…mal kurz in der Abendzeitung geblättert….

Es ist inzwischen selten genug, dass ich eine Print-Tageszeitung in die Hand nehme: Die Artikel vom Weltgeschehen habe ich meistens mindestens 24 Stunden vorher schon online gelesen, der Boulevard_Journalismus interessiert mich nur begrenzt und unter´m Strich sind die meisten Tageszeitungen einfach zu schlecht – oder im Falle der Süddeutschen Zeitung so dick, dass man schon Rentner sein muss um überhaupt die Zeit zu finden um diese zu lesen.



Durch Zufall fiel mir die Abendzeitung vom Samstag, 12.05.2018 in die Hände und auf Seite 13 der Artikel „Europa zu Gast in München“ mit der Sub-Unterschrift „Toleranz, Vielfalt, Freiheit: Beim Europatag am Marienplatz fallen Mauern – für ein gemeinsames und vereintes Europa gegen alle Vorbehalte“. 



Das klingt doch erst einmal gut: Als stark tätowierter Mensch erwarte ich von meinen Mitmenschen ein gewisses Maß an Toleranz, ich finde bunte Vielfalt toll und Freiheit ist ja ohnehin neben der Gesundheit eines der wertvollsten Güter – und was ich an dieser Stelle auch loswerden möchte: Ich mag den Europäischen Gedanken. Anstelle von vielen kleinen beschränkten Gebieten ein großes Gebiet, in dessen Raum jeder Mensch dort arbeiten und vor allem leben kann wo er möchte – das klingt doch gut.



Viele Deutsche bzw. Menschen aus den wohlhabenden EU-Ländern haben ja immer Angst, wegen der EU ihren Lebensstandard zu verlieren bzw. etwas kürzer treten zu müssen – ich finde diesen Gedanken gar nicht so tragisch: wenn man betrachtet, wie schlecht es vielen Menschen in Osteuropa geht, während in Deutschland in jeder Straße einer Großstadt Autos im Millionenwert stehen – von so Kleinigkeiten wie „ständig neuestes Smartphone“ reden wir an dieser Stelle noch gar nicht – dann finde ich es nur überfällig, dass wir unseren Wohlstand ein paar Prozent runterschrauben, damit anderswo die Menschen ein würdiges Dasein haben.

Steinigt mich dafür, aber das ist halt meine Denkweise – nicht umsonst habe ich seit über einem Dutzend Jahren (inzwischen mehrere) Patenschaften für Kinder in der 3. Welt und wir engagieren uns regelmäßig auch finanziell mit dem Tempel – wem es gut geht, der gibt etwas ab damit es allen besser geht. Soweit, so gut. Wäre toll wenn noch mehr die es sich leisten können mitmachen würden (denn nicht jeder kann sich das leisten – auch klar!), aber das ist ein anderes Thema…



Allerdings reagiere ich allergisch darauf, wenn einem Sachen – egal ob ich sie gut finde oder nicht – mit hanebüchenen Argumenten als toll verkauft werden sollen. Ich erwarte von Journalisten bzw. Medien eine klare Darstellung der Faktenlage – und dann kann sich jeder seine eigene Meinung erstellen – das Wort „bilden“ vermeide ich an dieser Stelle absichtlich, klingt ja ansonsten so wie der Slogan von dem Klopapier mit den vier Buchstaben.

Relativ nah am Niveau eben jener Zeitung bewegt sich in diesem Artikel aber die Abendzeitung: So darf z.B. Bürgermeister Josef Schmid frohlocken – natürlich in Fettdruck: „Viele Münchner wissen gar nicht, was die EU alles für unsere Stadt bereitstellt.

Alleine im Jahr 2017 hat München über 20 Millionen Euro an EU-Fördergeldern aus Brüssel bekommen“. 

Man muss den Artikel schon bis zum Ende lesen um zu erfahren, woher diese Kohle eigentlich kommt. Auf den Fettdruck wird natürlich verzichtet, wenn es fast ganz unten lautet: „Freilich, Deutschland ist mit 13 Milliarden Euro pro Jahr größter Nettozahler“ – und damit das ganze aber noch verniedlicht wird: „Gleichzeitig zahlt die EU an Deutschland fast die Hälfte an Fördergeldern zurück“.

Da steht nichts falsches drinnen, könnte aber dem flüchtigen Leser suggerieren: „Deutschland zahlt 13 Milliarden und erhält fast die Hälfte zurück“. Nettozahler bedeutet aber, dass wir 13 Milliarden mehr zahlen als wir bekommen – in Zahlen: Deutschland zahlt 23 Milliarden Euro nach Brüssel – und erhält 10 Milliarden zurück.

Wo wir auch schon bei der Kohle wären, über die Josef Schmid so schön sagt „Viele Münchner wissen gar nicht, was die EU alles für uns bereitstellt“. Ja, macht sie: von der 23 Milliarden die wir zahlen, stellt die EU 10 für uns bereit. Wow. Ich bin beeindruckt.



Noch einmal: Wir sind Deutschland, wir sind ein reiches, wohlhabendes Land: es ist für mich ok, dass wir ärmere Länder unterstützen – ich halte das für den richtigen Weg für eine gerechtere Verteilung und gegen Armutsmigration. Aber versucht nicht, uns für dumm zu verkaufen.



