Tote Hosen Konzert München 19.12.2017

Die Messlatte bei den Toten Hosen liegt bei mir sehr sehr hoch, denn angefixt über das „Bis zum bitteren Ende„-Livealbum 1988 haben sich bei mir über die Jahre dann doch einige Konzerte angesammelt – darunter sind mir vor allem die Geheimkonzerte im Atomic Cafe als „Rheinpiraten“ (1998) oder auch im alten Backstage als „Essen auf Rädern“ (2000) im Gedächtnis geblieben, aber auch das Weihnachtskonzert in Nürnberg um die Jahrtausendwende, Innsbruck vor einigen Jahren und dann noch etliche Konzerte natürlich in der Olympiahalle – keine Ahnung wieviele. Wie gut kann da ein Konzert für jemanden Ende 2017 werden, der bei den Hosen musikalisch irgendwo um die Jahrtausendwende spätestens stehen geblieben ist? 

Mit wenig Erwartungen ging es spät nach der Arbeit in Richtung Olympiahalle, so dass ich von der Vorband „Feine Sahne Fischfilet“ nicht viel mitbekommen habe. Zum letzten Lied – irgendwas mit „komplett im Arsch“ – ging es in die Arena, die – welch Freude – nicht nochmal zusätzlich abgetrennt war, wie man es ja bei Konzerten inzwischen immer öfters erlebt. Die meisten Sitzplätze standen bei Feine Sahne Fischfilet, scheint also gefallen zu haben.

Die Umbaupause zwischen Vorband und Hauptact dauerte eine knappe halbe Stunde (…mach das Flutlich an denn sie kommen gleich raus….) und um zehn nach neun betraten die Hosen die Bühne – mit einem Urknall bzw. eben jenem Lied von der neuen Scheibe. Die Halle stand – das so oft – meiner Meinung nach zu Unrecht – gescholtene Münchner Konzertpublikum war bereit für einen geilen Abend:

Lied zwei: Auswärtsspiel und zum ersten mal drückten die Massen in der Arena nach vorne, inklusive einem alternden Punk der zum Glück noch die Brille gegen Kontaktlinsen getauscht hatte – als Löwenfan passt es aber halt auch einfach zu gut:

Es ist egal, ob wir das Spiel verlieren
Denn darauf kommt es nicht an
Und ob das irgend jemand hier sonst kapiert
Ist für uns nicht interessant

Ihr könnt uns schlagen so oft und so hoch ihr wollt
Es wird trotzdem nie passieren
Dass auch nur einer von uns mit euch tauschen will
Denn ihr seid nicht wie wir
Auf einmal fandich mich in Reihe drei wieder, ging heftig zur Sache – hier hatten ein paar tausend Menschen richtig Spaß.
 
Zum Glück kamen dann drei neuere Lieder und ich konnte etwas Luft holen – dabei fiel mir auf, dass ich Campino des öfteren an den Rücken fasste – schien im nicht ganz so gut zu gehen. Cool – Brüder im Geiste. 
Ich habe Schmerzen im Kreuz, wenn ich aufstehen will
Die Achillesferse tut mir weh
Und das Einzige, was nicht kaputt an mir ist,
Sind die Brücken in meinem Gebiss
Ich bin ein alter Mann, schweinealt
Nur ein alter Punk, viel zu alt
Schweinealt
Dann wieder drei Lieder Vollgas: Liebeslied, Bonny & Clyde, Altes Fieber – zwischenzeitlich namen die purzelnden Leiber am Boden solche Ausmaße an, dass Campino sich sogar erkundigte ob alles in Ordnung wäre.
Ja, war es – richtig geil war es. Danach wieder zwei Lieder Verschnaufspause, eher ein ziemlich passendes Lied kam – das Wort zum Sonntag. Ich muss da an das Gespräch mit meinem Freund Tommy heute morgen denken, der der Meinung war es wäre das schlechteste Hosen Konzert aller Zeiten gewesen und die früher wären viel besser gewesen:

Früher war alles besser
Früher war alles gut
Da hielten alle noch zusammen
Die Bewegung hatte noch Wut
Früher, hör auf mit früher
Ich will es nicht mehr hören
Denn damals war es auch nicht anders
Mich kann das alles nicht stören
Danach war Zeit um sich Getränke zu holen – nachdem in der Arena zu 90% Caipi- und Jacky-Coke-Verkäufer unterwegs waren eben sportlich zum Getränkestand (…ich bin ein alter Mann…) und rechtzeitig zurück zuUnsterblich„.

