13.12 – Happy A.C.A.B. – Day…. oder warum eben NICHT alle Bullen Bastarde sind…

Heute ist der 13.12. und ich wir verstecken in unserem Adventskalender vom Tattoostudio jeden Tag ein kleines Geschenk, meistens verlosen wir etwas. Heute hätte sich ein kleines Tattoo angeboten: wir hätten das heutige Datum verlosen können, als Tattoo – fänden viele witzig, hätten wir viele Teilnehmer, hätten wir viel Werbeeffekt. Ich habe mich trotzdem dagegen entschieden – nicht aus Angst vor der Staatsmacht, sondern weil mir diese Parole – inzwischen – einfach zu dämlich ist:

Vor wenigen Wochen habe ich erst mein erstes Troublemaker-T-Shirt in die Kleidersammlung gegeben: gekauft vor knapp 20 Jahren, inzwischen mehr breit als lang und mehr grau als blau – und die vier Buchstaben A.C.A.B. lösen sich auch langsam und vor allem:  ich stehe nicht mehr dahinter.

Nachdem A.C.A.B. je nach Bundesland mal mehr oder weniger strafbewehrt ist, weicht man heutzutage ja eben auf die Zahlenkombination 13.12. aus. Die habe ich mir vor 12 Jahren für mein erstes Autokennzeichen ausgesucht – keine Ahnung, wie oft ich mit diesem Kennzeichen in den ersten drei Jahren  kontrolliert wurde. Seit nunmehr bald 9 Jahren bin ich auf die 1860-geswitcht – und hatte mit diesem Kennzeichen noch nicht eine Kontrolle.

Warum ist mir A.C.A.B. zu doof? Ich mag keine Parolen, in der pauschal alle Menschen über einen Kamm geschert werden: nicht jeder Ami ist doof und wählt Trump, nicht jeder Deutsche ist ein Nazi, nicht jeder Thailand-Urlauber ein Sex-Tourist, etc…

Natürlich gibt es unter Polizisten einige Arschlöcher und ich hab auch schon mehr als genug schlechte Erfahrungen gemacht – aktuell klage ich ja gerade gegen meine faktische Ausreiseuntersagung vor 15 Monaten am Münchner Flughafen. Der Obercop, der uns mit süffisantem Grinsen erklärte, dass man gegen uns nichts finden würde, aber sie die Kontrolle eben etwas in die Länge ziehen würden: Ja, den fand und finde ich nicht so toll, aber das klären wir ja bald vor Gericht. Der Termin steht übrigens schon.

Der Schläger vom USK, der meinem Bruder den Arm gebrochen hat: Yep, Kategorie Arschloch. Der Typ, der uns bei einer Kontrolle eines Autos mit einem sinnlosen und rechtswidrigem Drogentest schikaniert hat: Yep, Kategorie Arschloch – aber der hat auch eine saftige Dienstaufsichtsbeschwerde und ich ein zweiseitiges Entschuldigungsschreiben von der Polizei bekommen….

ABER: ich hab in den letzten Jahren auch sehr viele äußerst korrekte & nette Polizisten kennengelernt: sei es im Kampfsporttraining, nach Unfällen, Einbrüchen… Familienväter oder Mütter, Leute die ihren Job ausüben, die zum Teil selber bei sinnlosen Einsatzbefehlen kotzen – etc. etc…. nicht zu vergessen die Cops in Thailand: nachts um halb drei, kurz vorm Hotel, die ganze Reisekasse dabei kommen vier Militärpolizisten auf uns zu, filzen alle Taschen und machen einen Urin-Drogentest. Der war – natürlich – negativ, aber von der Reisekasse hatte ich mich schon in Gedanken verabschiedet. Hat die Cops aber nicht im geringsten interessiert…

…und wenn ich jeder Berufsgruppe die mich schon schikaniert (oder es versucht) hat, dann würden mir da noch ganz andere Arschlöcher einfallen:

Der Typ von der Condor, der mit allen Mitteln verhindern wollte dass die beiden schwersttätowierten Asozialen in der Business-Class mitfliegen. Der schleimige Banker, der jedes mal wenn man ihm die Tageseinnahmen hinlegte so tat, als wäre das vermutlich Drogengeld, weil der Überbringer tätowiert ist. Die dumme Pute im Burger King auf den Bahamas, die den weißen Jungen konsequent so lange ignoriert hat, bis auch der letzte farbige drangenommen war. Die Taxifahrer auf der ganzen Welt, die mit dem ahnungslosen Touristen fette Umwege gefahren sind. Die Tuk-Tuk-Fahrer in Bangkok, die dich konsequent zum Schneider bringen, obwohl das Gegenteil ausgemacht war. Die Liste ist lang, sehr sehr lang… und vermutlich hat jeder von uns schon mit mehreren Berufsgruppen negative Erfahrungen gemacht als mit Polizisten.

A.C.A.B. liegt einem oft auf Zunge: es ist so schön rebellisch, gegen die Staatsgewalt und es gibt genug Cops, die einem durch ihr Verhalten ein A.C.A.B. quasi in den Mund legen. Mit mir nicht mehr: Wenn Du mich als Polizist korrekt behandelst, dann bin ich korrekt zu Dir. Wenn Du mich schikanierst oder schlecht behandelst, bekommst eine Dienstaufsichtsbeschwerde und/oder eine Klage. Happy 13.12.-Day zu posten ist natürlich leichter, witziger – und einfach nur sinnlos.

Stephan Tempel

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