Fast noch dreister wird es, wenn es um den Beamtenapparat in Brüssel geht: Am AZ-Stand beschwerte sich ein Mitfünfziger über den seiner Meinung nach aufgeblähten Beamtenapparat. Die Abendzeitung steuert natürlich entgegen: „EU-Kommission, – Ministerrat und – Parlament zählen zusammen etwa 32.500 Bedienstete. Für die Stadt München und ihre Verwaltung arbeiten 38 400.“



…und da steht wieder nichts wirklich falsches drinnen – aber es ist halt einfach ein Äpfel mit Birnen-Vergleich: Der große Teil der städtischen Beschäftigten arbeitet nämlich in Sozial- und Erziehungsberufen – das dürfte in Brüssel bei EU-Kommission, Ministerrat und Parlament eher nicht der Fall sein. Auch gehe ich davon aus, dass es dort eher weniger Müllmänner gibt… die Liste ließe sich beliebig fortsetzen…. und wie kommt man jetzt auf die Idee, so etwas miteinander zu vergleichen?



Entweder man ist dämlich – oder man möchte seine Leser für dämlich verkaufen. Beides ist meiner Meinung nach einer guten Zeitung unwürdig.

Stephan Tempel

Gedanken zur Tattooconvention München, mindestens gültig in 2018

…nur mal so ein paar Gedanken zur Tattooconvention München aus meiner persönlichen Sichtweise: ja, ein paar Sachen kann man sicherlich noch optimieren: Die Tonhalle ist einfach zu dunkel, im Jahr 2018 zu klein und war dieses Jahr halt auch nicht gerade leicht zu erreichen. Was Schade ist, denn das Viertel um die ehemalige Kulturfabrik -> ehemals Kunstpark Ost -> ehemals Pfanni-Gelände wird ein richtiges Schmuckstück – wenn es denn mal fertig ist: Kleine Bars, Discos, besprühte Container, bunte Gastronomie – das wird definitiv was richtig feines.



Dann wusste nicht jeder, dass es einen Backstage-Raum mit Erfrischungen gab (ich hab ihn auch nicht gefunden bzw. zu Gesicht bekommen) – und dass man als Aussteller umsonst auf dem Gelände parken kann, wusste auch nicht jeder, ist aber leicht behebbar.


Dann würden natürlich vor allem am Freitag und am Sonntag ein paar mehr Besucher der Veranstaltung nicht schaden – wobei jetzt die Frage ist, wie man die in die Halle bringt: mehr Werbung in Print? Radio? Plakate? Online? Das kostet alles einen Arsch voll Kohle und welcher Kanal der richtige ist, ist fraglich. 



Vielleicht wäre auch ein guter Weg, über die Teilnehmenden Studios einen Kartenvorverkauf zu machen: wer die meisten Tickets verkauft, bekommt seinen Stand billiger oder gleich umsonst – DAS wäre eine riesige Motivation für die Studios Leute zur Messe zu bringen – einige sind da ja immer etwas ängstlich, dass sie evtl. Leute an andere Studios verlieren…. Oder oder oder… aber ich bin mir sicher, da wird Rike und Raimund sicherlich etwas einfallen und wenn jemand eine gute Idee hat: die beiden freuen sich über jedes Feedback.



…jetzt ist mein Gemecker schon vier Absätze lang und das wird dieser wirklich gelungenen Veranstaltung überhaupt nicht gerecht: Was macht eine Tattooconvention aus? In allererster Linie die Tätowierer und da gab es in München überhaupt nichts zu meckern: Das war durch die Bank mindestens solide bis sehr gut was dort gearbeitet hat, einige Künstler gehörten schon vor Jahren zur Weltelite oder sind in München auf Jahre hinaus ausgebucht – das Line-Up an Tattoo-Künstlern war sehr, sehr fein. 



Zu den Contests: ich bin ja ohnehin kein großer Fan mehr von Tattoocontests, das muss man an dieser Stelle auch gar nicht groß thematisieren – aber eines hat München dieses Jahr verdammt gut gemacht: die Jury: Hatte Corpsepainter Julian seine Teilnahme an der Messe leider kurzfristig abgesagt, so konnte die Rike ihn wenigstens für die Jury gewinnen, dazu seine Kollegen Basti & Chippie, die sich mit anderen Tätowierern abwechselten – endlich mal keine Tattoomodels und Schmuckverkäufer in der Jury und keine Mauscheleien, weil Kollegen vom eigenen Tattoostudio am Contest teilnehmen – und über die Fachkompetenz der drei muss man an dieser Stelle auch nicht schreiben.

Natürlich witterten auch hier einige wieder Betrug oder Schiebung – aber ganz ehrlich: irgendjemand muss die Dinger ja gewinnen und wer einen Blick auf die Liste der Gewinner wirft, der kann davon ausgehen dass nicht zwingend die gewonnen haben, die der Jury am sympathischten waren oder die geringste Konkurrenz wären – einige Preise gingen an die direkte Nachbarschaft vom Corpsepainter, einige an uns, viele an Leute zu denen sie gar keinen Bezug haben. 



Bei einem Contest jedoch war alles herrlich entspannt: dem „Best of Gurke“: hier bestand die Jury aus den drei Teilnehmenden Studios – Cubano Ink, Traitors Island und eben uns vom Tempel – wir hatten die Ehre, unter etwas mehr als einem Dutzend nicht ganz optimaler Tattoos uns drei herauszusuchen, denen wir mit einem Cover-Up helfen wollen – bei jedem im Wert von 400,- Euro. Dadurch dass es auch sehr coole Teilnehmer gab, war dies ein durchaus lustiger Contest und sorgte sowohl bei Jury, Moderator und den Zuschauern für den einen oder anderen Lachflash. Letztendlich fanden wir dann aber doch drei Mädels, denen wir sehr gerne mit einem Cover-Up-Tattoo helfen wollen.