Das schönste-One-Night-Stand-Lied aller Zeiten gleich nach „Ohne Dich“ von der Münchner Freiheit oder „Gö Du bleibst heut nach bei mir“ von STS.  Zeit, in Ruhe sein Getränk zu konsumieren – gerade rechtzeitig vor „pushed again“. Eines meiner liebsten Lieder und Videos 🙂

Pushed-Again-Tote-Hosen-Video

Bis jetzt schon ein langer Bericht und 14 Lieder – und da ist noch nicht einmal die Hälfte des Konzertes geschafft: insgesamt 34 Lieder gaben die Hosen zum besten, darunter noch Klassiker wie 

– Hier kommt Alex
– Bommerlunder
– Schönen Gruß auf Wiedersehn
– Ficken Bumsen Blasen
– Tage wie diese
– You´ll never walk alon
– Opel-Gang…die komplette Setlist findet ihr übrigens hier:
 

setlist-tote-hosen-konzert-münchen-19.12.2017

Ein Konzert wo fast die gesamte Halle die meiste Zeit steht und abgeht, in der Arena die Hölle los ist und der Hauptact sichtlich Bock hat und 34 Lieder abliefert – was will man mehr? Wenn jemand für heute Abend noch eine Arena-Karte übrig haben sollte – bitte bei mir melden, gehe gerne nochmal. 

Stephan Tempel

 

13.12 – Happy A.C.A.B. – Day…. oder warum eben NICHT alle Bullen Bastarde sind…

Heute ist der 13.12. und ich wir verstecken in unserem Adventskalender vom Tattoostudio jeden Tag ein kleines Geschenk, meistens verlosen wir etwas. Heute hätte sich ein kleines Tattoo angeboten: wir hätten das heutige Datum verlosen können, als Tattoo – fänden viele witzig, hätten wir viele Teilnehmer, hätten wir viel Werbeeffekt. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden – nicht aus Angst vor der Staatsmacht, sondern weil mir diese Parole – inzwischen – einfach zu dämlich ist:

Vor wenigen Wochen habe ich erst mein erstes Troublemaker-T-Shirt in die Kleidersammlung gegeben: gekauft vor knapp 20 Jahren, inzwischen mehr breit als lang und mehr grau als blau – und die vier Buchstaben A.C.A.B. lösen sich auch langsam und vor allem:  ich stehe nicht mehr dahinter.

Nachdem A.C.A.B. je nach Bundesland mal mehr oder weniger strafbewehrt ist, weicht man heutzutage ja eben auf die Zahlenkombination 13.12. aus. Die habe ich mir vor 12 Jahren für mein erstes Autokennzeichen ausgesucht – keine Ahnung, wie oft ich mit diesem Kennzeichen in den ersten drei Jahren  kontrolliert wurde. Seit nunmehr bald 9 Jahren bin ich auf die 1860-geswitcht – und hatte mit diesem Kennzeichen noch nicht eine Kontrolle.

Warum ist mir A.C.A.B. zu doof? Ich mag keine Parolen, in der pauschal alle Menschen über einen Kamm geschert werden: nicht jeder Ami ist doof und wählt Trump, nicht jeder Deutsche ist ein Nazi, nicht jeder Thailand-Urlauber ein Sex-Tourist, etc…

Natürlich gibt es unter Polizisten einige Arschlöcher und ich hab auch schon mehr als genug schlechte Erfahrungen gemacht – aktuell klage ich ja gerade gegen meine faktische Ausreiseuntersagung vor 15 Monaten am Münchner Flughafen. Der Obercop, der uns mit süffisantem Grinsen erklärte, dass man gegen uns nichts finden würde, aber sie die Kontrolle eben etwas in die Länge ziehen würden: Ja, den fand und finde ich nicht so toll, aber das klären wir ja bald vor Gericht. Der Termin steht übrigens schon.

