Anderson aus dem Hut gezaubert – und die von mir gekauften Tickets waren für die zweite Vorstellung. Passend zu Las Vegas: Jackpot!

Er kündigt sich selber an mit „ich sehe aus wie Linda de Mol und klinge wie Rudi Carell“ – Humor hat er und es stimmt ja auch.

Dann geht es Schlag auf Schlag: aus einer winzigen Kiste steigen viel zu viele Artisten, überwiegend junge hübsche Frauen. Menschen werden zersägt und wieder zusammengesetzt, Tische und Glühbirnen fliegen durch die Luft, ein Sakko aus dem Publikum erscheint auf einmal am Körper einer zuvor gefesselten Frau – Hans Klok ist schnell und sehr, sehr gut. Er selbst gönnt sich immer wieder kleine Verschnaufpausen, in denen das Publikum aber hervorragend unterhalten wird: sei es durch das Duo La Vision (welches mich selber stark an den Cirque Du Soleil erinnert hat), Yulia Rasshivkina oder durch die Schlangenfrau Jordan McKnight (auch aus Las Vegas, auch nicht zum ersten mal in München) – alle Auftritte an diesem Abend sind durch die Bank sehr, sehr gut.

Ein Auftritt kommt vielleicht etwas zu kurz, vor allem wenn man bedenkt wie groß er angekündigt wurde: Pamela Anderson. Diese wird einmal kurz auf die Bühne gezaubert, sagt nett Hallo, wird von Hans Klok zum Shoppingverhalten befragt und verschwindet danach wieder. Er selbst kommentiert das mit „soviel Geld für so wenig Zeit“ – und das trifft für Pamela Anderson wirklich zu. Nicht aber für den Auftritt von Hans Klok und den anderen Künstlern – der war sein Geld wirklich wert. Meiner Meinung nach eine Empfehlung, noch bis Sonntag im Deutschen Theater in München.

Nachtrag:

Was man auf jeden Fall noch kritisch betrachten darf, ist der heutige Aufmacher der Münchner tz: „Pam verzaubert München – Auftritte im Deutschen Theater“ – und das nach einem 30-Sekunden-Auftritt. Wenn ich mir deswegen die tz geholt hätte, wäre ich wohl mehr als enttäuscht.