Ansonsten ähnelt sich das Rahmenprogramm wie auf jeder Convention von Jahr zu Jahr – aber Ruven Nagel ist einfach gut, El Voice als Elvis-Imitator ist sogar sehr gut und geht immer und die Piercing-Show von unserem Tempelpiercer Thomas ist halt jedes Jahr einfach die, wo die meisten Leute vor der Bühne stehen – also macht man auch hier nichts falsch.

Das schönste ist aber einfach der herzliche Umgang der Münchner Kollegen untereinander: in anderen Städten sind Tätowierer nicht zwingend die besten Freunde, man berichtet von eingeschlagenen Fensterscheiben etc – nicht so in München: wir hatten jede Menge Spaß, vor allem mit den Kollegen von Traitors Island u. a. beim Best-of-Gurke-Contest, ebenso mit den Jungs von Cubano Ink – und jetzt müsste ich noch so viele aufzählen: unseren ehemaligen Mitarbeiter Thomas Mezaros, Anton Tonik, Herzstich Rolf, die Diamond Ink – Crew, Karina Cuba, und und und…. unmöglich alle aufzuzählen, aber es ist einfach jedes Jahr als würden sich alte Freunde treffen – keine Spur von Konkurrenzgedanken. 



Last but not least tragen zwei Personen ganz besonders zur besonders guten Stimmung in München auf der Tattooconvention bei: Raimund und Rike: ihr seid ein ganz, ganz tolles Team und macht verdammt viel richtig – gerne wieder im nächsten Jahr!



Stephan Tempel

Was der TSV 1860 für mich ist… und warum mich ein Abstieg nicht erschüttern kann:

Diesen Text habe ich am 31.05.2017, einen Tag nach dem Abstieg nach dem Relegationsspiel gegen Jahn-Regensburg geschrieben. Er ist auf Facebook hunderte male geliked und geteilt worden. Da ich nicht möchte dass er irgendwann im Nirvana versinkt, archiviere ich ihn hier für die nächsten Jahre – auch wenn das zwei Tage nach der „Meisterschaft“ eher lustig anmutet.

Gestern waren sie wieder zahlreich vertreten, diejenigen die gerne über unseren TSV spotten, überwiegend natürlich aus dem roten Lager – und natürlich zumeist von Leuten, die in ihrem Leben noch kein Dutzend Fußballspiele von „ihrem“ Verein in einem Fußballstadion von innen gesehen haben….

Einem meiner Mitarbeiter der keinen großen Bezug zum Fußball hat, habe ich das Phänomen 1860 gestern wie folgt erklärt: lass uns zu einer beliebigen Münchner Nobel-Disco gehen, aber davor drehen wir eine Runde durch den Englischen Garten: dort sitzen auf einer Wiese ein Rudel Punks, im Eisbach kühlen sie einen Kasten Augustiner, hören Musik aus einem Ghetto-Blaster, genießen die Sonne und haben Spaß.

An der Disco haben wir dann eine lange Schlange von aufgetakelten Tussies und Schönlingen, die stundenlang vor dem Spiegel gestanden haben, um für den großen Abend perfekt gestylt zu sein. Die 25 Minuten bis zum Türsteher vergehen ihnen wie eine Ewigkeit, aber weil bei dem tollen Wetter nicht so viele in die Disco wollen ist er gnädig und winkt die Leute durch – auch die, die an einem regulären Tag vielleicht nicht reingekommen wären.

Drinnen ist es laut, grausamer Sound der aber „in“ ist… Gespräche sind so nicht möglich, die bequemen Tische sind nur für VIP reserviert und ein 0,3er Pils kostet 7,50 Euro. Wirklich Spaß haben die wenigsten, aber sie machen ein paar Selfies und pos(t)en damit auf Facebook und Instagram, damit sie von ihren Freunden beneidet werden dass sie einen Abend bei den Schönen und Reichen verbracht haben… denn „in ist wer drin ist“.

Wo würdest Du Dich lieber dazu gesellen? Zu den Punks auf die Wiese… oder gehen wir erst einmal nach Hause und stylen uns für die Disco?

1860 ist für mich der gelebte Punkrock: natürlich will jeder das bestmögliche für seinen Verein – aber wenn jemand den maximalen sportlichen Erfolg braucht um sich in diesem zu sonnen – dann gibt es dafür in München eine hervorragende Alternative in rot.

Mir ging es nie um großartige Titel oder schöne Spiele – ich habe mich bewusst für „blau“ entschieden, als der rote Nachbar gerade die 10. Meisterschaft einfuhr, während 1860 in der 3. Liga gegen Frohnlach, Ampfing, Fürstenfeldbruck und die zweite Mannschaft der roten spielte – das hat mich nie großartig gestört.

Dieser Verein hat – zumindest seit dem Zwangsabstieg in die Bayernliga – ganz spezielle Charaktäre angezogen: Leute, die eben nicht die Nobeldisco für ihr Ego brauchen, sondern Leute die bei David gegen Goliath zum David halten, Leute denen Begriffe wie „Ehre“ und „Loyalität“ wichtiger als Geld sind – Leute bei denen ich mich einfach ein Stück weit daheim und aufgehoben fühle.

Natürlich kann man dem jetzt entgegen, dass es auch bei 1860 Leute gibt, denen der sportliche Erfolg über alles geht – ansonsten wären Wildmoser, die Allianzarena und der Investor nie soweit gekommen: Ja, diese Leute gibt es – aber mich umgeben davon wenige und ich fühle mich in meinem Mikrokosmos bei 1860 verdammt wohl.

Das am Dienstag war mein dritter Abstieg mit diesem Verein, man gewöhnt sich daran. Allianzarena und Ismaik waren für mich viel, viel schlimmer.