Der Schläger vom USK, der meinem Bruder den Arm gebrochen hat: Yep, Kategorie Arschloch. Der Typ, der uns bei einer Kontrolle eines Autos mit einem sinnlosen und rechtswidrigem Drogentest schikaniert hat: Yep, Kategorie Arschloch – aber der hat auch eine saftige Dienstaufsichtsbeschwerde und ich ein zweiseitiges Entschuldigungsschreiben von der Polizei bekommen….

ABER: ich hab in den letzten Jahren auch sehr viele äußerst korrekte & nette Polizisten kennengelernt: sei es im Kampfsporttraining, nach Unfällen, Einbrüchen… Familienväter oder Mütter, Leute die ihren Job ausüben, die zum Teil selber bei sinnlosen Einsatzbefehlen kotzen – etc. etc…. nicht zu vergessen die Cops in Thailand: nachts um halb drei, kurz vorm Hotel, die ganze Reisekasse dabei kommen vier Militärpolizisten auf uns zu, filzen alle Taschen und machen einen Urin-Drogentest. Der war – natürlich – negativ, aber von der Reisekasse hatte ich mich schon in Gedanken verabschiedet. Hat die Cops aber nicht im geringsten interessiert…

…und wenn ich jeder Berufsgruppe die mich schon schikaniert (oder es versucht) hat, dann würden mir da noch ganz andere Arschlöcher einfallen:

Der Typ von der Condor, der mit allen Mitteln verhindern wollte dass die beiden schwersttätowierten Asozialen in der Business-Class mitfliegen. Der schleimige Banker, der jedes mal wenn man ihm die Tageseinnahmen hinlegte so tat, als wäre das vermutlich Drogengeld, weil der Überbringer tätowiert ist. Die dumme Pute im Burger King auf den Bahamas, die den weißen Jungen konsequent so lange ignoriert hat, bis auch der letzte farbige drangenommen war. Die Taxifahrer auf der ganzen Welt, die mit dem ahnungslosen Touristen fette Umwege gefahren sind. Die Tuk-Tuk-Fahrer in Bangkok, die dich konsequent zum Schneider bringen, obwohl das Gegenteil ausgemacht war. Die Liste ist lang, sehr sehr lang… und vermutlich hat jeder von uns schon mit mehreren Berufsgruppen negative Erfahrungen gemacht als mit Polizisten.

A.C.A.B. liegt einem oft auf Zunge: es ist so schön rebellisch, gegen die Staatsgewalt und es gibt genug Cops, die einem durch ihr Verhalten ein A.C.A.B. quasi in den Mund legen. Mit mir nicht mehr: Wenn Du mich als Polizist korrekt behandelst, dann bin ich korrekt zu Dir. Wenn Du mich schikanierst oder schlecht behandelst, bekommst eine Dienstaufsichtsbeschwerde und/oder eine Klage. Happy 13.12.-Day zu posten ist natürlich leichter, witziger – und einfach nur sinnlos.

Stephan Tempel

Vorsicht, Jammerposting: Warum die letzten Tattoo-Sitzungen keinen Spaß mehr machen…

 

„Boah, was bin ich ´ne Pussy geworden“ hab ich mir gestern wieder gedacht, während ich mich auf der TAD**-Liege unter Julias Nadel gewunden habe wie ein Zitteraal mit epileptischen Anfällen. Hat dieser Scheißdreck eigentlich schon immer so weh getan? Ich glaube nicht, ich bin mir sogar ziemlich sicher dass nicht, denn ansonsten wäre es wohl bei einem Tattoo geblieben.