Ich persönlich wünsche mir, dass das Kapitel Ismaik damit beendet ist: er soll die Zahlungen einstellen & sich verpissen – ob wir dann in Liga 4, 5 oder 6 neu starten spielt für mich keine Rolle:

Ich bleibe bis zum Schluß bei meinen Punks auf der Wiese – und bin fest davon überzeugt, dass ein Neuanfang in diesem Fall das Beste ist.

Einmal Löwe – immer Löwe!

PS ….und dass es die Allianzarena in einem wirklich ehrlichen, demokratischen Prozess niemals gegeben hätte – das beleuchten wir dann beim nächsten mal. Ein Grund mehr, dass mich die Punk-Rock-Chaostage vom Dienstag nicht gestört haben.

Metallica Konzert München, 26.04.2018

Seit weit über einem Jahr schon hatte ich die Tickets für dieses Konzert daheim – dadurch, dass Metallica je Person nur zwei Eintrittskarten verkauft hat und ankündigte, auch nur den aufgedruckten Ticketinhaber + Begleitperson reinzulassen, war es diesmal beim Vorverkaufstart gar nicht so schwierig an Tickets zu gelangen – zumindest hatten es sehr, sehr viele Bekannte von mir geschafft. Die spannendste Frage im Vorfeld war, ob Metallica die Ankündigung wahr machen und tatsächlich nur den aufgedruckten Ticketinhaber reinlassen würden – ja, haben sie – und die tz hat daraus gleich einen Eklat produziert – nachlesen könnt ihr das hier:

http://bunte-ansichten.de/schwarzmarkt-tickethandel-im-internet-und-wie-man-ihn-endlich-stoppt/

Gleichwohl wurde viel über die Eintrittspreise diskutiert: 113,- Euro kostete ein Ticket regulär – und das ist natürlich sehr viel Geld. Ich bin ehrlich: ich zahle lieber 113,- Euro um eine Band vom Kaliber Metallica in einer – relativ – kleinen Halle zu sehen in der man relativ nahe an der Band ist und von jedem Platz aus gut sieht, als z.B. 80,- Euro für einen Sitzplatz am Arsch der Welt im Olympiastadion. Guns´n Roses hat 2017 im Olympiastadion für Sitzplätze seitlich der Bühne übrigens 146,- Euro verlangt – und da hatte man eine Lustlose Kapelle die erkennbar nur noch mal wegen der Kohle auf der Bühne stand bekommen, in gefühlten 100 Meter Entfernung. Oder die ganzen Konzerte im Zenith, die inzwischen auch 60 – 80 Euro kosten in einer grausamen Location… dann lieber 113,- Euro in der Olympiahalle für eine der größten Metal-Bands aller Zeiten – Metallica.

Ich gestehe: ich hatte mir im Vorfeld schon ein paar Videos der Tournee auf Youtube reingezogen und darum war die in der Mitte der Halle platzierte Bühne in der Olympiahalle München keine Überraschung für mich – und ein geschickter Schachzug von Metallica: gut für die Fans, weil so jeder relativ nah an der Band ist – und gut für die Band, weil man so in jeder Halle auch wirklich jeden Sitzplatz verkaufen kann, weil man von jedem Platz aus gleich gut sieht.

Ebenfalls keine Überraschung: Metallica spielen bei dieser Tour in jeder Stadt ein neues Lied in der Sprache des Heimatlandes – in Stuttgart war das z.B. Major Tom, mein Tipp für München war „Skandal im Sperrbezirk“ – denn „in München steht ein Hofbräuhaus“ wäre dann doch etwas sehr lahm gewesen – widersprochen hatte mir bei der Tippabgabe niemand.

Erst um halb neun ging es in die Halle – ich hatte zum einen ohnehin Sitzplätze ergattert, zum anderen einen langen Arbeitstag und die Vorband hatte ich nach kurzem Youtube-Studium als „muss ich nicht unbedingt gesehen haben“ eingestuft und wollte mir meine Energie für Metallica sparen.

Das Publikum in der Halle kann man nur als sehr gemischt bezeichnen: sichtbar viele Menschen die vor 37 Jahren – so lange gibt es Metallica schon – lange Haare hatten und heute eher weniger haben waren zahlreich vertreten, ebenso natürlich viele junge Menschen wo es heute wohl eines der ersten Metallica-Konzerte war – so oft kommen die ja auch nicht nach München.

Was soll man sagen: Schon ab dem Vor-Intro „Long way to the Top“ von AC/DC war in der Halle bessere Stimmunt als bei so manch anderem Konzert – zum bekannten Intro „Exstasy of Gold“ schritt die Band dann durch die Halle auf die Bühne und die Masse tobte. Nach schlechten Konzerten – wie z.B. dem oben erwähnten von Guns´n Roses – hört man ja oft, dass es Münchner Konzertpublikum liegen würde, was in meinen Augen einfach Bullshit ist: ich habe schon hunderte Konzerte in München gesehen in allen möglichen Veranstaltungsstätten – es ist halt Realität, dass ein Udo Jürgens vor Jahren mehr Stimmung in die Olympiahalle brachte als Rammstein wenige Tage zuvor – oder dass bei einem Hüftschwung vom alternden Robbie Williams mehr Stimmung im Olympiastadion ist als bei den Stones oder den Gunners – ganz einfach, weil es halt gute und schlechte Konzerte gibt – und bei schlechten Konzerten ist halt auch die Stimmung scheiße.

Metallica hatte gestern ein dankbares Publikum: der große Teil der Halle stand und ging das gesamte Konzert gut ab, obwohl sowohl die Liedauswahl als auch die Soundqualität meiner Meinung nach nicht sonderlich gut war – genaues entnehmt bitte der Setlist:

Setlist-Metallica-München-2018

Exemplarisch für Stimmung Lightshow dieses Video, welches ich auf Youtube verlinkt habe:

Metallica-München-2018-

Ich selber habe keine Bilder und Fotos zu liefern, weil ich Konzerte lieber live genieße anstatt durch einen kleinen Bildschirm zu betrachten. Aber dieses Phänomen ist mir bei Zeiten einen eigenen Artikel wert…

18 Lieder waren sowieso nicht sonderlich viel, die Toten Hosen haben an gleicher Stelle vor ein paar Monaten mehr als doppelt so viele gespielt – aber die sind auch ein Jahr jünger ;).

Tote-Hosen-München-2017

Letztlich war es trotzdem ein gutes, wenn auch kein überragendes Konzert – natürlich inklusive „Skandal im Sperrbezirk“. Zwei Stunden solide Mucke, dazu eine überragende Lightshow – und am wichtigsten: eine Band, die sichtlich Bock hatte. Dann klappt es auch mit dem Münchner Musikpublikum.

Stephan Tempel

Schwarzmarkt / Tickethandel im Internet – und wie man ihn endlich stoppt!

Respekt, Metallica – alles richtig gemacht!

Schwarzmarkt-Handel rund um Konzerte oder Sportveranstaltungen ist ja kein neues Phänomen, den gab es quasi schon immer – allerdings ist es erst im letzten Jahrzehnt so richtig ausgeufert: Waren es früher ein paar wenige, die vor den Arenen oder via Zeitung ihr Glück versucht haben, so sind es Ebay, Viagogo & Co. sei Dank inzwischen tausende geworden, die auf einen (halbwegs) risikolosen und schnellen Euro spekulieren: man riskiert nicht vor Ort von den Cops erwischt zu werden, man riskiert nicht dass einem renitente Fans die sich nicht über´s Ohr hauen lassen wollen einem Backenfutter verpassen – und sollte es kurzfristig regnen: auch kein Problem, die Karten hat man ja schon Monate vorher verkauft. Das einzige Risiko ist hier das Finanzamt bzw. die Steuerfahndung, die ja – wie schon öfters zu lesen war – auch inzwischen bei ebay und viagogo ganz genau hinschaut. Aber darum geht es jetzt nicht:

Das Massenphänomen Tickethandel im Internet hat viel drastischere Ausmaße gehabt, als es die wenigen Schwarzmarkttickethändler früher jemals geschafft hätten: Konzerte sind über eventim und Co. in wenigen Minuten ausverkauft, weil plötzlich nicht nur Münchner Konzertgänger sich um eine Karte bemühen, sondern in ganz Deutschland oder sogar Europa sitzen zum Vorverkaufstart – egal ob Konzert oder Spitzensportveranstaltung wie EM oder WM – tausende vor dem PC, in der Hoffnung Tickets zu ergattern, nur um sie wenige Minuten später via Ebay oder Viagogo wieder zu verkaufen.

Ich frag mich ja schon lange, warum – nicht wie früher – für ein Konzert in München nicht z.B. 80% der Tickets nur bei Vorverkaufstellen in München und im bayerischen Umland verkauft werden – dann würden auch deutlich weniger Eintrittskarten bei Schwarzhändlern landen. Die Antwort ist ganz einfach: Weil es den meißten Konzertveranstaltern und eventim sowieso einfach egal ist: eine verkaufte Karte ist eine verkaufte Karte – und gerade am Versandhandel mit all seinen Aufschlägen (Ticketgebühr, Servicegebühr, Kreditkartengebühr, Versandgebühr, Fan-Ticket-Aufschlag, etc…) verdient eventim ja mehr als ordentlich.

Was hat der Schwarzmarkthandel im Internet noch für Auswirkungen gehabt? Die Konzertveranstalter haben auf einmal gesehen, welch horrenden Preise die Leute auf einmal zahlen: So haben sich die Konzertkartenpreise in den letzten Jahren fast überall verdoppelt – klar, wenn tausende Karten für Depeche Mode in München die im Original 57,- Euro gekostet haben bei Ebay für 119,- verkauft werden, dann sieht das auch der Veranstalter und verlangt das beim nächsten mal eben selber.

Wieder zurück zum Ursprungsthema: Metallica haben bei ihrer jetzigen Tour – zumindest beim Metallica-Konzert in München – alles richtig gemacht: 113,- Euro sind ohnehin schon eine Stange Geld für eine Eintrittskarte – aber es konnte jeder Besteller nur zwei Tickets kaufen, der Name des Bestellers wurde auf die Eintrittskarte gedruckt und schon bei der Bestellung kam der deutliche Hinweis „Zutritt nur gegen Lichtbildausweis – Eintrittskarten-Besteller und eine Begleitperson“. Wenige Tage vor der Metallica Konzert in München kam dann noch einmal eine E-Mail mit den gleichen Hinweisen.

Das ganze war ziemlich erfolgreich: in den einschlägigen Portalen waren kaum Eintrittskarten zu finden und die wenigen wurden auch fast nicht gekauft. Mit den noch laufenden Konzerten der Tour schaut es ähnlich aus.

Dass die Münchner tz daraus einen „Eklat“ produziert, spricht Bände für diese Zeitung die m.E. nach die Bild im Niveau schon lange nach unten abgehängt hat: Entweder der Verfasser hat keine Ahnung, oder die Zeitung braucht klicks – oder beides. Anders lässt sich der Artikel in der tz nicht erklären:

grottiger tz-online-Artikel

Mein Fazit ist: alles richtig gemacht, Metallica. Namen auf Eintrittskarten werden ja schon lange gedruckt – aber das war das erste mal, dass ich auch wirklich beim Einlass nach meinem Ausweis gefragt wurde. Wenn das Schule macht, dann ist der unsägliche Schwarzmarkt / Tickethandel via Internet bald Geschichte.