Ich weiß es noch wie gestern, war ja auch erst 1995: Beim Volker vom legendären Scorpions-Tattoo, während der Arafat noch im Nebenraum gepierct hat. Ne Stunde beim Volker schlug damals mit mindestens 250,- Mark zu buche, Tussies die nur was kleines wollten haben auch mal eben 300,- Mark für ein kleines Einhorn auf´m Arsch gezahlt – hat ja auch 25 Minuten gedauert. Der Stencil – vermutlich schon zigmal benutzt und fachgerecht mit dem Deoroller aufgebracht – war ja schon fertig in der Schublade und verschwand nach dem aufbringen wieder in der ebensolchen – bis zur nächsten Tussie.

Preisdiskussionen wie 2017 im Tempel? Ha ha… wer diskutiert schon mit einem Bodybuilder mit Zuhälter-Bart, Brilli im Ohr, Pitbull-Aufkleber und sichtbarer Axt hinter´m Tresen? Niemand… und wenn es mal „doofe Fragen“ gab, grunzte er zu den Mädels „geh lieber rüber zum Arafat und lass Dir ein paar Löcher machen“. Ja ja, die gute alte Zeit in der alles besser war…

Aber zurück zu den Schmerzen: die waren damals einfach nicht so stark: ich erinnere mich noch an eine drei-stündige Sitzung am Bein, die von 12 – 15 Uhr geplant war. Logisch, dass ich – frisch am Bein eingepackt – am Nachmittag noch den Oberkörper im Studio trainiert hab. Der wurde ja nicht gestochen. Wenn heute jemand drei Stunden mein Bein sticht, dann bin ich froh wenn ich fehlerfrei zum Auto, mit diesem nach Hause und auf die Couch komme.

Liegt´s am Alter? Am Schmerzgedächtnis? Oder fehlt das Adrenalin, die Vorfreude? Ich hab zwar letztens überschlagen, dass die Stechzeit an meinem Körper ganz stark in Richtung 300 Stunden geht, aber keine Ahnung wie viele Sitzungen das waren. Die Nervosität ist natürlich nicht mehr so stark wie vor Sitzung eins oder Sitzung zwei… und was noch tragischer ist: Die Vorfreude ist weg.

Früher war ein Tattoo und ein Tattootermin was besonderes – nicht nur für mich, sondern für alle in meinem Umfeld. Selbst in der Kurve im Stadion war´s ein Gesprächsthema wenn wieder einer beim stechen war – wenn Du heute in ein Stadion gehst, haben im Ultra-Block vermutlich 10-20% gerade irgendwo Folie oder Suprasorb an frisch perforierten Hautstellen hängen – und Fotos von meinen neuen Tattoos interessiert nicht mal mehr meine Familie. Irgendwie bin ich ja für alle schon voll, während mich selber die vorhandenen Lücken tierisch nerven.

Das Bild von meinem Tattoo hier im Artikel – das eine ist zwei Wochen alt, das andere von gestern – zeigt was ich meine: zwischen den beiden Bildern liegt locker eine Stunde schmerzen – aber sieht wer den Unterschied außer mir oder der perfektionistischen Julia? Eben. Natürlich haben wir gestern noch deutlich mehr tätowiert, das nur am Rande. Bilder folgen.

Ja, ich gestehe: die Vorfreude ist weg, ich habe nur noch ein Ziel: fertig werden. Ich bin gerne tätowiert, ich bin sehr gerne sehr stark tätowiert – aber dem Schmerz beim tätowieren habe ich noch nie was abgewinnen können. Ich bin einfach nur froh, wenn das Gesamtkunstwerk Stephan Tempel endlich fertig ist – und der Schmerz wird mir ganz, ganz sicher nicht fehlen.Noch rund 30 Stunden würde ich mal vorsichtig tippen, dann ist schicht im Schacht.

Heute steht auch wieder so eine Sitzung an, die kaum einer bemerken wird: Lücken am Arm zumachen. Na, wenigstens nur am Arm… da freu ich mich ja fast schon wieder drauf.

Stephan Tempel

PS: Dem aufmerksamen Leser ist sicherlich aufgefallen, dass ich mit gestern und heute eine Doppelsitzung habe: wenn mich etwas noch mehr nervt als die Schmerzen beim Tätowieren, dann ist es die Abheilphase mit den damit verbundenen Einschränkungen bei Sport, Sauna etc… darum Doppelsitzungen.