Stephan Tempel

Dan Sperry Cirkus Krone München, 24.04.2018

Das erste mal aufmerksam geworden auf Dan Sperry bin ich im November 2014 auf der Tattooconvention Kiel – mein erster Gedanke damals war „ein Zauberer? Auf einer Tattoomesse? Ernsthaft?“ – um dann bei seinem Auftritt mit offenem Mund vor der Bühne zu stehen: Dan Sperry kombinierte damals schon verblüffende Illusionen mit Kunstblut und guter, harter Musik – die Wochen danach hab ich mir viel von ihm auf Youtube reingezogen und festgestellt, dass einige Videos von ihm deutlich über eine Million Klicks haben – nicht zuletzt durch seinen Auftritt bei „Americas Got Talent“. Vor ein paar Wochen dann hab ich ein Plakat gesehen dass seinen Auftritt in München anpries – und mit etwas Glück ergatterte ich noch Tickets in Reihe 2 im Cirkus Krone München – dieser war zu ungefähr 3/4 gefüllt, was der einzige Wehmutstropfen an diesem Abend sein sollte – Dan Sperry hätte ein ausverkauftes Haus verdient gehabt.

Vor wenigen Wochen war ich ja erst bei Hans Klok – der war Klasse – doch Dan Sperry ist halt einfach mehr mein Geschmack: seine Show wird musikalisch überwiegend von Heavy Metal begleitet, er nimmt sich und die Zauberei nicht so ernst und er hat einen fantastischen Humor und großartiges Entertainer-Talent. Bevor ich mich in zuviel Worten verliere – hier einfach der Link zu zwei Videos auf Youtube:

Dan Sperry – America´s Got Talent

Dan Sperry – The Illusionists

Das Fazit von diesem Abend: Zwei Stunden Entertainment vom allerfeinsten von einem äußerst sympathischen, supertalentiertem Entertainer.

Montag dem 30.04. wäre er noch einmal in der Nähe in Fürth – oder am 02.05. in Ulm – wer Lust auf großartige Unterhaltung hat, ist bei Dan Sperry definitiv richtig.

Hans Klok (und Pamela Anderson) in München, Deutsches Theater, 11.04.2018

Hans Klok. Zum ersten mal in Berührung gekommen bin ich mit ihm vor über 10 Jahren in Las Vegas, als er in Überlebensgröße dort – zusammen mit Pamela Anderson – auf einem Hotel am Las Vegas-Strip angekündigt wurde. Er galt und gilt als der schnellste Magier aller Zeiten und hat diverse Einträge im Guinessbuch der Rekorde. Im Herbst 2017 wurde er dann für April 2018 in München angekündigt – ein ideales Weihnachtsgeschenk für die Familie – so dachten wohl viele und darum wurde das Deutsche Theater in München von Hans Klok für den Zeitraum 10.04 – 15.04 gebucht – am Wochenende sogar mit zwei Vorstellungen täglich.

Magier haben es in 2018 schwer: jeder Trick wurde irgendwie schon einmal im Fernsehen gezeigt und das Internet ist natürlich auch voll davon und überhaupt: es gibt doch viel zu viel Unterhaltung, die Leute sind übersättigt: darum packt Hans Klok den Abend in eine Geschichte, in der er sich in einem verwunschenen Schloß auf die Suche nach einem Buch begibt. Wem das nicht genügt: Zumindest für die ersten beiden Auftritte wurde seine ehemalige Las-Vegas-Partnerin Pamela Anderson aus dem Hut gezaubert – und die von mir gekauften Tickets waren für die zweite Vorstellung. Passend zu Las Vegas: Jackpot!

Er kündigt sich selber an mit „ich sehe aus wie Linda de Mol und klinge wie Rudi Carell“ – Humor hat er und es stimmt ja auch.

Dann geht es Schlag auf Schlag: aus einer winzigen Kiste steigen viel zu viele Artisten, überwiegend junge hübsche Frauen. Menschen werden zersägt und wieder zusammengesetzt, Tische und Glühbirnen fliegen durch die Luft, ein Sakko aus dem Publikum erscheint auf einmal am Körper einer zuvor gefesselten Frau – Hans Klok ist schnell und sehr, sehr gut. Er selbst gönnt sich immer wieder kleine Verschnaufpausen, in denen das Publikum aber hervorragend unterhalten wird: sei es durch das Duo La Vision (welches mich selber stark an den Cirque Du Soleil erinnert hat), Yulia Rasshivkina oder durch die Schlangenfrau Jordan McKnight (auch aus Las Vegas, auch nicht zum ersten mal in München) – alle Auftritte an diesem Abend sind durch die Bank sehr, sehr gut.

Ein Auftritt kommt vielleicht etwas zu kurz, vor allem wenn man bedenkt wie groß er angekündigt wurde: Pamela Anderson. Diese wird einmal kurz auf die Bühne gezaubert, sagt nett Hallo, wird von Hans Klok zum Shoppingverhalten befragt und verschwindet danach wieder. Er selbst kommentiert das mit „soviel Geld für so wenig Zeit“ – und das trifft für Pamela Anderson wirklich zu. Nicht aber für den Auftritt von Hans Klok und den anderen Künstlern – der war sein Geld wirklich wert. Meiner Meinung nach eine Empfehlung, noch bis Sonntag im Deutschen Theater in München.

Nachtrag:

Was man auf jeden Fall noch kritisch betrachten darf, ist der heutige Aufmacher der Münchner tz: „Pam verzaubert München – Auftritte im Deutschen Theater“ – und das nach einem 30-Sekunden-Auftritt. Wenn ich mir deswegen die tz geholt hätte, wäre ich wohl mehr als enttäuscht.

Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht?

Der Islam gehört zu Deutschland. Oder auch nicht. Geht mir diese Debatte auf den Senkel. Wer hat´s mal wieder angefangen? Der Seehofer war´s… vermutlich nur zum jetzigen Zeitpunkt, damit niemand mitbekommt, dass der Söder gerade Ministerpräsident geworden ist.

Fakt ist doch: in Deutschland leben rund 5 Millionen Muslime. Die meisten davon dürften ungefähr so muslimisch sein, wie ich christlich. Zumindest meine „offiziell muslimischen“ Freunde denken diesbezüglich ähnlich liberal wie ich. Ein Beispiel davon könnt ihr euch gerne im Tempel ansehen – der hat mit unserem schwulen Tätowierer weniger Probleme als so mancher „guter Christ“.

Warum – verfickte Scheiße nochmal – muss ich den muslimen hier Nonstop erklären, sie gehören nicht zu uns? Meint irgendjemand, davon wird irgendetwas besser? Sie fühlen sich wohler und integrieren sich schneller?

Ja, hier leben Fanatiker. Ja, es gab hier Anschläge – aber genausowenig wie ich als Deutscher mit NSU oder anderen Anschlägen in einen Topf geworfen werden mag, werfe ich die hier friedlich lebenden Muslime mit den Fanatikern in einen Topf.

Die überwältigende Mehrheit der Muslime will hier eines, das gleiche wie ich: Friedlich auf diesem Planeten ein möglichst gutes Leben führen. Halten wir ihnen die Hand hin, anstatt sie auszugrenzen – und zum Seehofer: kümmer Du Dich lieber darum, dass Deine Kanzlerin durch ihre Politik den sozialen Frieden in Deutschland nicht weiter gefährdet, als sie es ohnehin schon getan hat. Der rechte Rand ist nur durch ihre Politik so stark geworden – das sollte und darf kein Grund für Dich sein, dort auf Stimmenfang zu gehen.

Stephan Tempel

Ink Society Nummer 2 – ausführliche Review und Bezugsadressen

Die erste Ausgabe des Heftes wusste mich durch die Bank zu begeistern (nachzulesen hier http://bunte-ansichten.de/reichlich-lesestoff-rund-um-die-bunte-haut/), rund vier Monate nachdem ich das erste mal mit dem Heft in Berührung gekommen bin und somit fünf Monate nach dem das Heft zum ersten mal erschienen ist, habe ich mir am Ostbahnhof die Nummer zwei geholt – wobei wir gleich beim größten Problem des Heftes wären: Es ist einfach schwer zu bekommen. Wo das Heft bezogen werden kann, findet ihr zum Schluß dieser Review.

Das zweite Problem dieses noch jungen Tätowiermagazines dürfte der Preis sein: 9,50 Euro ist einfach eine Ansage, vor allem wenn alle Magazine die daneben verkauft werden deutlich günstiger sind – aber vorweg: Ink Society ist sein Geld wert: 164 fette Seiten, schweres Papier, kaum Werbung enthalten. Da können die anderen bei weitem nicht mithalten.

Da ist es auch locker zu verschmerzen, dass ein paar sehr schön klingende Ankündigungen aus Heft Nummer eins leider nicht in die Tat umgesetzt wurden: Ab Ausgabe zwei sollte es eine eigene Österreich- und eine eigene Schweiz-Ausgabe geben – und in der Deutschland-Ausgabe ein Städte oder Regionen-Special. „Wie soll das denn bitte funktionieren bzw. finanziert werden“ war mein zweiter Gedanke nach dem ersten Gedanken „geile Sache“ – und leider funktioniert es scheinbar (noch) nicht – macht aber nichts:

Heft zwei punktet mit anderen Geschichten: äußerst interessant die Story über Tätowierer Mario Barth (nein, nicht der Komiker)und seinen Werdegang – da ist man halt mal eben früher ein paar hundert Kilometer gefahren, weil es irgendwo jemanden gab der eine von seinen zwei Tattoomaschinen verkauft hat – oder eine Gewerbeanmeldung für das erste Tattoostudio überhaupt in Österreich dauerte schlappe drei Monate, weil es so etwas davor noch nie gab. Heute ist Mario ja nicht zuletzt durch die Tattoofarbe „Intenze“ – ja, das ist sein Label – jedem Tätowierer ein Begriff und ich selber war schon oft staunend in seinen beiden Tattoopalästen in Las Vegas oder zweimal auf seiner „Biggest Tattoo Show on Earth“ dort – was Mario Barth geschaffen hat ist einfach nur phänomenal und zudem interessant aber auch unterhaltsam zum nachlesen.

Ansonsten liegt der Schwerpunkt bei Ink Society zwei logischerweise bei Tätowierern, aber auch auf Kunden und die Geschichte hinter den Tätowierungen – aber auch jede Menge Hintergrundstories rund um die Tattooszene.

Für mich als Münchner besonders schön: die Fotostrecken rund um den Münchner Tätowierer Julian „Corpsepainter“ Siebert: Auf 19 Seiten werden Julian und seine Kunden ausführlich porträtiert und später gibt es noch einmal acht Seiten, auf denen Julian „sein“ München zeigt. Das ganze macht Spaß zum lesen und wenn die einzigen Kritikpunkte sind, dass ein „Knödel“ als „Kloß“ bezeichnet oder die Pose der Bavaria als „Siegerpose“ interpretiert wird, dann weiß man eigentlich dass es nicht wirklich etwas zum meckern gibt – sehr schöne Story über einen von mir äußerst geschätzten Tätowierer.

Einziger wirklicher Kritikpunkt: bei „die Zukunft der Tattoo Conventions“ wäre mehr gegangen, der Artikel wirkt irgendwie unfertig. Ist eher eine äußerst kurze Zustandsbeschreibung als ein Ausblick in die Zukunft. Das ganze schmälert aber den durchwegs guten Gesamteindruck von Heft 2 in keinster Weise und wie schon bei Ink Society 1 gibt es von mir eine fette Kaufempfehlung.

Wo gibt es das Heft?

Zum einen findet ihr eine Liste der Verkaufsstellen bei www.mykiosk.com – diese ist allerdings nicht vollständig, z.B. der Münchner Ostbahnhof war dort nicht enhtalten. Wer nicht laufen will kann es auch bei https://www.daaly.de/ bestellen – Versandkostenfrei.

Wie groß und mächtig ist die ARGE des TSV 1860 (noch)?

Wie groß und mächtig ist die ARGE (noch)? …und warum….

…meint eigentlich eine Fanclubvereinigung ständig, sie müsste Vereinspolitik machen? Ich hab mir jetzt die Satzung der ARGE durchgelesen: hier findet man nichts dazu, was den Vorstand ermächtigen würde, in irgendeiner Art und Weise Vereinspolitisch tätig zu werden – die Satzung der ARGE findet man hier:

http://www.arge-tsv.de/wp-content/uploads/2014/05/ARGE-Satzung-Neu-2015.pdf

Halten wir doch einmal fest: Wir haben beim TSV 1860 einmal im Jahr eine Mitgliederversammlung – sie ist das oberste beschließende Vereinsorgan. Hier werden die Vereinsvertreter gewählt – wenn man auch nur im Ansatz Demokrat ist, dann hat man das Ergebnis der Mitgliederversammlung zu akzeptieren und im Interesse des Vereines Störfeuer zwischen den Mitgliederversammlungen zu vermeiden.

Wie groß ist die ARGE (noch)?

Geht man die Regionen auf der ARGE-Homepage durch, sind dort aktuell noch etwas mehr als 400 Fanclubs eingetragen. Die Mitgliederzahlen der einzelnen Fanclubs dürften schwer nachvollziehbar sein, geschweige denn von „aktiven“ Mitgliedern.

Eine Zahl die allerdings tief blicken lässt: zum 40jährigen Bestehen der ARGE letztes Jahr waren unter anderem geladen: das Präsidium um Robert Reisinger, die Meisterspieler Fredi Heiß und Peter Grosser, Aufstiegstrainer Karsten Wettberg, Ex-1860-Torhüter Michael Hofmann, Volker Rech, Ansprechpartner auf der Löwen-Geschäftsstelle von die Bayerische, der ehemalige 1860-Geschäftsführer Anthony Power und Kabarettist Christian Springer.

Trotz des stattlichen Jubiläum und der hochkarätigen Gäste waren gerade einmal 62 Vertreter von Fanclubs anwesend – nachzulesen hier:

http://www.arge-tsv.de/40-jahre-arge/

Für wieviele Leute spricht die ARGE dementsprechend?

Das ist schwer nachvollziehbar. Man kann aber davon ausgehen: für wenige. Einige Fan-Clubs bestehen nur noch auf dem Papier, bei weitem nicht alle Fan-Clubs sind mit den Äußerungen der ARGE-Vorstandschaft einverstanden.

Schaut man z.B. die Facebook-Gruppe „ARGE TSV 1860“ an, so ergibt sich auch hier – wie beim 40jährigen Jubiläum – ein eher trauriges Bild: Obwohl die Gruppe seit über 5 Jahren besteht, hat sie gerade einmal 1163 Mitglieder – inklusive Robert Reisinger.

Robert Reisinger hat sich dort vor etwas mehr als 24 Stunden zu Wort gemeldet.

Für sein Statement bekam er 226 likes, 5 Herzen und wurde 4 mal mittels „Ha Ha-Smiley“ ausgelacht.

Die Antwort der ARGE bekam 25 likes, 36 „Ha Ha-Smileys“ und 5 wütende Smileys – in der Gruppe der ARGE selbst.

Es ist ja auch kein Geheimnis, dass die ARGE jedes Jahr, aber insbesondere 2017 zur Mitgliederversammlung „ihre Leute“ – traurig, dass man so etwas bei Anhängern des gleichen Vereines überhaupt schreiben muss – mobilisiert hat.

Trotzdem wurde Robert Reisinger von 1359 anwesenden Stimmberechtigten Mitgliedern mit knapp 2/3 Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Ebenso hat die Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit beschlossen, sich von Hasan Ismaik zu trennen.

Fazit: Die ARGE ist bei weitem nicht (mehr) so groß und mächtig wie sie gerne wäre: Zum 40jährigen Jubiläum kamen gerade einmal Vertretern (!) von 15% der Fanclubs, die seit 5 Jahren bestehende Facebook-Gruppe der ARGE hat knapp 1000 Mitglieder und zur Mitgliederversammlung kann sie auch keine nennenswerte Anzahl Mitglieder des TSV 1860 mobilisieren.

Es wäre an der Zeit, dass sich die ARGE wieder auf ihre Aufgaben besinnt, alle nachzulesen unter § 2 der Satzung der ARGE. Stimmung gegen den demokratisch gewählten Präsidenten des TSV 1860 machen gehört mit Sicherheit nicht dazu.

Stephan Tempel